Höchststand

Knapp eine Million Menschen als Leiharbeiter beschäftigt

Der DGB rief bereits im April dieses Jahres zur Demo gegen Missbrauch von Leiharbeit aus: 2015 waren 961.000 Menschen in Deutschland als Leiharbeiter beschäftigt. Das mittlere Bruttogehalt lag bei 1700 Euro. Im Vergleich dazu bekamen Vollzeitbeschäftigte ein Mediangehalt von 2960 Euro.

Der DGB rief bereits im April dieses Jahres zur Demo gegen Missbrauch von Leiharbeit aus: 2015 waren 961.000 Menschen in Deutschland als Leiharbeiter beschäftigt. Das mittlere Bruttogehalt lag bei 1700 Euro. Im Vergleich dazu bekamen Vollzeitbeschäftigte ein Mediangehalt von 2960 Euro.

Foto: Peter Kneffel / dpa

In Deutschland gibt es so viele Leiharbeiter wie noch nie. Arbeitsministerin Nahles will ihre Situation mit einer Reform verbessern.

Berlin.  In Deutschland sind knapp eine Million Leiharbeiter beschäftigt – so viele wie noch nie. „Die Wirtschaft brummt, aber dennoch ist die Leiharbeit auf Rekordhöhe“, sagte der stellvertretende Vorsitzende der Linksfraktion, Klaus Ernst, am Donnerstag zur Auskunft der Bundesregierung auf eine Anfrage seiner Fraktion. Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) bekräftigte unterdessen bei der Haushaltsdebatte im Bundestag, sie wolle die Situation der Leiharbeiter mit einem neuen Gesetz verbessern.

Nach Angaben der Bundesregierung waren im Jahr 2015 insgesamt 961.000 Leiharbeiter in den Betrieben tätig. Der Umfang der Leiharbeit steigt demnach seit Jahren. 2014 hatte es rund 912.000 Leiharbeiter gegeben. In den Jahren zuvor lag die Zahl teilweise deutlich darunter, wie etwa im Jahr 2009, als knapp 610.000 Leiharbeiter gezählt wurden.

Lohn bei Leiharbeitern deutlich niedriger

Leiharbeiter verdienen weniger als Festangestellte: Nach den jüngsten Zahlen der Bundesregierung lag das mittlere Brutto-Monatsgehalt von Leiharbeitern bei 1.700 Euro. Im Vergleich dazu lag das Mediangehalt bei den sozialversicherungspflichtigen Vollzeitbeschäftigten bei 2.960 Euro. Dabei arbeiteten zwei Drittel der Leiharbeiter zu besonders niedrigen Löhnen, also unter der amtlich definierten Niedriglohnschwelle von 1.973 Euro. 5,7 Prozent der Leiharbeiter haben sogar Anspruch auf ergänzende staatliche Leistungen und stocken ihr Gehalt durch Hartz IV auf.

Leiharbeit ist in der Praxis zeitlich befristete Beschäftigung. Wie aus der Antwort der Bundesregierung hervorgeht, besteht nur jedes vierte Leiharbeitsverhältnis nach neun Monaten noch. Nur zwölf Prozent der Leiharbeiter sind 18 Monate oder länger beschäftigt.

Metall- und Elektrobranche Haupteinsatzgebiet

Mehr als jeder dritte Leiharbeiter (36 Prozent) ist in der Metall- und Elektrobranche tätig. Im Maschinenbau sind nach den Angaben elf Prozent aller Leiharbeiter beschäftigt, im Fahrzeugbau sind es zehn Prozent.

Der Linken-Politiker Ernst bedauerte, dass sich in den Betrieben „ein Zweiklassensystem etablier“ habe. Daran werde auch die von Arbeitsministerin Nahles geplante Reform der Leiharbeit nichts ändern. Ihr Entwurf sieht vor, dass Leiharbeiter künftig nach neun Monaten genauso bezahlt werden wie die Stammbelegschaften.

Nahles will Tarifautonomie stärken

Außerdem will Nahles mit der Reform die Tarifautonomie stärken. Arbeitgeber und Arbeitnehmer können nach dem Gesetzentwurf die maximale Verleihdauer tarifvertraglich regeln. Außerdem sollten die Betriebsräte mehr Rechte bekommen, sagte die Ministerin in der Bundestagsdebatte. (bekö/epd)