Meinungsfreiheit

Journalist Dündar sagt Laudatio bei Menschenrechtspreis ab

Can Dündar, der frühere Chefredakteur der regierungskritischen türkischen Zeitung „Cumhuriyet“. Dündar wurde in der Türkei zu knapp sechs Jahren Haft verurteilt und lebt in Deutschland.

Can Dündar, der frühere Chefredakteur der regierungskritischen türkischen Zeitung „Cumhuriyet“. Dündar wurde in der Türkei zu knapp sechs Jahren Haft verurteilt und lebt in Deutschland.

Foto: imago stock&people / imago/Metodi Popow

Der türkische Journalist Can Dündar sollte in Bonn eine Laudatio halten. Nach „starken Reaktionen“ bei Facebook hat er nun abgesagt.

Bonn.  Ein geplanter Auftritt des türkischen Journalisten Can Dündar bei der Verleihung des Beethovenpreises für Menschenrechte ist kurzfristig abgesagt worden. Gemeinsam mit Dündar habe man entschieden, die Laudatio zurückzuziehen, weil sie „weitreichende, starke Reaktionen in Europa und der Türkei hervorgerufen“ habe, teilte die Bonner Beethoven Academy am Donnerstag mit.

Dündar, bis August Chefredakteur der regierungskritischen türkischen Zeitung „Cumhuriyet“, sollte am Samstag in Bonn die Festrede auf den diesjährigen Preisträger, den türkischen Starpianisten Fazil Say halten. Vor allem auf Facebook habe es harsche Reaktionen gegeben, sagte der Intendant der Beethoven Academy, Torsten Schreiber, der Deutschen Presse-Agentur. Diese seien gesichert und an die Polizei weitergeleitet worden. Wer die Urheber waren, könne er nicht sagen.

Dündar will seinen Freund im Mittelpunkt stehen lassen

Mit dem Verzicht auf den Auftritt wolle Dündar seinen Freund Say im Mittelpunkt stehen lassen, sagte Schreiber. „Sicherheitstechnisch hätten wir die Veranstaltung durchgezogen.“ Dündar war im Mai in Istanbul wegen brisanter Enthüllungen der „Cumhuriyet“ zu knapp sechs Jahren Haft verurteilt worden. Er lebt inzwischen in Deutschland. (dpa)