Rechtspopulisten

Studenten wählen AfD erstmals in ein Hochschulparlament

Einen der 25 Sitze im Hochschulparlament in Kassel hat jetzt die Jugendorganisation der AfD (Symbolbild).

Einen der 25 Sitze im Hochschulparlament in Kassel hat jetzt die Jugendorganisation der AfD (Symbolbild).

Foto: Swen Pförtner / dpa

In Kassel hat die AfD-Jugendorganisation den Sprung ins Uni-Parlament geschafft. Das ist ein bisher einmaliger Fall in Deutschland.

Berlin.  Die AfD ist jetzt in Deutschland an Universitäten angekommen. 113 Studierende wählten an der Universität Kassel die rechtspopulistische Liste Junge Alternative (JA) in das Hochschulparlament. Damit erhält die Jugendorganisation der AfD einen der insgesamt 25 Sitze in dem Gremium und wird in den kommenden zwei Semestern hochschulpolitisch mitmischen. Auf Facebook rühmen sich die Mitglieder mit dem Erfolg und spotten: „Ob es wohl reiner Zufall war, dass wir in der grafischen Darstellung die Farbe Braun erhalten haben?“

Angesichts der Forderungen der Jungen Alternativen, liegt es zumindest nahe, sie dem rechten Spektrum zuzuordnen. So befürwortet die Liste die Forderung von AfD-Vize Beatrix von Storch, an Grenzen Gebrauch von Schusswaffen zu machen: „Es ist die Pflicht eines Staates seine Staatsgrenzen zu schützen, notfalls und als letztes Mittel, auch mit Waffengewalt“, sagt Michael Werl, Sprecher der JA an der Uni Kassel. Eine Alternative zu Schusswaffen seien Gummigeschosse.

Die AfD-Jugendorganisation mag keine geschlechtsneutralen Begriffe

Außerdem fordert die JA-Hochschulgruppe die Forschung in der Rüstungsindustrie an der Uni Kassel wieder aufzunehmen, nachdem diese seit 2013 nicht mehr betrieben wird. Das Schwulen- und LesBi-Referat hingegen müsse abgeschafft werden. Und da die Liste geschlechtsneutrale Begriffe ablehnt, müsse das Studierendenparlament zudem wieder in das Wort Studentenparlament umbenannt werden.

Der Wahlkampf der Jungen Alternativen fiel in Kassel relativ klein aus. Sie warben weder an einem Stand, noch nahmen sie an Podiumsdiskussionen teil. Lediglich 10.000 Flugblätter verteilte die Liste in Hörsälen. Trotzdem hat die Facebook-Seite bereits über 1100 Fans.

„Ich hätte es schön gefunden, wenn die Jungen Alternativen es nicht ins Parlament geschafft hätten, sagt Marcel Breidenstein von der Grünen Hochschulgruppe der Uni Kassel. „Aber nichtsdestotrotz werden wir uns rein inhaltlich mit der Partei auseinandersetzen.“ Die Liste solle nicht als Märtyrer auftreten, weil sie sich benachteiligt und ignoriert fühle, sagt Breidenstein. Seine Liste erhielt ebenfalls, wie die der Jusos, sieben Sitze im Parlament. Beide sind damit die stärksten Kräfte.

In Düsseldorf sollen wieder deutsche Fahnen wehen

Der Zuspruch bei der jungen AfD könnte laut dem Politikwissenschaftler Jens Jungblut der Universität Kassel daran liegen, dass der Ring Christlich-Demokratischer Studenten (RCDS) in diesem Jahr nicht zur Wahl stand. „Es ist nicht so, dass rechtsorientierte Hochschulgruppen etwas Neues sind. Es gab immer schon Studentenverbindungen aus diesem Spektrum“, sagt Jungblut.

Auch in anderen Städten in Deutschland existieren Hochschulgruppen der AfD, darunter in Düsseldorf und Darmstadt, Freiburg und Tübingen, Mannheim, Münster und Göttingen, München und Augsburg, Bayreuth und Würzburg. „Es werden sich definitiv noch weitere Gruppen gründen, es ist nur eine Frage der Zeit“, ist sich Werl sicher.

In Düsseldorf etwa will die JA-Gruppe der Heinrich-Heine-Universität (HHU) durchsetzen, dass vor jeder Universität eine deutsche Fahne hängt. „Wir möchten den Patriotismus wieder stärken“, erklärt Sprecher David Eckert. Die Jusos an der HHU sprechen von „dümmlichen Zeichen“.