Justiz

Indonesien führt für Kinderschänder die Kastration ein

Kindesmissbrauch kann in Indonesien künftig mit der Todesstrafe und mit Kastration bestraft werden.

Kindesmissbrauch kann in Indonesien künftig mit der Todesstrafe und mit Kastration bestraft werden.

Foto: Imago

Indonesien kastriert künftig Kinderschänder. Deutschland wird kritisiert, weil es das Sexualstraftätern auf deren Wunsch hin erlaubt.

Jakarta/Berlin.  Kinderschänder können in Indonesien künftig chemisch kastriert werden. Das Land führt auch die Todesstrafe für den sexuellen Missbrauch von Kindern wieder ein. Präsident Joko Widodo unterzeichnete einen entsprechenden Erlass. „Außerordentliche Kriminalität erfordert außerordentliche Maßnahmen“, sagte er im Präsidentenpalast in der Hauptstadt Jakarta. Die gleiche Botschaft verbreitete er auch in einem Tweet, in dem er von der Unterzeichnung des Gesetzes berichtete:

Der Präsident erklärte den Schritt der „New York Times“ zufolge mit der signifikanten Zunahme von sexueller Gewalt gegen Kinder. Nach offiziellen Angaben ist die Zahl der öffentlich gewordenen Fälle sexueller Gewalt gegen Kinder in Indonesien von knapp 2200 im Jahr 2011 auf mehr als 5000 im Jahr 2014 gestiegen. Die Regierung sprach von einer Krise.

Der muslimische Inselstaat gibt sich immer wieder besonders rigide. Im vergangenen Jahr hatte Joko Widodo von einer „Drogenkrise“ gesprochen und nach Jahren erstmals wieder Todesstrafen an Drogendealern vollstrecken lassen. 14 Menschen, überwiegend Ausländer, wurden getötet. Das Land machte auch Furore mit der Idee, ein Gefängnis auf einer Insel zu errichten, das dann von Krokodilen bewacht werden soll.

Zehn Jahre Haft nach Sexualmord führten zu Aufschrei

Die Verschärfung des Sexualstrafrechts geschieht aber auch vor dem Hintergrund einer aufgeheizten Stimmung im Land. Hintergrund ist ein Fall aus April, der das Land erschüttert hat: Sieben Jugendliche hatten eine 14-Jährige auf der Insel Sumatra vergewaltigt und ermordet. Nach der Verurteilung zu zehn Jahren kam es zu einem Aufschrei in dem Land und die Forderung nach Kastration von Tätern wurde laut.

Verurteilte Pädophile sollen nun nach ihrer Haftentlassung beobachtet werden können, indem ihnen ein Mikrochip eingepflanzt wird. Ihre Namen können außerdem veröffentlicht werden. Bei der chemischen Kastration werden Hormon-Medikamente gespritzt, um den Geschlechtstrieb zu hemmen. Das bisherige Gesetz sah für Täter, die Kinder missbrauchten, eine Haftstrafe von bis zu 15 Jahren vor.

Deutschland erlaubt freiwillige Kastration

Polens rechtskonservative Regierung hat am Jahresanfang trotz Kritik an einem Gesetz festgehalten, Kindesmissbrauch mit chemischer Zwangskastration zu bestrafen. In Deutschland ist eigentlich auch freiwillige Kastration verboten. Ausnahme: Sextäter können sich nach einer Prüfung des Falles freiwillig kastrieren lassen.

Nach dem Gesetz sind diese Ausnahmen möglich, wenn bei mindestens 25 Jahre alten Betroffenen damit schwerwiegende Krankheiten, seelische Störungen oder Leiden infolge eines abnormen Geschlechtstriebs verhütet oder gelindert werden. Darunter fallen Sextäter, bei denen eine Kastration die Gefahr von Taten mindert und dem Betroffenen bei seiner künftigen Lebensführung hilft. Zwischen chemischer und operativer Kastration wird im Gesetz nicht unterschieden.

Deutschland ist eines der letzten Länder in Europa, das das erlaubt. Das Anti-Folter-Komitee des Europarats hatte 2014 Bund und Länder aufgefordert, diese Praxis zu beenden und die entsprechenden Gesetze zu ändern. Chirurgische Kastrationen hatte der Europarat wiederholt als nicht rückgängig zu machende und menschenunwürdige körperliche Verstümmelung kritisiert.

Nach einem Bericht Deutschlands an das Anti-Folter-Komitee aus dem Jahr 2013 waren im Zeitraum seit 2000 29 Anträge gestellt worden, die dazu führten, dass elf Männer tatsächlich auf ihren Wunsch kastriert wurden. Im Zeitraum von 1970 bis 1980 habe es noch 770 Anträge und 430 Kastrationen gegeben. (law/dpa)