Anti-Terror-Einsatz

USA werfen über Afghanistan erstmals Riesen-Bombe ab

US-Streitkräfte haben in Afghanistan eine riesige Bombe des Typs GBU-43 eingesetzt - auch bekannt als „Mutter aller Bomben“.

US-Streitkräfte haben in Afghanistan eine riesige Bombe des Typs GBU-43 eingesetzt - auch bekannt als „Mutter aller Bomben“.

Foto: Air Force

Die USA bombardieren die Terrormiliz IS in Afghanistan mit ihrer größten nichtnuklearen Bombe. Es war der erste Einsatz der Waffe.

Berlin/Washington/Kabul.  Die USA haben die größte nichtnukleare Bombe ihres Arsenals über Afghanistan abgeworfen. Laut einer Mitteilung des Militärs sei am Donnerstag ein von der Terrormiliz „Islamischer Staat“ genutzter Tunnelkomplex in der an Pakistan grenzenden Provinz Nangarhar bombardiert worden.

Nach Regierungsangaben sind dabei mindestens 94 IS-Kämpfer getötet worden. Zunächst war von 36 getöteten Islamisten die Rede gewesen. Es habe keine zivilen Opfer gegeben, teilte das afghanische Verteidigungsministerium am Freitag mit.

Die Bombe gilt mit mehr als 8000 Kilogramm Sprengstoff und elf Tonnen TNT-Äquivalent als größter konventioneller Sprengkörper der US-Streitkräfte. Medienberichten zufolge ist es das erste Mal, dass die Bombe vom Typ GBU-43/B im Gefecht eingesetzt worden ist.

Sprengkörper wird „Mutter aller Bomben“ genannt

Der Sprengkörper mit der Bezeichnung „Massive Ordnance Air Blast“ (MOAB) wird inoffiziell „Mutter aller Bomben“ genannt (Mother of All Bombs). Die militärische Bedeutung der Bombe ist umstritten, sie gilt wegen ihrer schieren Größe und der enormen Druckwelle vor allem als Mittel der psychologischen Kriegsführung.

Die Bombe sei aus einem Kampfflugzeug abgeworfen worden. Mit dem Angriff sollte die Gefahr für die amerikanischen und afghanischen Soldaten in der Region minimiert und der Schaden bei den Terroristen maximiert werden.

US-Streitkräfte beurteilen Schaden

Die US-Streitkräfte seien derzeit dabei, den Schaden zu beurteilen. Die Rebellen verstärkten derzeit ihre Verteidigungslinien mit improvisierten Sprengkörpern, Tunnels und Bunkern, hieß es. „Dies ist die richtige Munition, um diese Hindernisse aus dem Weg zu räumen und das Momentum unserer Offensive gegen den IS zu erhalten“, zitiert das Pentagon den Kommandeur der US-Truppen in Afghanistan, General John Nicholson.

Der Sprecher des Weißen Hauses, Sean Spicer, sagte, es seien Vorkehrungen getroffen worden, zivile Opfer möglichst zu vermeiden. Die Frage, ob US-Präsident Donald Trump den Abwurf persönlich angeordnet hat, wollte er nicht beantworten. US-Präsident Donald Trump hatte im Wahlkampf mehrfach beteuert, dass er im Kampf gegen die Terroristen „die Scheiße aus ihnen herausbomben“ würde.

Seit Monaten schwere Angriffe auf IS-Stellungen

Der IS war in Afghanistan erst 2015 aufgetaucht und soll dort nie mehr als 3000 Kämpfer gehabt haben. Lange Zeit war er nur in den beiden ostafghanischen Provinzen Nangarhar und Kunar präsent. Seit Monaten fliegen US- und afghanische Streitkräfte schwere Luftangriffe auf IS-Stellungen dort. Trotzdem scheint der IS nicht geschlagen. 2016 hat er laut dem Zivilopferbericht der UN in Afghanistan mehr Menschen getötet als je zuvor.

Terror-Organisation IS: Das will der Islamische Staat wirklich
Terror-Organisation IS: Das will der Islamische Staat wirklich

Das hängt auch damit zusammen, dass der IS einen Strategiewechsel vollzieht: Von Versuchen, Territorium einzunehmen, zu Terroranschlägen. Seit Jahresanfang hat der IS allein in der Hauptstadt Kabul bereits drei große Anschläge für sich reklamiert. Unter anderem ein Selbstmordattentat auf das höchste Gericht des Landes mit 22 Toten im Februar und einen besonders blutigen, siebenstündigen Angriff von fünf Kämpfern auf das größte Militärkrankenhaus des Landes mit mindestens 49 Toten im März.

Erst am Mittwoch sprengte sich ein Selbstmordattentäter inmitten vieler Ministeriumsangestellter in die Luft, die gerade ihre Büros verlassen hatten. Fünf Menschen starben. Experten sind besorgt, dass auch IS-Kämpfer auf der Flucht aus Syrien und dem Irak in Afghanistan und Zentralasien eine neue Basis suchen könnten. Dies ist unter anderem Thema bei einer großen Afghanistankonferenz in Moskau am Freitag. Der IS will auf afghanischem und pakistanischem Staatsgebiet eine neue Provinz etablieren - „IS-Khorasan“. (moi/law/dpa)