Ernährung

Verschwendung: Jedes dritte Kantinenessen landet im Müll

Die deutschen Kantinen bieten oft mehr an, als ihre Kunden essen können. Der Rest wandert anschließend in den Abfalleimer.

Die deutschen Kantinen bieten oft mehr an, als ihre Kunden essen können. Der Rest wandert anschließend in den Abfalleimer.

Foto: Franziska Kraufmann / dpa

Gäste von Großküchen wünschen sich ein reichhaltiges Angebot. Doch oft ist es zu groß. Der Ernährungsminister will etwas dagegen tun.

Berlin.  Wer zum Essen in die Kantine geht, möchte die Wahl haben: Oft stehen eine Suppe, ein Fleischgericht oder ein vegetarisches Essen auf der Speisekarte. Dazu gibt es dann ein Salatbuffet und zum Nachtisch etwas Süßes. Ein reichhaltiges Angebot, das auf der anderen Seite aber dazu führt, dass ein Teil des Essens am Ende des Tages im Abfall landet. Weil Teller nicht leer gegessen werden oder weil nicht alles Angebotene verkauft wird.

Kantinen, Mensen und andere Großküchen bieten ihren Kunden jedes Jahr rund 70 Kilogramm Essen pro Person an. Rund 46 Kilo davon werden aber nur gegessen. Die restlichen 24 Kilo landen im Müll, das hat das Umweltbundesamt errechnet. Eine Vergeudung von Lebensmitteln, die Bundesernährungsminister Christian Schmidt (CSU) verhindern will.

„Mein Ziel ist, die vermeidbaren Lebensmittelabfälle bis 2030 zu halbieren“, sagt Schmidt dieser Redaktion. „Dafür müssen wir auch in den Kantinen ansetzen, denn hier – genauso wie in Restaurants und beim Catering – werden mehr als ein Drittel der produzierten Lebensmittel weggeworfen.“

Fast ein Fünftel des weggeworfenen Essens stammt aus Kantinen

Allein in Deutschland landen Jahr für Jahr rund elf Millionen Tonnen Lebensmittel in der Abfalltonne, davon stammen knapp 17 Prozent aus Kantinen und anderen sogenannten „Außer-Haus-Betrieben“.

Die Verbraucher sind sich der Verschwendung bewusst. Fast zwei Drittel aller Kantinenbesucher achten nach eigenen Angaben immer darauf, Reste zu vermeiden. Weitere 20 Prozent machen dies zumindest manchmal. Jeder zweite Bundesbürger geht dagegen gar nicht in Kantinen oder Mensen zum Essen. Dies hat eine repräsentative Umfrage von TNS Emnid im Auftrag des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) ergeben, die dieser Redaktion vorliegt.

Um Lebensmittelabfälle zu vermeiden, hält es jeder Zweite für sinnvoll, sich schon am Buffet weniger zu nehmen. 26 Prozent würden bei geringem Appetit nach einer halben Portion fragen und bei Bedarf um Nachschlag bitten. Knapp ein Fünftel würde darum bitten, Reste mitnehmen zu dürfen.

Der Minister empfiehlt, auch mal eine halbe Portion zu bestellen

Die Mehrheit aller Befragten – 85 Prozent – sieht die Verantwortung für die Abfälle bei den Anbietern und hält eine gute Planung beim Lebensmitteleinkauf für den besten Weg zur Reduzierung von Abfällen. Drei Viertel meinen, dass die Gäste selbst bereit sein müssten, keine Reste übrig zu lassen. Zudem sind 71 Prozent überzeugt, dass man als Gast nicht erwarten dürfe, dass alle Gerichte bis zum Schluss verfügbar sein müssen. „Wenn jeder von uns bewusster am Buffet zugreift oder bei kleinem Hunger eine halbe Portion bestellt, können wir viele Lebensmittel vor der Tonne retten“, ist Minister Schmidt überzeugt.

Bundesweit gehen rund 13 Millionen Arbeitnehmer in die Kantine. Im Schnitt geben sie 2,56 Euro pro Essen aus. Um das Bewusstsein gegen Verschwendung zu schärfen, starten das Ernährungsministerium und der Verein „United Against Waste“ nächste Woche die Aktion „Genießen ohne Reste“, an der sich 750 Kantinen beteiligen. „Es liegt in der Natur der Sache, Einkauf und Wareneinsatz so zu kalkulieren, dass mit der richtigen Portionsgröße und einer professionellen Einkaufspolitik Lebensmittelabfälle vermieden werden“, sagt der Sprecher des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga), Christopher Lück. „Wir halten die Verschwendung von Nahrung aus ethischen, ökologischen und wirtschaftlichen Gründen für nicht vertretbar“, meint auch Michaela Mehls, Sprecherin von Dussmann, einem der großen Cateringunternehmen. „Bleibt zu viel auf den Tellern zurück, reagiert der Küchenleiter sofort und bespricht mit dem Kunden, wo die Ursachen dafür liegen, zum Beispiel, ob die Portionen zu groß sind. Dann passen wir sie an.“ Reste, die nicht vermeidbar seien, würden recycelt. Bioabfall käme in die energetische Verwertung.

Auch in den privaten Küchen herrscht Wegwerfmentalität

Doch nicht nur beim Außer-Haus-Verkauf, auch zu Hause herrscht noch eine Wegwerfmentalität. Pro Bürger landen jährlich etwa 82 Kilogramm Lebensmittel im Müll – diese Menge passt in zwei vollgepackte Einkaufswagen. Nur 21 Prozent der Deutschen werfen nach eigenen Angaben keine Lebensmittel weg. Am häufigsten landen Brot und Brötchen (25 Prozent) im Abfall. 22 Prozent werfen am meisten Obst und Gemüse, Wurst (14 Prozent) und Milch oder Milchprodukte (zwölf Prozent) weg, so die Umfrage. Fleisch und Fisch wandern bei sechs Prozent am häufigsten in die Tonne.

Und warum landet Essbares im Müll? Die Mehrheit der Bürger – 70 Prozent – wirft Lebensmittel manchmal oder häufig weg, weil sie verdorben waren. Dabei ist das Mindesthaltbarkeitsdatum für die Mehrheit (62 Prozent) kein Grund. Ein Drittel wirft Lebensmittel weg, weil sie zu viel eingekauft haben. Dass Essen nicht schmeckt, ist nur für 24 Prozent der Befragten ein Grund, es in den Müll zu befördern. Die Mehrheit isst Eingekauftes auch, wenn’s nicht gut mundet.