Trauer

FDP-Politikerin Hildegard Hamm-Brücher ist gestorben

Hildegard Hamm-Brücher im Jahr 2011.

Hildegard Hamm-Brücher im Jahr 2011.

Foto: Peter Kneffel / dpa

Sie hat über Jahrzehnte die Politik der FDP geprägt: Hildegard Hamm-Brücher. Nun ist sie im Alter von 95 Jahren in München gestorben.

München.  Die langjährige FDP-Politikerin Hildegard Hamm-Brücher ist im Alter von 95 Jahren gestorben. Das bestätigte ihr Sohn am Freitag der Deutschen Presse-Agentur in München.

Über Jahrzehnte prägte Hamm-Brücher die Politik der Liberalen, als Bundestagsabgeordnete und Staatsministerin im Auswärtigen Amt unter Außenminister Hans-Dietrich Genscher. „Mit ihr verliert Deutschland eine große liberale Persönlichkeit“, sagte der bayerische FDP-Landeschef Albert Duin.

Geboren in Essen, aufgewachsen in Berlin

Hamm-Brücher wurde 1921 als drittes von fünf Geschwistern in Essen geboren, sie wuchs in Berlin auf. Mit elf wurde sie Vollwaise. Während der Kriegsjahre 1940 bis 1945 studierte sie Chemie in München. 1948 zog sie als promovierte Chemikerin für die FDP in den Münchner Stadtrat ein.

Das war nur der erste Schritt. Hamm-Brücher wurde Landtagsabgeordnete in Bayern, später Staatssekretärin im hessischen Kultusministerium. In der Regierungszeit von SPD-Kanzler Willy Brandt war sie Staatssekretärin im Bundesministerium für Bildung und Wissenschaft und während Helmut Schmidts Kanzlerjahren die erste Staatsministerin im Auswärtigen Amt. Dem Bundestag gehörte sie von 1976 bis 1990 an.

2002 gab sie ihr Parteibuch ab – wegen Jürgen Möllemann

Die Krönung ihrer Laufbahn blieb ihr versagt: Hamm-Brücher kandidierte 1994 für das Amt des Bundespräsidenten. Doch im dritten Wahlgang opferte ihre Partei sie dem Koalitionskalkül – Staatsoberhaupt wurde Unionskandidat Roman Herzog.

Nach 50 Jahren in der FDP gab Hamm-Brücher 2002 ihr Parteibuch ab – wegen antiisraelischer Äußerungen des damaligen Parteivizes Jürgen Möllemann. 2015 verschlechterte sich ihr Gesundheitszustand. Doch trotz zweier Oberschenkelhalsbrüche, Gedächtnislücken und Gleichgewichtsstörungen verfolgte sie die Entwicklungen in der Politik weiter.

Merkel: „Deutschland verliert eine herausragende Demokratin“

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat Hamm-Brücher als eine der wichtigsten Stimmen des Liberalismus gewürdigt. „Deutschland verliert mit Hildegard Hamm-Brücher eine herausragende Demokratin – und eine der letzten politischen Akteurinnen, die unsere Demokratie nach dem Zweiten Weltkrieg mitaufgebaut haben“, erklärte Merkel am Freitag in Berlin.

Mit ihrem unermüdlichen und wortgewaltigen Einsatz für die Demokratie habe sie sich höchsten Respekt über Parteigrenzen hinweg erworben. „Freiheit war für sie, die Krieg und Gewaltherrschaft selbst noch erlebt hat, Privileg, aber auch Verpflichtung.“ Hamm-Brücher habe sich ein Leben lang jeder Form von Ideologie, Extremismus und Antisemitismus entgegengestellt, betonte die CDU-Vorsitzende.

Gauck lobte Hamm-Brüchers Verständnis von Liberalismus

Auch Bundespräsident Joachim Gauck fand bewegende Worte für die verstorbene Politikerin. Sie habe wie kaum eine andere für einen Liberalismus gestanden, der sich für Bürgerrechte, Zivilcourage und demokratische Kultur einsetzte, erklärte Gauck in einem Kondolenzschreiben an Hamm-Brüchers Tochter Miriam Hamm

„Hildegard Hamm-Brücher besaß Anstand und Maß und war offenen Sinnes für andere und Andersdenkende. Mit ihrer aufrichtigen Liberalität bleibt sie auch für nachfolgende Generationen ein Vorbild“, schrieb der Bundespräsident.

Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) sagte am Freitag am Rande des Treffens der OSZE-Außenminister in Hamburg: „Wir verlieren mit ihr eine der ersten Frauen, die sich im Auswärtigen Amt und weit darüber hinaus für Demokratie und Freiheitsrechte eingesetzt hat.“

Kubicki: Auch in schweren Zeiten geradlinig geblieben

Auch FDP-Bundesvize Wolfgang Kubicki hat das politische Wirken Hamm-Brüchers gewürdigt. „Mit Hildegard Hamm-Brücher ist eine der großen Frauen des politischen Liberalismus von uns gegangen“, sagte Kubicki am Freitag. Sie sei eine „Hauptprotagonistin des sozialliberalen Aufbruchs in der FDP in den 1960er Jahren“ gewesen.

Auch nach ihrem Austritt sei sie den Liberalen eng verbunden geblieben. „Die FDP-Fraktion trauert um eine große Frau, die auch in schweren Zeiten geradlinig geblieben ist und sich nie verbogen hat“, so Kubicki. (dpa/epd)