US-Wahlkampf

Warum die eigenen Fans Hillary Clinton den Rücken zuwenden

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Jana Hannemann
Hillary Clinton winkt in ein Meer der Rücken. Das Bild von einem Wahlkampfauftritt sorgt für Furore.

Hillary Clinton winkt in ein Meer der Rücken. Das Bild von einem Wahlkampfauftritt sorgt für Furore.

Foto: Barbara Kinney/Hillary for America (CC BY-NC-SA 2.0)

Dieses Foto geht um die Welt: Zu sehen sind Hillary Clinton, Handys und Hunderte Fans, die ihr den Rücken zuwenden – für ein Selfie.

Orlando.  Hunderte Menschen stehen hinter einem Absperrgitter. Alle warten gebannt auf Hillary Clinton. Die US-Präsidentschaftskandidatin betritt den Raum, winkt strahlend in die Menge. Und alle drehen der 68-Jährigen den Rücken zu – um ein Selfie zu machen.

Das Foto dieser etwas skurril anmutenden Szene geht nun um die Welt, mit dem Hinweis: Das ist 2016. So sieht das Zeitalter der Selfies aus. Die jungen Menschen, die der vielleicht ersten US-Präsidentin den Rücken zu drehen, wollen nicht unhöflich sein. Sie interessieren sich sogar für diesen historischen Moment. Und wollen ihn möglichst in einem Foto festhalten.

Foto ging auf Twitter viral

Die Fotografin Barbara Kinney hat das Bild auf einer Wahlkampfveranstaltung am vergangenen Mittwoch in Orlando, Florida, geschossen. Victor Ng, ein Mitarbeiter aus Clintons Wahlkampfteam, postete das Foto am Sonntag auf Twitter, wo es innerhalb weniger Stunden mehr als 16.000 Mal geteilt und Hundertfach kommentiert worden war.

Einige sprechen vom Foto des Tages, das perfekt das aktuelle Zeitalter abbilde. Andere vermuten, Clinton selbst habe das Foto instruiert, um medial Aufmerksamkeit zu erregen. Ein anderer schreibt: „Wow, die Jahrtausender müssen Hillary Clinton wirklich hassen.“

Nicht alle machen Selfies

Andere amüsieren sich darüber, dass inmitten der jungen Fans ein älterer Mann mit grauem Bart steht, der der Einzige ist, der tatsächlich nach vorne schaut.

Das Foto zeigt aber nur die halbe Wahrheit: Kinney nahm zuvor ein Foto auf, das das Clinton-Publikum mit Blick auf die Politikerin zeigt. Als sie den Veranstaltungsort betreten habe, sei sie begeistert empfangen worden – von Menschen, die zu ihr schauten. Auch dieses Foto findet sich in einer Sammlung in dem Fotonetzwerk Flickr, hat aber bisher kaum Beachtung gefunden. Ein Video zeigt, dass Clinton sogar aufforderte: „Wer ein Seldie machen will: dreht Euch um.“

2006 wollten Fans noch Autogramme

Auch Fotos von früheren Wahlkampfveranstaltungen werden von Twitter-Nutzern gepostet. Der Vergleich: 2006 wollten Clintons Anhänger noch Autogramme, inzwischen nur noch Selfies.

Kim Kardashian bekanntester Selfie-Fan

Das Selfie-Phänomen hat in den vergangen Jahren schon zu einigen berühmten Fotos geführt. Auf den Oscars 2014 schoss Moderatorin Ellen DeGeneres ein Selbstporträt mit Schauspielern wie Brad Pitt oder Julia Roberts, das auf Twitter zum meistverbreiteten Tweet aller Zeiten avancierte.

Meisterin des Selbstporträts ist aber Reality-Star Kim Kardashian, die sogar ein Buch mit all ihren Selfies veröffentlicht hat. Mit Hillary Clinton und Ehemann Kanye West zeigte sie sich auch schon auf einem gemeinsamen Bild.

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