Birmingham

Hass angelacht: Die Frau vom Foto hofft auf Signalwirkung

Saffiyah Khan lächelte dem Anführer der rassistischen „English Defense League“ ins Gesicht. Nun erzählt sie, wie es zur Situation kam.

Saffiyah Khan lächelte dem Anführer der rassistischen „English Defense League“ ins Gesicht. Nun erzählt sie, wie es zur Situation kam.

Foto: Joe Giddens/dpa

Ihr Foto geht um die Welt. Jetzt spricht die Frau, die bei einer islamfeindlichen Demo in Birmingham dem Anführer ins Gesicht lachte.

Birmingham.  Sie lachte dem Anführer der rassistischen „English Defense League“ (EDL) einfach unbeeindruckt ins Gesicht und wird mit dieser Reaktion für viele Menschen zum Symbol. Jetzt erzählt Saffiyah Khan, wie es zu der Situation gekommen ist und wie sie ihre Reaktion im Rückblick sieht. „Manchmal ist es wichtiger zu lächeln als zu brüllen“, sagte sie der BBC.

Der britische „Guardian“ hat nun ein Treffen mit einer Kopftuchträgerin arrangiert, der Saffiyah Khan zu Hilfe gekommen war. Bei der Demonstration von 100 Islamfeinden war die Frau bedrängt worden. Sie sagte dem „Guardian“, ein Mann mit einem Schweinekopf habe ihr eine Fahne der EDL über den Kopf gehalten, sie sei angeschrien worden – bis sich auch Saffiyah Khan einschaltete. Khan, die bosnische und pakistanische Wurzeln hat, sagt ihr: „Du hast nicht so ausgesehen, als würde es dir gut gehen in der Situation. Da musste ich mich einschalten. Es gibt keine Entschuldigung, nichts zu tun.“ Das Fazit der beiden Frauen in dem Video: „Bei dieser Demo haben wir gemeinsam die EDL besiegt.“

EDL-Anführer schimpft auf Facebook

„Peinlich“ sei das Foto, schreibt auch ein früherer Anführer der EDL auf Twitter, „selbst wenn mich einige Leute dafür nicht mögen werden, das sei aber die Wahrheit.“ Zuvor hatte der englische Nationalist vom Foto, der aktuelle Anführer Ian Crossland, auf Facebook getobt: Die „respektlose Hexe“ könne sich glücklich schätzen, dass sie noch alle Zähne im Mund“ habe. Er verbreitet die Lüge, die „ungewaschene schmutzige Kratzbürste“ habe eine Schweigeminute für die Opfer von Westminster gestört.

„Das würde ich nicht tun“, sagte sie dazu dem „Guardian“. Und auch der BBC erklärte sie: „Als ich da war, gab es keine Schweigeminute. Das ist ein Versuch, mich zu verunglimpfen, weil die Situation so klar zu meinen Gunsten ist.“ Über den Kommentar des früheren EDL-Funktionärs sagt sie: „Ich weiß nicht, ob ich sonst mit ihm einer Meinung bin, aber das Statement ist ein Knaller.“

„Defense League“ macht Polizei Vorwurf

Die EDL hält das nicht davon ab, ihre Version als „die Wahrheit“ zu bezeichnen und zum Teilen aufzufordern. Der Aufforderung kamen am Dienstag nur wenige Nutzer nach.

Saffiyah Khan lächelte auch, als Polizisten sie von der Demonstration wegführten. Auch darauf stürzt sich die EDL, behauptet, dieses Bild würden Medien nicht zeigen. Die Polizei habe sie von der Demo entfernt, aber zugelassen, dass sie mehrfach wiedergekommen sei. Die Polizei habe versagt, hätte sie festnehmen müssen. Die EDL wollte offenbar vor der Frau beschützt werden.

Nutzer posteten ähnliche Bilder

Saffiya Khan hält als Fazit fest, sie sei unbeabsichtigt Teil eines sehr, sehr mächtigen Fotos geworden. Das Foto ermutige andere. „Wenn die Menschen sehen, wie sich eine junge Frau in so etwas einmischt, sind auch mehr Leute bereit, Hilfe und Unterstützung zu leisten.“

Twitternutzer haben inzwischen eine Reihe ähnlicher Bilder zusammengetragen, in denen sich Frauen vermeintlicher Übermacht entgegenstellen: