Staatsbesuch

Trumps Asien-Reise: Das erwarten China, Südkorea und Japan

Nicht alle Südkoreaner freuen sich auf den Staatsbesuch des US-Präsidenten: Anti-Trump-Proteste in Seoul.

Nicht alle Südkoreaner freuen sich auf den Staatsbesuch des US-Präsidenten: Anti-Trump-Proteste in Seoul.

Foto: Ahn Young-Joon / dpa

Zwölf Tage lang wird Trump durch Asien reisen. Was wird vom US-Präsidenten erwartet? Ein Blick aus Perspektive der ersten drei Länder.

Tokio/Peking/Seoul.  US-Präsident Donald Trump bricht am Freitag zu seiner bislang längsten Reise auf. Auf seinem Weg nach Asien wird der US-Bundesstaat Hawaii im Pazifik Zwischenstation sein. Trump wird dort am Freitagabend erwartet. Am Samstag will er dort unter anderem Pearl Harbor besuchen, das im Zweiten Weltkrieg von Japan angegriffen worden war. Anschließend reist Trump nach Tokio weiter, wo er am Sonntag eintrifft.

Trumps zwölftägige Asienreise führt ihn anschließend nach Südkorea, China, Vietnam und auf die Philippinen. Der schwere Konflikt mit Nordkorea wird bestimmendes Thema sein. Neben Sicherheitsfragen soll es auch um Wirtschaftsthemen und generell um die Rolle der USA in Asien gehen. Was erwarten die asiatischen Länder von Trump? Ein Überblick.

Was sind die wichtigsten Themen der ersten Station in Asien?

Japan und die USA werden alles dafür tun, um während Trumps dreitägigem Besuch ihre enge bilaterale Allianz zu betonen - und schwierigere Themen wie Handelsfragen wohl eher hintanstellen. Japan geht es vor allem um ein Thema: Nordkorea. Premier Shinzo Abe unterstützt Trumps Haltung, dass „alle Optionen“ auf dem Tisch sind.

Wie steht es um das Verhältnis Japans und der USA?

Abe genießt eine ziemlich einmalige Stellung unter allen Verbündeten der Vereinigten Staaten: Wohl keiner steht Trump so nahe wie der 63-jährige Rechtskonservative. Das heißt nicht, dass Japan Trump blind vertraut, die Haltung ist vielmehr von Pragmatismus geleitet. Die USA sind der einzige Verbündete des ostasiatischen Landes.

Japan weiß, dass es angewiesen ist auf Amerikas nuklearen Schutzschirm. Manche fordern, dass Japan sich lieber selbst atomar bewaffnen sollte. Von Trump wird erwartet, die Sicherheitsallianz zu bekräftigen und zu versichern, dass Japan unter dem nuklearen Schutz der USA steht.

Was würde ein Militärschlag gegen Nordkorea für Japan bedeuten?

Auch wenn niemand wirklich an einen solchen Schlag glaubt: Dies wäre „das schlimmste Szenario für Japan“, meint der US-Experte Hiro Aida von der Aoyama Gakuin Universität in Tokio. Bei einem Angriff dürfte Nordkorea auch gegen Japan zurückschlagen.

Japan geht es bei der Androhung militärischer Gewalt um Abschreckung. Größere Sorgen als ein nuklearer Angriff des Nachbarlandes bereite Japan, dass die USA einen Deal mit Nordkorea machen könnten, so Professor Aida. Und dass es angesichts der Drohung Nordkoreas, die USA mit Atomwaffen zu erreichen, zu einer Schwächung der Abschreckung und des Schutzes Japans durch die USA kommen könnte.

Welche Botschaft hat Trump für Südkorea?

Trumps Besuch in Südkorea ist mit vielen Unsicherheiten für die Menschen in der Region verbunden. Der rhetorische Schlagabtausch Trumps mit der nordkoreanischen Führung hat auch viele Südkoreaner beunruhigt. Trumps geplanter Auftritt vor dem Parlament in Seoul wird mit Spannung erwartet.

Einerseits wird befürchtet, dass Trump den Konflikt verbal weiter anheizen könnte. Auch wird spekuliert, Nordkorea könnte noch vor oder während des Besuchs von Trump einen weiteren Raketentest unternehmen und Washington damit erneut provozieren. Dies wäre auch ein weiteres Signal von Machthaber Kim Jong Un in Richtung Trump, im Konflikt um sein Atomprogramm nicht einlenken zu wollen.

Warum hält sich Pjöngjang derzeit zurück?

Womöglich ist die Ruhe trügerisch und Nordkorea wartet den richtigen Zeitpunkt für den Start einer Interkontinentalrakete ab. Ein Kernziel Pjöngjangs ist es, Raketen aufzustellen, die einen Atomsprengkopf bis in die USA tragen können.

Was erwartet sich Südkorea von Trump?

Der US-Präsident soll das Bündnis mit Seoul bekräftigen - und sich zum Ziel einer friedlichen Lösung des Nordkorea-Konflikts bekennen. Südkoreas Präsident Moon Jae In will um jeden Preis einen Krieg auf der koreanischen Halbinsel verhindern. „Keine militärische Aktion soll auf der koreanischen Halbinsel ohne vorherige Zustimmung Südkoreas unternommen werden“, sagte er kürzlich in einer Rede an die Nation. Moon machte aber auch klar: Südkorea wird auf der Basis der US-Allianz jede Provokation Nordkoreas entschieden beantworten.

Von Seoul geht es weiter nach China. Wie verstehen sich Trump und Xi Jinping?

Offensichtlich gut. Beide Präsidenten haben einen persönlichen Draht zueinander entwickelt. Nach der „herzlichen Gastfreundschaft“ durch Trump und First Lady Melania in dessen Golfclub im April in Mar-a-Lago in Florida plant Xi einen „Staatsbesuch plus“ für den US-Präsidenten in Peking. Außer den üblichen Ritualen wie Ehrengarde und Staatsbankett sind „ein paar besondere Arrangements“ geplant, heißt es von chinesischer Seite, die für ausländische Staatsgäste schon so manches Feuerwerk gezündet hat.

Ist damit alles bestens?

Nein. Die Beziehungen zwischen der aufstrebenden Weltmacht China und der einzig verbliebenen Supermacht USA sind voller Spannungen. Die Nordkorea-Krise und Handelsprobleme stehen ganz oben auf der Agenda. Trump will, dass China mehr Druck auf Nordkorea ausübt, sein Atom- und Raketenprogramm einzustellen. Umgekehrt will China, dass die USA auf Nordkorea zugehen und Verhandlungen aufnehmen.

Beim Thema Handel will Trump die Ungleichgewichte abbauen. Doch wird die chinesische Seite wohl kaum signifikante Zugeständnisse machen, den Staatsbesuch aber mit Milliardendeals und Investitionen in den USA schmücken, damit Trump seine Visite daheim als Erfolg für seine „Amerika-Zuerst-Politik“ verkaufen kann.

Wer hat die Oberhand?

Nach der Kür durch den Parteikongress zu Chinas mächtigstem Führer seit Staatsgründer Mao Tsetung geht Xi Jinping gestärkt in das Treffen. Er strebt eine größere Rolle für ein wirtschaftlich und militärisch starkes China auf der Weltbühne an, auf der der US-Präsident durch den Rückzug der USA als Führungsmacht aus internationalen Vereinbarungen mehr und mehr Platz macht. (dpa)