Anschlag in Berlin

Fall Anis Amri – Terrorzelle in Tunesien ausgehoben

Anis Amri war aller Wahrscheinlichkeit nach der Attentäter von Berlin.

Anis Amri war aller Wahrscheinlichkeit nach der Attentäter von Berlin.

Foto: Reuters

Ein Mann soll über eine App verschlüsselte Botschaften geschickt haben. Verbindungen zu Anis Amri auch in Spanien.

Tunis.  Nach dem Terroranschlag auf einen Berliner Weihnachtsmarkt haben tunesische Sicherheitskräfte drei Männer festgenommen, die Kontakte zu dem mutmaßlichen Attentäter gehabt haben sollen. Einer der Verdächtigen sei der Neffe von Anis Amri, teilte das Innenministerium in Tunis am Samstag mit.

Die Festgenommenen seien zwischen 18 und 27 Jahre alt. Nach dem Tod Amris konzentrieren sich die Ermittlungen auf mögliche Helfer. Es soll festgestellt werden, ob der 24-Jährige Unterstützer hatte.

Amri nach Schusswechsel getötet

Amri war in der Nacht zu Freitag in Sesto San Giovanni bei Mailand nach einem Schusswechsel mit der Polizei getötet worden. Der 2015 nach Deutschland gekommene Tunesier war nach Überzeugung der Ermittler der Mann, der am Montagabend in mit einem gestohlenen Sattelzug in den Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche in Berlin gerast war. Bei dem Attentat starben 12 Menschen, 53 wurden teilweise lebensgefährlich verletzt.

Merkel - Der Fall Amri wirft eine Reihe von Fragen auf

Die Bundeskanzlerin sagte, man werde nun mit Nachdruck prüfen, inwieweit staatliche Maßnahmen verändert werden müssten. Die Bundesregierung werde alles Menschenmögliche zum Schutz der Bürger tun.
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Der Neffe Amris soll nach Angaben tunesischer Sicherheitskräfte gestanden haben, dass er mit dem mutmaßlichen Attentäter auf einem verschlüsselten Weg über eine Nachrichtenapp in Kontakt gestanden habe. Sein Onkel habe gewollt, dass er der Terrormiliz Islamischer Staat die Treue schwöre. Auch habe er ihm Geld geschickt.

Ermittler untersuchen Amris Waffe

Das Ministerium in Tunis bezeichnete die drei Männer als eine Terrorzelle, die Sicherheitskräfte bereits am Freitag nahe der Stadt Kairouan ausgehoben hätten. In dieser Region lebt auch die Familie von Amri. Kairouan gilt als Salafistenhochburg.

Nach Abgaben der italienischen Nachrichtenagentur Ansa sind deutsche Ermittler mit ihren Kollegen in Mailand zusammengekommen. Unter anderem soll untersucht werden, ob die Waffe, die Amri bei seinem Tod bei sich getragen und aus der er Schüsse auf zwei italienische Polizisten abgefeuert hatte, dieselbe ist, mit der in Berlin der Fahrer des gestohlenen polnischen Lkw erschossen wurde.

Alle Opfer von Berlin identifiziert

Die Opfer des Anschlags sind identifiziert. Unter den Toten sind nach Angaben des Bundeskriminalamtes sieben Deutsche sowie Menschen mit tschechischer, ukrainischer, italienischer, israelischer sowie polnischer Staatsangehörigkeit. Kinder seien nicht unter den Getöteten. Der bei dem Schusswechsel bei Mailand verletzte italienische Polizist konnte das Krankenhaus am Samstag verlassen.

Die Leiche einer Italienerin ist in ihr Heimatland zurückgeführt worden. Das Militärflugzeug mit den Eltern der Toten und dem Sarg landete am Samstag auf dem Flughafen Ciampino bei Rom. Auch der italienische Staatspräsident Sergio Mattarella und Verteidigungsministerin Roberta Pinotti waren bei der Ankunft dabei.

De Maiziere: Bedrohungslage in Deutschland bleibt hoch

Nach dem Tod des mutmaßlichen Attentäters Anis Amri sagte der Bundesinnenminister, er sei erleichtert, dass von diesem keine Gefahr mehr ausgehe. Der CDU-Politiker kündigte Konsequenzen aus dem Berliner Anschlag an.
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Amri kaufte Bahnticket in Lyon

Nach französischen Medienberichten soll Amri über Lyon und Chambéry nach Italien gelangt sein. Der Terrorverdächtige habe am vergangenen Donnerstag in Lyon das Bahnticket für Italien gekauft, berichtete die Wochenzeitung „Journal de Dimanche“ mit Verweis auf eine hochrangige Quelle im Pariser Innenministerium.

Die Nachrichtenagentur Ansa hatte zuvor gemeldet, dass der Terrorverdächtige aus dem französischen Chambéry nach Turin in der italienischen Region Piemont gekommen sei. Von dort habe er einen Zug nach Mailand genommen. Medienberichten zufolge war eine entsprechende Fahrkarte bei seiner Leiche gefunden worden.

Vermeintlich Gesuchter stellte sich

Nach der Veröffentlichung von Bildern aus einer Überwachungskamera vor einem Berliner Moschee-Verein hat sich der Gezeigte nach Angaben der Polizei bei der Behörde gemeldet. Es stehe eindeutig fest, dass es nicht der Terrorverdächtige Anis Amri gewesen sei, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft am Samstag mit.

Der Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) hatte am Donnerstagabend berichtet, Amri sei auf Bildern vor und nach dem Terroranschlag an dem Salafisten-Treffpunkt in Moabit zu sehen.

Der Chef des Landeskriminalamts, Christian Steiof, hatte das bereits am Freitag dementiert: Bei der Person auf den Bildern handele es sich nicht um den mutmaßlichen Attentäter. „Die Bilder wurden den Medien ohne Freigabe der Polizei Berlin zugespielt“, hieß es in der Mitteilung am Samstag.

(dpa)