Washington/Frankfurt. Er ist schwer an Krebs erkrankt, China lässt ihn aber nicht ausreisen. Jetzt wächst die Solidarität für den Dissidenten Liu Xiaobo.

154 Nobelpreisträger haben Chinas Regierung aufgefordert, die Ausreise des todkranken Dissidenten Liu Xiaobo zu ermöglichen. Der Friedensnobelpreisträger und seine Frau wollten das Land verlassen, um die Krebserkrankung Lius behandeln zu lassen, schrieben die Frauen und Männer in einem Brief an Präsident Xi Jinping, den die US-Menschenrechtsorganisation „Freedom Now“ am Donnerstag (Ortszeit) veröffentlichte. „Die Zeit drängt“, heißt es in dem Schreiben.

Liu war vergangene Woche wegen Leberkrebses im Endstadium aus der Haft entlassen worden, wo er wegen „Aufwiegelung zum Staatsumsturz“ eine elfjährige Strafe verbüßt hatte. Eine Ausreise verweigern ihm die Behörden bisher jedoch.

2010 Friedensnobelpreis erhalten

Auch die Ehefrau des 61-Jährigen, die Dichterin Liu Xia, sei krank. „Wir appellieren an die chinesische Regierung, Liu Xiaobo und Liu Xia aus humanitären Gründen die Reise in die Vereinigten Staaten für eine medizinische Behandlung zu ermöglichen“, schrieben die Autoren des Briefes, darunter Nobelpreisträger aller Fachrichtungen. Liu Xia steht seit 2010 unter Hausarrest, ist derzeit jedoch bei ihrem Mann in einem chinesischen Krankenhaus.

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    Liu Xiaobo war Mitinitiator der 2008 veröffentlichten „Charta 08“, in der demokratische Reformen in China gefordert wurden. 2009 wurde er verurteilt. Im darauffolgenden Jahr erhielt der Dichter und Bürgerrechtler den Friedensnobelpreis, den er jedoch nicht entgegennehmen konnte. Danach nahmen die Repressionen gegen seine Familie ebenso wie gegen andere Dissidenten und Intellektuelle zu.

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    Menschenrechtsorganisationen und Schriftsteller setzen sich für die Ausreise Lius ein. Die USA, Taiwan und mehrere europäische Staaten haben Medienberichten zufolge dem Dichter angeboten, ihn aufzunehmen. (epd)