Verkehrsunfälle

„Handy am Steuer“: Autoclub ACE sieht Hersteller in Pflicht

Der kurze Blick aufs Smartphone kann in Millisekunden einen Unfall verursachen. Eine neue Studie zeigt die Gefahren in Deutschland auf.

Der kurze Blick aufs Smartphone kann in Millisekunden einen Unfall verursachen. Eine neue Studie zeigt die Gefahren in Deutschland auf.

Foto: Westend61 / imago/Westend61

Smartphones am Steuer können lebensgefährlich sein. Welche Verantwortung haben die Handyhersteller? Eine große, heißt es beim ACE.

Berlin.  Eben noch eine WhatsApp-Nachricht beantworten, die SMS zwischendurch an der Ampel abschicken: Smartphone-Nutzung im Straßenverkehr gilt immer noch als ein Kavaliersdelikt. In den USA sind nun Forderungen laut geworden, Handy-Hersteller dazu zu verpflichten, das Schreiben von Textnachrichten während der Autofahrt zu blockieren. Das soll Verkehrsunfälle verhindern.

Der Hintergrund: Die Familien von Unfallopfern haben in Texas eine Haftungsklage gegen Apple eingereicht. Sie werfen dem iPhone-Hersteller vor, dass er solche Unfälle verhindern könnte. Die Text-Funktionen bei Fahrten abzuschalten sei technisch kein Problem.

ACE: „Es bleibt nur technische Lösung“

Denn laut einem Bericht der „New York Times“ hat Apple bereits im Jahr 2008 ein Patent für eine Technologie angemeldet, die es mittels Sensoren erlaubt, bestimmte Dienste wie Textnachrichten während des Fahrens zu unterbinden. Auch wenn Juristen den Klägern kaum Chancen auf Erfolg einräumen, trifft der Vorstoß auch in Deutschland auf Zustimmung.

„Zwar gibt es bereits eine Reihe von Aufklärungskampagnen, die wir ausdrücklich begrüßen“, sagt Constantin Hack, Sprecher des Auto Club Europa (ACE), unserer Redaktion. „Doch bleibt im Endeffekt nur eine solche technische Lösung, um die Gefahr wirklich aus der Welt zu räumen“, so der Verkehrsexperte.

Er fordert daher eine engere Zusammenarbeit zwischen Auto- und Handyherstellern. „Sie sind in der Pflicht, die ablenkende Handynutzung einzuschränken. Technisch bestehen da keine größere Hürden“, so Hack. So ließe sich durch eine Kopplung zwischen Handy und Auto beispielsweise nur das Smartphone des Fahrers für bestimmte Dienste sperren, während das Gerät des Beifahrers weiter funktioniere. „Eine Möglichkeit wäre zunächst eine von der Politik angestoßene freiwillige Selbstverpflichtung. Wenn diese keine Wirkung zeigt, müsste man noch einmal ganz neu denken.“

Studie der TU Braunschweig belegt Gefahren

In Deutschland ist die Zahl der Verkehrstoten im vergangenen Jahr wieder gestiegen. Dem Statistischen Bundesamt zufolge stieg die Zahl der Unfälle im Jahr 2015 das zweite Mal in Folge. Verkehrsexperten sehen das vor allem in der Handynutzung am Steuer begründet.

Zahlen belegen die Gefahren. Eine neue Studie der Technischen Universität (TU) Braunschweig kommt zu dem Ergebnis, dass vor allem das Schreiben von Textnachrichten eine Gefahr darstellt. Die Verkehrspsychologen beobachteten für ihre Erhebung mehr als 2000 Autofahrer. Fast sechs Prozent hielten das Handy in der Hand und bedienten es.

Noch sehr viel häufiger als in der Stadt prüfen oder bedienen Fahrer ihr Smartphone auf der Autobahn. „Bei den hohen Geschwindigkeiten auf den Autobahnen fährt man da schnell 50 oder 100 Meter blind. Nicht umsonst sind Auffahrunfälle die häufigste Unfallart auf Autobahnen“, sagte der Verkehrspsychologe Prof. Mark Vollrath von der TU Braunschweig.

Behörden fehlen genaue Zahlen

Wie häufig Handys tatsächlich Unfälle verursachen, ist schwer zu sagen. Seitens des Innenministeriums Niedersachsen heißt es: „In der Polizei-Praxis ist es äußerst schwierig, bei der Unfallaufnahme beweiskräftig festzustellen, ob das Benutzen eines Handys/Smartphones die mögliche Unfallursache war.“ Denn die Autofahrer müssten dazu keine Angaben machen. Hintergrund ist ihr Zeugnisverweigerungsrecht: „Sie müssen keine Angaben machen, die sie belasten könnten“, so ein Sprecher des Innenministeriums.