US-Präsidentschaftswahl

Clintons Vorsprung schmilzt nach E-Mail-Vorstoß des FBI

FBI-Chef James Comey steht in der Kritik.

FBI-Chef James Comey steht in der Kritik.

Foto: imago stock&people / imago/ZUMA Press

Nach dem umstrittenen E-Mail-Vorstoß des FBI-Chefs Comey sinken Clintons Umfragewerte. Trump feiert den „Ermittlungserfolg“.

Washington.  Unter dem Pseudonym „Carlos Danger“ schickte er fremden Frauen Schmuddel-Selfies. Mindestens eine Empfängerin war gerade mal 15 Jahre alt, was die Bundespolizei FBI auf den Plan rief. Zwischendurch muss Anthony Weiner, künftiger Ex-Gatte der wichtigsten Beraterin von Hillary Clinton, noch Zeit für andere digitale Aktivitäten gefunden haben. Auf einem ihm zugerechneten Computer befinden sich laut FBI schätzungsweise 650.000 E-Mails. Darunter offenbar Tausende, die zwischen der demokratischen Präsidentschaftskandidatin und ihrer rechten Hand, Huma Abedin, ausgetauscht wurden.

Wären darunter Staatsgeheimnisse, Clinton käme im Zusammenhang mit ihrer E-Mail-Affäre in ihrer Zeit als Außenministerin erneut in schwere Erklärungsnot. Seit FBI-Chef James Comey auf der Grundlage dieser Vermutung Ermittlungen wieder aufgenommen und damit den US-Wahlkampf auf der Schlussetappe möglicherweise zugunsten des Republikaners Donald Trump beeinflusst hat, ist das politische Washington in Aufruhr.

Demokraten werfen dem FBI-Chef Gesetzesbruch vor

Das Justizministerium, Comeys vorgesetzte Behörde, hat den Chef der Bundespolizei de facto fallen lassen. Prominente Demokraten wie Senator Harry Reid werfen ihm öffentlich Gesetzesbruch vor. Comey wehrt sich mit dem Hinweis, er müsse jedem Verdacht nachgehen.

Sein größtes Manko: Er kann bisher keinerlei Belege dafür bringen, dass im Dreieck Clinton-Abedin-Weiner fahrlässig sensibles Material verschickt wurde. Seit Montag darf er erst ermitteln. Das Justizministerium hat die dazu notwendige Ermächtigung erteilt.

Kopf-an-Kopf-Rennen in wichtigen Bundesstaaten

Abschließende Ergebnisse könnten wegen des E-Mail-Volumens bis zur Wahl am 8. November nicht vorliegen, heißt es beim FBI. Clinton wird also bis zum Schluss in der Verdachtsecke stehen. Dafür sorgt schon Trump. Er nennt seine Konkurrentin „kriminell“, obwohl bislang nichts bewiesen ist.

Ob es sie den Wahlsieg kosten kann? Sicher, sagen US-Wahlbeobachter und verweisen auf jüngste Umfragen. Clintons Vorsprung ist stark geschmolzen. Landesweit liegt sie zwischen einem und drei Prozentpunkten voran. In wahlentscheidenden Bundesstaaten wie Florida und Ohio deutet sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen an. Die Clinton-Kampagne ist nervös. „Es könnte eng werden“, sagte Montag ein Berater.