USA

Neunjährige bewegt mit ihrer Rede über Polizeigewalt

Zianna Oliphant hielt am Montag eine Rede bei einer Stadtratssitzung. Die erst Neunjährige sprach über Rassismus.

Zianna Oliphant hielt am Montag eine Rede bei einer Stadtratssitzung. Die erst Neunjährige sprach über Rassismus.

Foto: Screenshot YouTube

Ein schwarzes Mädchen hat in den USA über ihre Erfahrungen mit Rassismus gesprochen. Das Video ihrer Rede bewegt Menschen weltweit.

Charlotte.  Die Tränen fließen ihr über das Gesicht: „Ich habe das Gefühl, dass wir anders behandelt werden. Ich mag es nicht, wie wir behandelt werden – nur wegen unserer Hautfarbe.“ Das Mädchen schluchzt: „Es ist eine Schande, dass unsere Mütter und Väter getötet werden und wir sie nicht mehr sehen können. Es ist eine Schande, dass wir sie beerdigen müssen.“

Zianna Oliphant ist gerade mal neun Jahre alt, doch ihre bewegende Ansprache rührt jetzt Menschen weltweit. Ein Video von ihrem Auftritt bei einer Stadtratssitzung am Montag in Charlotte im US-Bundesstaat North Carolina sorgt in den sozialen Medien für große Aufmerksamkeit. Fernsehsender wie CNN oder ABC verbreiteten die Aufnahmen.

Proteste nach Tod von Afroamerikaner

Es ist die erste Sitzung nachdem der Afroamerikaner Keith Scott bei einem Polizeieinsatz getötet worden war. Zianna erzählt davon, wie es ist als Schwarze in Charlotte aufzuwachsen. Sie steht auf einem Podium, nur knapp erreicht sie das Mikrofon. Der Saal ist gefüllt mit Menschen, die gegen die Polizei und die Bürgermeisterin Jennifer Roberts demonstrieren – lautstark. Doch als die Neunjährige anfängt zu sprechen, wird es ganz leise im Raum.

„Ich bin heute hierher gekommen, um zu erzählen, wie ich mich fühle“, sagt Zianna mit fester Stimme. „Und ich habe das Gefühl, dass wir anders behandelt werden.“ Als sie verstummt, ruft jemand aus dem Publikum: „Hör’ nicht auf, mach weiter.“

Zuschauer im Saal fangen an zu weinen

Mit zitternder Stimme sagt Zianna Oliphant weiter: „Wir sollten nicht protestieren müssen, weil ihr uns alle falsch behandelt. Wir tun das, weil wir Rechte haben müssen.“ Die Menge applaudiert.

Langsam fließen Zianna die Tränen über die Wangen. Auch im Publikum fangen Menschen an zu weinen. Es sei eine Schande, dass Mütter und Väter beerdigt werden müssten. „Wir brauchen unsere Mütter und Väter an unserer Seite“, so die Neunjährige und klettert vom Podium. Die Menschen im Publikum stehen von ihren Stühlen auf und klatschen laut. Die Bilder sind so emotional, dass sogar der Zuschauer Gänsehaut bekommt.

Video wird in sozialen Medien geteilt

Aufnahmen von der bewegenden Rede sorgten in den sozialen Medien für große Beachtung. Viele schrieben, dass Zianna sehr gut den Schmerz und die Gedanken vieler Afroamerikaner schildere. Am 20. September hatte ein schwarzer Polizist den 43-jährigen Afroamerikaner Keith Lamont Scott erschossen. Laut den Sicherheitsbehörden soll er bewaffnet gewesen sein. Die Familie des Toten bestreitet dies. Der Vorfall hatte teils gewalttätige Proteste ausgelöst. Am Wochenende waren Hunderte Menschen gegen Polizeigewalt auf die Straße gegangen.