Staatsbesuch

Besuch bei Trump: Angela Merkels Reise ins Ungewisse

US-Präsident Donald Trump und Bundeskanzlerin Angela Merkel treffen erstmals aufeinander.

US-Präsident Donald Trump und Bundeskanzlerin Angela Merkel treffen erstmals aufeinander.

Foto: Alex Brandon;Rainer Jensen / dpa

Die Bundeskanzlerin kennt sich mit schwierigen Männern aus. Nun also Donald Trump. Die beiden müssen sich erst noch kennenlernen.

Washington.  Donald Trump ist empfänglich für Verschwörungstheorien. Möglich darum, dass dem US-Präsidenten der wegen des vielen Schnees in Washington abgesagte erste Besuchsversuch von Angela Merkel als verkappte Botschaft gedeutet werden könnte. Besser die Finger vom Pariser Klimaschutzabkommen lassen!

Aber auch damit würde Angela Merkel am Ende klarkommen. Die Bundeskanzlerin kennt sich mit schwierigen Männern auch in Amerika aus. Sie hat die Nackenmassage von George W. Bush überstanden. Und am Ende hinter Obamas Coolness Herzenswärme gespürt. Dabei hat sie immer Distanz gepflegt. Aus nächster Nähe.

Angela Merkel muss Donald Trump erst lesen lernen

Was sie nach dem Blitzbesuch bei Donald Trump spüren wird? Gute Frage. Ein solches Exemplar, so operativ ungeduldig und von sich selbst betrunken, ist der auf Vernunft gepolten Physikerin noch nicht untergekommen. Sie muss ihn erst lesen lernen. Es wird eine Expedition ins Ungewisse, von der einiges abhängt. Die neue europäisch-amerikanische Beziehungsgeschichte verträgt keinen Fehlstart.

Dear Mr. Trump: Das müssen Sie über Merkel wissen
Dear Mr. Trump: Das müssen Sie über Merkel wissen
Dear Mr. Trump: Das müssen Sie über Merkel wissen
Dear Mr. Trump: Das müssen Sie über Merkel wissen

Aber Merkel reist mit einer Bugwelle von berechtigten Befürchtungen und Beschwerden an. Mit der üblichen Dosis Freundschaftsfolklore kommt man dem nicht bei. Andererseits darf die Entfremdung nicht schon vor der Emanzipierung einsetzen.

Donald Trumps Chamäleonhaftigkeit macht alles so mühsam

Merkel wird viele kleine Schnittmengen anbieten, die den auf Beziehungs-Minimalismus geeichten Geschäftsmann auf die Probe stellen. Will er wirklich nur „Amerika zuerst“? Oder ist er in Globalisierungsdingen noch resozialisierbar? Dabei gibt es ein Problem, das alles überlagert.

Es sind nicht so sehr die vielen Konfliktfelder von Nato über Putin/Ukraine und Terror bis Klimaschutz und Freihandel, die der in Krisenroutine erfahrenen Merkel zu schaffen machen.

Es ist die nach wie vor große Unsicherheit verbindlich zu sagen, was im Weißen Haus denn nun Wunsch, Wille und Vorstellung ist. Donald Trumps Chamäleonhaftigkeit macht alles so mühsam. Niemand weiß, welcher politische Gehörgang bei diesem Präsidenten heute aktiv ist. Hoffentlich dringt Merkel durch.