US-Präsidentschaftswahl

Alternative zu Trump und Clinton? Gary Johnson will’s wissen

Der libertäre Ex-Gouverneur von New Mexico, Gary Johnson, will Donald Trump und Hillary Clinton im Präsidentschaftswahlkampf das Leben schwer machen.

Der libertäre Ex-Gouverneur von New Mexico, Gary Johnson, will Donald Trump und Hillary Clinton im Präsidentschaftswahlkampf das Leben schwer machen.

Foto: imago stock&people / imago/ZUMA Press

Wer weder Trump noch Clinton mag, setzt bei der US-Präsidentschaftswahl auf „thirdparty candidates“. Ein Hoffnungsträger: Gary Johnson.

Washington.  Sie sind vor Präsidentschaftswahlen oft die heimlichen Hoffnungsträger im verkrusteten Zweiparteien-System Amerikas: „thirdparty candidates“. Weithin unbekannte, chancenlose Bewerber – der dritte Mann, die dritte Frau. Seit Donald Trump auf republikanischer und Hillary Clinton auf demokratischer Seite als Kandidaten für die Nachfolge von Präsident Obama so gut wie feststehen, ist der Ruf nach Alternativen auf dem Wahlzettel am 8. November noch lauter als in den Vorjahren. Der Grund: Beide kommen in der Wählerschaft auf besorgniserregend schlechte Beliebtheitswerte. Mehr als die Hälfte der Amerikaner kann weder die eine noch den anderen sonderlich leiden.

Woraus Analysten und Medien schließen: Ein Dritter könnte den Etablierten zwar nicht den Sieg nehmen, aber vielleicht empfindliche Prozentpunkte. Dieser jemand will Gary Johnson sein. Der 63-jährige Selfmade-Millionär und ehemalige Gouverneur von New Mexico will sich an diesem Wochenende in Orlando/Florida von der Libertären Partei offiziell auf den Schild heben lassen.

Johnson und Weld kommen im Doppelpack

Johnson kommt im Doppelpack mit dem früheren Gouverneur von Massachusetts, William Weld. Der 70-Jährige hat sich an der Seite Johnsons zur Kandidatur zum Vize-Präsidenten entschlossen. Das Duo fuhr lange Jahre auf dem Ticket der Republikaner, hat sich inzwischen aber den Libertären zugewandt, die Freiheit, Waffenbesitz und Kapitalismus in einer radikalen Dosierung propagieren. „Ich will, dass homosexuelle Ehepaare in der Lage sind, ihre Marihuana-Felder mit vollautomatischen Schnellfeuergewehren zu bewachen“, sagt der bekannte Libertäre Austin Petersen.

Gary Johnson ist entschieden weniger extrem. Er fordert Schuldenabbau der öffentlichen Hand, eine drastische Verkleinerung des Staatsapparates und die Nichteinmischung des Staates in das Leben der Bürger.

Alternativ-Kandidaten mit Regierungserfahrung

Anders als Trump und Clinton können Johnson wie Weld auf Regierungserfahrung auf der Ebene eines Ministerpräsidenten verweisen; es sind keine Spinner, die nur eine Witz-Kandidatur verfolgen. Johnson, ein leidenschaftlicher Bergsteiger, hat während seiner Amtszeit als Gouverneur gegen mehr als 700 Gesetze sein Veto eingelegt – meist aus Kostengründen. Außerdem hat er sich als Befürworter einer liberalen Drogenpolitik einen Namen gemacht. Er fordert nicht nur die landesweite Freigabe von Marihuana, er war bis vor kurzem auch Chef der Firma „Cannabis Sativa, Inc.“, die das auf Rezept erhältliche Rausch- und Schmerzmittel geschäftsmäßig herstellt.

Wie schon 2012, als Johnson auf 1,3 Millionen Stimmen kam (ein Prozent), beschwert sich der aus North Dakota stammende und mit einer Handwerker-Firma reich gewordene Ausdauersportler über das geringe Medienecho. Nur wenn vor allem das Fernsehen seine Vorstellungen verbreitet und ihn bekannt macht, könnte Johnson die entscheidende Hürde reißen, um sich im Herbst Millionen Amerikanern persönlich richtig vorstellen zu können. Um an den drei live übertragenen „Presidential Debates“ teilnehmen zu dürfen, müsste Johnson in fünf nationalen Meinungsumfragen stabil über 15 Prozent liegen. Die Debatten finden am 26. September (Dayton/Ohio), 9. Oktober (St. Louis/Missouri) und 19. Oktober (Las Vegas/Nevada) statt. Ambitioniert, aber nicht völlig aussichtslos. Der konservative TV-Sender Fox News taxierte Gary Johnson vor einigen Tagen bereits auf zehn Prozent.