Luftfahrt

Flugschreiber der abgestürzten Tupolew in Russland entdeckt

Rettungskräfte bringen Fundstücke von der Absturzstelle der Tu-154 ans Land. Inzwischen ist auch der Flugschreiber gefunden worden.

Rettungskräfte bringen Fundstücke von der Absturzstelle der Tu-154 ans Land. Inzwischen ist auch der Flugschreiber gefunden worden.

Foto: Yevgeny Reutov / dpa

Mit Blumen und Kerzen gedenken die Russen der Toten des Flugzeugabsturzes am Schwarzen Meer.

Sotschi/Moskau.  Taucher haben im Schwarzen Meer den Flugschreiber des am Sonntag abgestürzten Flugzeugs entdeckt. Das bestätigte das Verteidigungsministerium in Moskau russischen Medien. Demnach wurde er in 17 Metern Tiefe gefunden. Von den Daten des Flugschreibers der 33 Jahre alten Maschine erhoffen sich die Ermittler Hinweise zur Absturzursache.

Die Passagiermaschine vom Typ Tupolew Tu-154 des russischen Verteidigungsministeriums war am Sonntagmorgen aus bisher ungeklärter Ursache kurz nach dem Start in Sotschi verunglückt. Die Behörden gehen von 92 Toten aus. Die Maschine sollte Sänger des traditionsreichen Alexandrow-Armeechors zu einem Konzert nach Syrien bringen. Auch der Leiter des Ensembles, Generalleutnant Waleri Chilalow, kam ums Leben.

Weitere Wrackteile entdeckt

Neben dem Flugschreiber wurden laut Ministerium auch fünf weitere Wrackteile der Maschine in etwa 30 Metern Tiefe geortet. Taucher hatten bereits am Montag im Meer vor Sotschi Teile des Rumpfes und des Hecks der Maschine gefunden. Einige Teile wurden an Land gebracht. „Es werden Vorbereitungen zur Bergung getroffen“, hatte ein Sprecher gesagt.

Taucher suchen auch weiter nach den Opfern des Absturzes. Die Bergungsarbeiten machten nach offiziellen Angaben Fortschritte. Bei den Sucharbeiten werden 200 Taucher und 45 Schiffe eingesetzt.

Maschine stürzte nach Start ab

Als Absturzursache werde technisches Versagen oder ein Pilotenfehler vermutet, sagte Transportminister Maxim Sokolow am Montag der Agentur Interfax zufolge. Ein Terroranschlag gehöre nicht zu den wahrscheinlichen Versionen. Auch Kremlsprecher Dmitri Peskow sagte, die Version eines Anschlags werde nicht vertieft. Sie stehe „bei weitem nicht an erster Stelle“.

Russland trauert um Opfer

Am Sitz des Chores in Moskau legten Trauernde Blumen nieder. Auf der Uferpromenade des südrussischen Ferienortes Sotschi brannten Kerzen für die Opfer. Ministerpräsident Dmitri Medwedew sprach von einer „fürchterlichen Katastrophe“. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sprach Putin nach dem Unglück ihr Mitgefühl aus, wie die Regierung in Berlin mitteilte.

Assad bekundet sein Beileid

Neben den Musikern waren acht Mann Besatzung an Bord, dazu neun Journalisten mehrerer Fernsehsender, außerdem eine bekannte russische Ärzte, Militärs und Beamte. Ende Oktober 2015 war ein russisches Touristenflugzeug mit 224 Menschen über der ägyptischen Sinai-Halbinsel gesprengt worden.

Russland kämpft seit Herbst 2015 im Syrien-Krieg aufseiten des Präsidenten Baschar al-Assad. Dieser sprach Putin sein Beileid aus. Der Absturz des Flugzeugs, das „gute Freunde“ an Bord hatte, habe große Trauer hervorgerufen, schrieb Assad nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Sana. Anfang Mai hatte das russische Militär den Stardirigenten Waleri Gergijew und sein Orchester zu einem Konzert in die syrische Wüstenstadt Palmyra geflogen. (dpa/sdo)