Stasi

DDR-Staatssicherheit forschte die Grünen intensiv aus

Das ehemalige Zentrale des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR in Berlin Lichtenberg, heute eine Forschungs- und Gedenkstätte.

Das ehemalige Zentrale des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR in Berlin Lichtenberg, heute eine Forschungs- und Gedenkstätte.

Foto: imago stock&people / imago/Jürgen Ritter

Die Stasi hatte ein besonderes Interesse an der damals neuen Partei der Grünen in der BRD. Das dokumentiert die intensive Spionage.

Halle/Berlin.  Die Grünen sind vom DDR-Ministerium für Staatssicherheit intensiv ausgeforscht worden. Das haben die Historiker Jens Gieseke und Andrea Bahr in einer von der Partei in Auftrag gegeben Studie ermittelt, wie die „Mitteldeutsche Zeitung“ schreibt. „Die Zahl der schwerwiegenden Informantenfälle kann auf insgesamt rund 15 bis 20 beziffert werden“, werden die beiden Autoren zitiert.

Die Forscher nennen auch solche Quellen, „die zumindest zeitweilig Nachrichten aus dem Inneren des Parteilebens lieferten, die über die öffentliche Berichterstattung hinausgingen und für die DDR-Interessen von besonderem Belang waren.“

Grüner Dirk Schneider war fast zehn Jahre für Stasi tätig

Insgesamt hätten nach Recherchen der Autoren etwa 450 bis 500 Quellen Informationen beigesteuert. Die bekannteste Quelle sei der Berliner Bundestagsabgeordnete Dirk Schneider gewesen, der fast zehn Jahre als inoffizieller Mitarbeiter der DDR-Staatssicherheit gearbeitet hatte und 1991 enttarnt wurde. Ab 1987 sei es der Stasi laut Studie gelungen, mindestens zwei Agenten als Fraktionsmitarbeiter zu platzieren.

Die Studie mit dem Titel „Die Staatssicherheit und die Grünen – Zwischen SED-Westpolitik und Ost-West-Kontakten“ erscheint im Berliner Ch. Links Verlag und wird am 13. Oktober in Berlin vorgestellt. Nach Angaben des Verlags ordnen Gieseke und Bahr das Vorgehen der Stasi in den Kontext der SED-Westpolitik ein und beschreiben die Versuche, grüne Aktivisten geheimdienstlich unter Kontrolle zu bringen.

Stasi-Unterstützung für bestimmte Grünen-Abgeordnete

Die Stasi konzentrierte sich der Studie zufolge auf die grüne Bundestagsfraktion. Sie sollte Kräfte stärken, die auf eine Regierungsbeteiligung hinarbeiteten. Jene sollten unterstützt werden, die für eine volle völkerrechtliche Anerkennung der DDR plädierten. Zudem ging es um die Bekämpfung von Gruppen in der Partei, die Kontakte zu Oppositionsgruppen unterhielten. (dpa/epd/aba)