Solidarrente

Rentenversicherung kritisiert Nahles-Pläne gegen Altersarmut

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Ein Blick, der für viele Ältere zur Gewohnheit geworden ist. Arbeitsministerin Nahles will mit einer Solidaritätsrente ihre finanzielle Situation verbessern.

Ein Blick, der für viele Ältere zur Gewohnheit geworden ist. Arbeitsministerin Nahles will mit einer Solidaritätsrente ihre finanzielle Situation verbessern.

Foto: Stephanie Pilick / dpa

Arbeitsministerin Nahles will Minirenten aufstocken – die Rentenversicherung ist dagegen. Aus guten Gründen, wie eine Studie zeigt.

Berlin.  Im Kampf gegen Altersarmut ist die in der Koalition geplante Lebensleistungsrente nach Ansicht der Deutschen Rentenversicherung Bund „keine gute Idee“. Das sagte der Forschungsleiter der Rentenversicherung, Reinhold Thiede, am Freitag in Berlin. „Zur Bekämpfung von Altersarmut sind Maßnahmen innerhalb der Rentenversicherung nicht sehr zielgenau.“

Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) lässt derzeit Details einer solidarischen Lebensleistungsrente ausarbeiten, mit der Rentenansprüche von Geringverdienern aufgestockt werden sollen, die mindestens 30 Jahre Beiträge gezahlt haben. Ziel der Solidarrente ist neben der Bekämpfung der Altersarmut auch, langjährige Beitragszahlung von Geringverdienern zu belohnen.

6,1 Prozent der Altersrentner bekommen Sozialhilfe

Eine neue Studie im Auftrag der Rentenversicherung zeigte jedoch: Die allermeisten Kleinrentner in Deutschland brauchen in der Regel keine Grundsicherung im Alter. Nur 6,1 Prozent der Menschen mit einer Altersrente von weniger als 600 Euro im Monat sind auf Sozialhilfe angewiesen, heißt es in der am Freitag in Berlin vorgestellten Studie. 2014 seien dies rund 319.000 Rentner gewesen. Die geplante Aufstockung kleiner Renten gegen Altersarmut hätte wohl „große Streuverluste“, sagte Studienautor Bruno Kaltenborn.

„Wenn man Altersarmut bekämpfen will, ist die Rente kein besonders guter Ansatzpunkt“, sagte Reinhold Thiede von der Rentenversicherung. Mit Blick auf die Bekämpfung von Altersarmut wäre die von der Bundesregierung geplante solidarische Lebensleistungsrente demnach kein geeignetes Mittel, weil davon womöglich auch viele Rentner außerhalb der Grundsicherung profitieren würden.

Nahles hatte zumindest eingeräumt, dass aus dem Rentenbescheid nicht ablesbar sei, ob eine Kleinrente vielleicht nur eine Ergänzung eines guten Partnereinkommens sei. Partnereinkommen müssten bei der Lebensleistungsrente folglich berücksichtigt werden.

390.000 erhalten Rente, die nicht zum Leben reicht

Immer mehr Menschen sind im Alter auf die Grundsicherung angewiesen. Im Jahr 2014 waren dies 513.000 Männer und Frauen. Das waren drei Prozent der Bevölkerung im Alter von über 65 Jahren. 2003 lag der Anteil noch bei 1,7 Prozent. Der Studie der Rentenversicherung zufolge erhalten gut drei Viertel (390.000 Menschen) der auf staatliche Hilfe angewiesenen Älteren eine Rente, die aber nicht für den täglichen Bedarf reicht. (bk/rtr/dpa)