Bundeskanzlerin

Was sagt Merkel zu Trump? – Sieben Tipps fürs erste Mal

Als Matroschka-Puppen in einem Souvenirladen am Roten Platz in Moskau stehen Donald Trump und Angela Merkel schon Schulter an Schulter.

Als Matroschka-Puppen in einem Souvenirladen am Roten Platz in Moskau stehen Donald Trump und Angela Merkel schon Schulter an Schulter.

Foto: Kay Nietfeld / dpa

Was sagt man beim ersten Mal? Hier sind sieben Vorschläge, was Bundeskanzlerin Merkel dem US-Präsidenten Trump zuflüstern könnte.

Berlin.  „You can say you to me“, soll Bundeskanzler Helmut Kohl dem US-Präsidenten Ronald Reagan beim ersten Treffen vorgeschlagen haben, aber das ist sicher nur eine Erfindung. Angela Merkel wird sich etwas Originelleres ausdenken müssen, wenn sie am Freitag im Weißen Haus ihren Gastgeber Donald Trump mit guten Tipps beeindrucken will.

Vielleicht schlägt die Kanzlerin ja bei ihren Amtsvorgängern nach. Wir haben mal im Zitatenschatz der Ex-Kanzler von Adenauer bis Schröder geblättert – und ein paar passende Vorschläge für Merkel herausgesucht.

• „Mit kleinen Jungen und Journalisten soll man vorsichtig sein. Die schmeißen immer noch einen Stein hinterher.“

Ja, das würde Donald Trump gefallen, wie Konrad Adenauer über die Presse lästerte. Hat sich der US-Präsident doch die kritischen Medien zum Lieblingsgegner auserkoren. Mit dem Satz hätte sich Merkel The Donald gleich mal zum Freund gemacht – die Frage ist, ob sie das überhaupt will. Vielleicht gibt sie dem Präsidenten ja auch lieber einen etwas nachdenklicheren Hinweis.

• „Mit dem Reichtum fertig zu werden, ist auch ein Problem.“

Reichtum ist etwas, mit dem Multi-Milliardär Trump sich auskennt. Womöglich hat er aber nie gelernt, mit dem ganzen Geld verantwortlich umzugehen. Adenauers Nachfolger Ludwig Erhard, der Vater des deutschen Wirtschaftswunders, wusste offenbar um dieses Problem. Was er wohl sagen wollte: Großkotzigkeit kommt nicht gut an. Ob Trump diesen dezenten Hinweis versteht? Vielleicht erdet Merkel den Präsidenten lieber so:

• „Ich habe manchmal das Gefühl gehabt: Ich bin eher Inhaber einer Reparaturwerkstatt als der eines Großbetriebs.“

Politische Macht als Reparaturwerkstatt? Diese bittere Erfahrung, die der dritte Kanzler Kurt Georg Kiesinger machte, dürfte Trump wenig schmecken – schließlich will er Amerika „great again“ machen. Dazu passt das Bild von der Schrauberwerkstatt im Hinterhof so gar nicht. Aber ein bisschen Demut täte dem Präsidenten ganz gut. Beispielsweise so:

• „Politiker, die Dogmen huldigen oder ihren Platz auf einem Podest staatsmännischer Unfehlbarkeit beanspruchen, verdienen kein Vertrauen. Wir sind keine Erwählten, wir sind Gewählte.“

Oh, oh! Diese Mahnung von Willy Brandt an seine Politikerkollegen würde Trump nicht gefallen. Sieht er sich doch schon jetzt, nach wenigen Wochen im Amt, als Säulenheiliger seiner Wählerschaft und jeder, der an diesem Denkmal kratzt, bekommt des Präsidenten Zorn per Twitter zu spüren. Brandt war außerdem Sozialdemokrat, was in Trumps Amerika unter die Rubrik Linksextremismus fällt. Ob der Präsident mit dem Namen Willy Brandt überhaupt etwas anzufangen wüsste? Da sollte Merkel vielleicht lieber bei Brandts Nachfolger nachschlagen.

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• „Die multikulturelle Gesellschaft ist eine Illusion von Intellektuellen.“

Das passt schon eher in das Weltbild des Isolationisten Trumps - auch wenn Helmut Schmidt die Mauer an der Grenze zu Mexiko sicher nicht gutgeheißen hätte. Aber mit Multikulti hat Trump es genauso wenig wie mit Intellektuellen, deren Gedankengänge er sowieso nicht folgen kann. Keine schlechte Wahl also, das Schmidt-Zitat. Aber sehen wir weiter.

• „In einem Führungsamt ist Charakter oft wichtiger als Wissen oder Intelligenz.“

Damit hatte Helmut Kohl sicher Recht – aber soll Merkel ihrem Gastgeber seine mangelnden Qualifikationen für das mächtigste Amt der Welt wirklich so unter die Nase reiben? Zumal es ja auch an der Charakterstärke Trumps gewisse Zweifel gibt. Dann schon lieber so:

• „Wenn Populismus verstanden wird als das Aufnehmen von Erwartungen und Sorgen im Volk, dann halte ich ihn nicht für einen Vorwurf.“

Gerhard Schröder und Populist Donald Trump – irgendwie kann man sich vorstellen, dass die beiden gut miteinander ausgekommen wären. Okay, Schröder ist Sozialdemokrat, aber irgendwie auch wieder nicht. Außerdem hält der Ex-Kanzler ebenso wie Trump große Stücke auf Putin. Und wenn er dann noch Populismus für eine gute Sache hält – super Spruch. Frau Bundeskanzlerin, übernehmen Sie!