Rente

Mit fairen Löhnen für Frauen der Altersarmut vorbeugen

Solange etwa Krankenschwestern und Altenpflegerinnen für ihren Dienst an der Gesellschaft schlecht entlohnt werden, wird man die Altersarmut von Frauen nicht wirkungsvoll bekämpfen.

Solange etwa Krankenschwestern und Altenpflegerinnen für ihren Dienst an der Gesellschaft schlecht entlohnt werden, wird man die Altersarmut von Frauen nicht wirkungsvoll bekämpfen.

Foto: Jens Kalaene / dpa

Die Stellung der Frau im Wirtschaftsleben bleibt ein Problem. Bester Schutz vor Altersarmut in Zukunft Jahren ist Gerechtigkeit heute.

Berlin.  Manchmal greifen die Ergebnisse von Studien interessant ineinander. Das Bundesfamilienministerium zog am Montag Bilanz nach zwei Jahren Quotengesetz für Frauen in den Führungsetagen der Wirtschaft. Ergebnis: Dort, wo es keinen gesetzlichen Anspruch gibt, passiert auch nichts: Gerade einmal sechs Prozent der Vorstände sind weiblich. Nur in den Aufsichtsräten von rund 100 Unternehmen sitzen mittlerweile fast 30 Prozent Frauen – weil es die Quote gibt.

Damit nicht genug: 70 Prozent der Unternehmen haben sich zudem die „Zielgröße null“ bei der Besetzung mit weiblichem Spitzenpersonal gesetzt. Dazu passt eine Erkenntnis der AllBright-Stiftung, die kürzlich untersuchte, wie deutsche Unternehmen ihre Führungsetagen rekrutieren – als sei nur ein männlicher, 53-jähriger, westdeutscher Betriebswirt in der Lage, im Vorstand eines Unternehmens mitzuwirken, bilanzierte die Stiftung. Seit März vergangenen Jahres waren laut Studie knapp 90 Prozent der Neuanstellungen in deutschen Chefetagen männlich. Klingt fast lustig, wenn es keine absolute Bankrotterklärung wäre.

Das Grundproblem: Die Stellung der Frau im Wirtschaftsleben

Gleichzeitig kam die Bertelsmann Stiftung mit einer alarmierenden Studie zur Altersarmut auf den Markt, wonach mehr als ein Viertel der alleinstehenden Frauen, die ab dem Jahr 2036 in Rente gehen, auf staatliche Hilfe angewiesen sein werden. Auch wenn die Führungsetagen der Wirtschaft und die Altersarmut auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben, das grundsätzliche Problem ist doch das Gleiche: die Stellung der Frauen im Wirtschaftsleben.

Nach wie vor stecken bei Paaren meist die Frauen für die Kindererziehung zurück, unterbrechen ihre Karriere für die Elternzeit, arbeiten in Teilzeit, verdienen weniger Geld. Auch bei exakt gleicher Qualifikation, gleichem Job und gleicher Arbeitszeit verdienen Männer laut Statistischem Bundesamt im Schnitt immer noch sieben Prozent mehr.

Nur mit fairen Löhnen lässt sich Altersarmut wirkungsvoll bekämpfen

Solange heute Krankenschwestern, Erzieherinnen und Altenpflegerinnen für ihren wichtigen Dienst an der Gesellschaft schlecht entlohnt werden, so lange wird man die Altersarmut von Frauen morgen nicht wirkungsvoll bekämpfen.

Das gilt übrigens noch für eine weitere Gruppe, die die Forscher in ihrem Bedrohungsszenario erwähnen: Menschen mit Migrationshintergrund. Was passiert mit den vielen Frauen, die aufgrund von religiösen oder gesellschaftlichen Sitten in ihren Heimatländern das Ziel Beruf nicht vor Augen haben? Oder gar von ihren Männern am Aufnehmen einer Arbeit gehindert werden? Auch hier muss sinnvolle Rentenpolitik ansetzen, mit Aufklärung- und Beratungsangeboten, Deutschkursen, Ausbildungsmodellen, die mit Kindererziehung vereinbar sind.

Wichtig: Bekämpfung von Langzeitarbeitslosigkeit

Und noch einem Punkt sollte sich eine Regierung in der neuen Legislatur verschreiben. Der Bekämpfung der Langzeitarbeitslosigkeit von Frauen und Männern. Denn werden Menschen zu Rentnern, die schon im erwerbsfähigen Alter jahrelang nur von der Grundsicherung gelebt haben, wird das Seniorendasein zum Überlebenskampf, wenn Krankheit und eingeschränkte Mobilität hinzukommen.

Hier muss mit einer Mischung aus Fördern und Fordern direkt bei den Jobcentern angesetzt werden. Mit mehr Beratern, die sich um den Einzelnen persönlich besser kümmern können. Die Talente entdecken, kreative Ideen für Arbeitsmöglichkeiten entwickeln, aber auch denen auf die Schliche kommen, die es schlicht bequem finden, einen monatlichen staatlichen Scheck zu bekommen. Die künftigen Rentenzahler werden es danken.