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AfD-naher Verein plant Wochenzeitung ab Mitte Juli

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Leon Scherfig
Pegida-Anhänger protestieren in Baden-Württemberg. Ein Verein aus Stuttgart will ab Mitte Juli die Wochenzeitung „Deutschland-Kurier“ auf den Markt bringen.

Pegida-Anhänger protestieren in Baden-Württemberg. Ein Verein aus Stuttgart will ab Mitte Juli die Wochenzeitung „Deutschland-Kurier“ auf den Markt bringen.

Foto: dpa Picture-Alliance / Daniel Naupold / picture alliance / dpa

Populistische Flugblätter eines rechtskonservativen Vereins sorgten zuletzt für Wirbel. Nun planen die Macher eine eigene Zeitung.

Berlin.  Die rechtskonservative „Vereinigung zur Erhaltung der Rechtsstaatlichkeit und der bürgerlichen Freiheiten“ hat bereits Erfahrungen im „Blattmachen“. Vor den Landtagswahlen in Nordrhein-Westfalen, Mecklenburg-Vorpommern und der Abgeordnetenhauswahl in Berlin verteilte der Verein kostenlose „Extrablätter“ mit klaren Botschaften. Die Texte erzählten von Flüchtlingen, die dem Staat auf der Tasche liegen, und von „No-go-Areas“, die ausländische Clans beherrschen. Eine der Schlagzeilen: „Kippt auch bald Ihr Viertel?“

Nun plant die Vereinigung eine eigene Wochenzeitung für Deutschland: den „Deutschland-Kurier“. Nach Informationen unserer Redaktion soll die Wochenzeitung das erste Mal Mitte Juli erscheinen. „Wir starten mit einer Auflage von 200.000 Exemplaren in Berlin und werden die erste Ausgabe kostenlos verteilen, damit möglichst viele Menschen das Blatt kennenlernen“, sagte der Vereinsvorsitzende David Bendels unserer Redaktion.

Verbreitung in mehreren Großstädten geplant

Mit dem Vorhaben, über das zuvor die „NZZ am Sonntag“ berichtete, greift der Verein ganz offensichtlich den Vorwurf der „Lügenpresse“ auf, den AfD und Pegida gerne erheben. In den „Extrablättern“ hatte die Vereinigung auch offen für die AfD geworben.

Der „Deutschland-Kurier“ soll laut Bendels „unkonventionelle und unverfälschte Nachrichten bringen“, die laut dem Vereinsvorsitzenden in den „Mainstream-Medien“ teilweise verfälscht dargestellt würden. Das Ziel in seinen Worten: eine „bürgerlich-konservative Alternative“.

Ex-„Bild“-Mann bekommt Kolumne

Nach Berlin sollen die Zeitungen auch in anderen großen deutschen Städten wie Stuttgart, Dresden und Köln erscheinen – dann für 30 Cent pro Ausgabe. Die Zeitung soll laut Bendels ein „boulevardeskes“ Layout haben. Dazu passt auch eine Personalie: Der ehemalige Co-Chefredakteur der „Bild“-Zeitung, Peter Bartels, der zuletzt im umstrittenen Kopp-Verlag veröffentlichte, bekommt eine eigene Kolumne.

Undurchsichtig ist die Finanzierung des Vereins, der seinen Sitz in Stuttgart hat. Laut Recherchen der „Zeit“ hat die „Vereinigung zur Erhaltung der Rechtsstaatlichkeit und der bürgerlichen Freiheiten“ allein für Plakatwerbung („Jetzt AfD wählen“) und Druckkosten im NRW-Wahlkampf bis zu vier Millionen Euro ausgegeben.

Wo kommt das Geld her? Der Verein hat nach eigenen Angaben mehr als 14.000 Mitglieder, die ihn finanzieren. Darunter auch sehr zahlungskräftige, mittelständische Unternehmer. Sie würden laut dem Vereinsvorsitzenden auch die geplante Wochenzeitung finanzieren.

Schweizer Werbeagentur verantwortlich

Von Bendels führt eine Linie direkt in die Schweiz und ins Umfeld der rechtspopulistischen SVP. Für die Gestaltung des „Deutschland-Kuriers“ zeichnet laut Verein die Schweizer Werbeagentur Goal AG verantwortlich. Chef ist Alexander Segert, Politiker der rechtspopulistischen Schweizer Volkspartei (SVP), der mit umstrittenen Kampagnen für Wirbel sorgte. Im Jahr 2007 entwarf er beispielsweise für seine Partei ein Plakat, auf dem weiße Schäfchen ein schwarzes von der Landesflagge treten. Der aus Hamburg stammende Deutsche Alexander Segert entwickelte auch die umstrittene Kampagne gegen Minarette im Jahr 2009.

Vorsitzender betont Unabhängigkeit

Und die Nähe, die die „Vereinigung zur Erhaltung der Rechtsstaatlichkeit und der bürgerlichen Freiheiten“ zu Rechtspopulisten habe? Der Verein sei völlig unabhängig, betont David Bendels auf Nachfrage. „Wir nehmen uns aber das Recht heraus, Wahlempfehlungen auszusprechen“.

Eine Verbindung zur AfD gebe es nicht, beteuert Bendels. Im aktuellen Impressum der Webseite taucht nur Bendels auf. Die Abfrage einer älteren Version der Seite von Anfang 2016 führt allerdings einen gewissen Josef Konrad als Verantwortlichen an. Er ist nicht nur AfD-Mitglied, sondern auch Chef der Agentur Polifakt Medien. Die produzierte mehrere AfD-Publikationen.

Tatsächlich hat David Bendels seinen Verein erst im September 2016 gegründet. Zu dieser Zeit taucht Josef Konrad nicht mehr im Impressum auf. Bendels betont, dass er das AfD-Mitglied Konrad nicht kenne.

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