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PapierkörbIn im Büro? Linke stellen Gaga-Antrag zum Gendern

Was immer diese Demonstrantin bei einer Kundgebung in Brasilien ausdrücken wollte: Ein Signal für das Gendern von Mülleimern war es sicher nicht.

Was immer diese Demonstrantin bei einer Kundgebung in Brasilien ausdrücken wollte: Ein Signal für das Gendern von Mülleimern war es sicher nicht.

Foto: Reuters

Ein absurdes Anliegen mit einem absurden Antrag kontern? Linken-Politiker haben das gemacht. Ihr Problem: Sie wurden ernst genommen.

Flensburg.  Ein Antrag löst Kopfschütteln und Empörung aus: Linke schlagen vor, Arbeitsmittel und -geräte einer Stadt zu gendern: Aus dem Scanner wird „der/die ScannerIn“, aus dem Papierkorb „der Papierkorb/die Papierkörbin“. Der Vorschlag kommt von der Flensburger Fraktion der Partei, über sie ergießen sich jetzt Hohn und Spott. Doch Kritiker haben in ihrer Fassungslosigkeit übersehen: Die Antragsteller finden die Idee selbst absurd. Sie wollten damit nur eine andere, ernst gemeinte Forderung lächerlich machen. Ein Antrag, der eine Bedienungsanleitung braucht.

„#KeinWitz“, schrieb Frank Bergmann, Leiter der Online-Kommunikation und digitalen Strategie in der CDU-Bundesgeschäftsstelle auf Twitter zu seiner Entdeckung. Er verbreitete einen Screenshot des Antrags, der dann schnell die Runde machte. Die CDU-Bundestagsabgeordnete Erika Steinbach legte nach: „Der Quatsch wird immer quätscher bis er quietscht.“

Keine Änderung für „die Tagesordnung“

Dafür stellen Nutzer jetzt die Frage nach ihrer Medienkompetenz. Denn der Antrag ist gar nicht ernst gemeint, wie sich schnell herausfinden lässt. Die Linke in Flensburg beantragt zwar tatsächlich „Gendergerechte Sprache für Arbeitsgerät/-mittel im Sprachgebrauch der Gremien aller Arbeitsbereiche der Stadt “. Sie schlägt darin auch AbfalleimerIn und StaubsaugerIn vor und nimmt Gegenstände aus, die den feminenen Artikel „die“ tragen (z.B. Tagesordnung) oder den neutralen Artikel „das“ (z.B. Papier) tragen oder einen Ort bezeichnen. In der Begründung heißt es auch: Die bisherige Praxis „verlängert die patriarchalische Gewohnheit, dass menschliche, mechanische oder technologische Arbeitsleistung als überwiegend ‘männlich’ charakterisiert wird.“ (Klick auf das Symbol der beiden Pfeile rechts unten zeigt den Antrag groß)

Aber die Linken halten selbst nichts von den Forderungen und empfehlen die Ablehnung ihres Antrags, „der bestenfalls für Lachanfälle in den 13 Etagen des Rathauses sorgen sollte“. So schreiben sie in einer Erklärung auf ihrer Internetseite. Der Antrag ist demnach nur als Ergänzung einer Forderung gedacht, von der die Linken auch schon nichts halten: Die Ratsfraktion „Wir in Flensburg“ (WiF) beantragt, dass die Stadt Flensburg den Begriff „Ratsfrau“ durch „Ratsdame“ ersetzt. Das sei eine gleichstellende Bezeichnung für weibliche Ratsmitglieder – die Kollegen vom anderen Geschlecht seien ja auch „Ratsherren“ und nicht „Ratsmänner“. WiF erhofft sich gar ein Signal für eine weiterreichende Korrektur über Flensburg hinaus.

Linke: „Ratsdamen“-Antrag verstaubt

Linken-Fraktionschefin Gabriele Ritter sagte, vor Überraschung über den „Ratsdamen-Antrag“ sei der Fraktions „nichts anderes eingefallen, als dieses verstaubte, rückwärts gewandte Anliegen ins Lächerliche zu ziehen“. Dass durch falsches oder selektives Lesen so viel Aufregung entsteht, habe man sich nicht vorstellen können. „Im Netz lässt sich offenbar alles toppen, es geht da nur um den größten Shitstorm.“

Man sehe allenfalls die „Ratsherren“ am Zug, sich weniger herrschaftlich „Ratsmänner“ zu nennen. Die Begründung dafür könnte auch die WiF zögern lassen: Dame gehe ursprünglich auf Domina zurück. Die Linke hat gewiss nichts gegen dominante Frauen an sich: Die feudalistische Bezeichnung meine aber eine Frau mit höherem sozialem Stand.

Am 13. Oktober würde das Thema in den Rat kommen. Wenn die Ratsleute ihre Anträginnen vorher nicht den Papierkörbinnen übergeben.