Anschlag auf Nachtclub

Gefasster Angreifer gesteht Istanbuler Silvester-Attacke

Im Nachtclub Reina in Istanbul hatte ein Attentäter in der Silvesternacht 39 Menschen erschossen.

Im Nachtclub Reina in Istanbul hatte ein Attentäter in der Silvesternacht 39 Menschen erschossen.

Foto: Emrah Gurel / dpa

An Silvester sind in einem Nachtclub in Istanbul 39 Menschen getötet worden. Offenbar hatte der Angreifer die Stadt nicht verlassen.

Istanbul.  Zweieinhalb Wochen nach dem Angriff auf einen Istanbuler Club in der Silvesternacht ist der Hauptverdächtige gefasst – und hat nach offiziellen Angaben ein Geständnis abgelegt. „Der Terrorist hat seine Tat gestanden“, sagte der Gouverneur der türkischen Millionenmetropole, Vasip Sahin, am Dienstag. Auch die Fingerabdrücke des Mannes, der als Abdulkadir Mascharipow identifiziert wurde, passten zu denen vom Tatort. M. war in der Nacht in Istanbul festgenommen worden.

Mascharipow soll an Silvester im Istanbuler Club Reina 39 Menschen getötet und Dutzende weitere verletzt haben. Dem Angreifer war danach die Flucht gelungen. Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hatte den Anschlag in der Neujahrsnacht für sich reklamiert.

Nach offiziellen türkischen Angaben hatte der Mann bei seiner Festnahme große Mengen Bargeld in ausländischer Währung bei sich. Bei ihm seien 197.000 US-Dollar (185.000 Euro) und zwei Pistolen sichergestellt worden, sagte der Istanbuler Gouverneur Vasip Sahin am Dienstag nach Angaben von Anadolu. Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan berichtete, der mutmaßliche Angreifer sei „bei einer erfolgreichen Operation unserer Sicherheitskräfte“ gefasst worden. Mit Blick auf Terroristen in der Türkei fügte Erdogan hinzu: „Ich habe es bereits zuvor gesagt, in diesem Land wird keiner mehr ungeschoren davonkommen.“

Behörden nehmen vier weitere Verdächtige fest

Der Festgenommene ist nach Angaben des Gouverneurs 1983 in Usbekistan geboren und in Afghanistan ausgebildet worden. „Er ist ein viersprachiger gut ausgebildeter Terrorist“, sagte Sahin. Es sei klar, dass der Angreifer die Bluttat im Namen des IS ausgeführt habe.

Anadolu meldete, bei der Festnahme seien neben Mascharipow vier weitere Verdächtige festgenommen worden. Darunter seien ein Mann kirgisischer Abstammung sowie drei Frauen, zu denen keine näheren Angaben gemacht wurden. Operationen gegen weitere potenzielle Terrorzellen dauerten in der Nacht an.

„Sabah“ veröffentlichte auf Twitter Fotos „des Terroristen und seines kirgisischen Freundes“ von der Festnahme. Darauf ist der Hauptverdächtige mit Blut im Gesicht zu sehen. Der zweite Verdächtige liegt mit auf dem Rücken gefesselten Händen auf dem Boden. Ein auf dem Bild nicht zu erkennender Mann scheint den Kopf des Verdächtigen mit seinem Stiefel auf den Boden zu drücken.

39 Menschen starben bei Anschlag

Der Angreifer war in der Silvesternacht in den berühmten Istanbuler Club Reina eingedrungen und hatte wahllos auf Feiernde geschossen. 39 Menschen waren getötet worden, darunter mindestens 26 Ausländer. Dutzende weitere Menschen waren verletzt worden. Dem Mann war anschließend die Flucht gelungen. Nach ihm war fieberhaft gefahndet worden. Die Tat hatte weltweit Entsetzen ausgelöst.

Vize-Ministerpräsidenten Veysi Kaynak hatte wenige Tage nach der Tat gesagt, auch bei dem Angreifer handele es sich vermutlich um einen Uiguren. Zur Staatsangehörigkeit des Terroristen hatte Kaynak sich aber ausdrücklich nicht geäußert.

Türkei setzt sich seit langem für die Uiguren ein

Die muslimische Minderheit der Uiguren in der Region Xinjiang in Nordwestchina ist ein Turkvolk und fühlt sich von den Chinesen unterdrückt. Die Türkei setzt sich seit langem für die Uiguren ein. China wirft der Türkei vor, geflüchteten Uiguren türkische Reisepässe auszustellen. (dpa)