Kirche

Katholiken lästern über Werbung für Evangelischen Kirchentag

Kirchentagspräsidentin Christina Aus der Au findet das Plakat zum Kirchentag gelungen. Doch von katholischer Seite gibt Kritik und Spott.

Kirchentagspräsidentin Christina Aus der Au findet das Plakat zum Kirchentag gelungen. Doch von katholischer Seite gibt Kritik und Spott.

Foto: Britta Pedersen / dpa

Von wegen gelebte Ökumene: Ein höhnisch-kritischer Kommentar von katholischer Seite attackiert frontal den Evangelischen Kirchentag.

Berlin.  „Krümelmonster“, „Spiegeleier“ – mit solch höhnischen Vergleichen machen sich Katholiken lustig über das kürzlich vorgestellte offizielle Plakat zum Evangelischen Kirchentag, der nächstes Jahr in Berlin und Wittenberg startet. Das Plakat zeigt zwei stilisierte Augen auf orangefarbigem Hintergrund, dazu das Kirchentags-Motto „Du siehst mich“.

Was die protestantische Kirchentagspräsidentin Christina Aus der Au als einen „echten Hingucker“ bezeichnete, der „pointiert, klar und direkt“ auf die Veranstaltung hinweise, liest sich in einem Kommentar auf der Internetseite „Katholisch.de“ ganz anders. „Katholisch.de“ ist das Internetportal der katholischen Kirche in Deutschland.

„Wie Spiegeleier ohne Brot“

Der Autor des „Standpunkts“ ist Steffen Zimmermann, Chef vom Dienst des Onlineportals. Er stichelt, das Plakat gleiche einem „Krümelmonster mit niederländischem Migrationshintergrund“ oder „Spiegeleiern ohne Brot“. Vielleicht sei das Motiv aber auch „ein nicht ganz ernst gemeinter Kommentar zu den Überwachungsskandalen der vergangenen Jahre“. Zimmermann fragt: „Meinen die Organisatoren das ernst?

Doch Zimmermann belässt es nicht bei Sticheleien. Er geht auch die inhaltliche Planung des Protestanten-Treffens frontal an. So heißt es: „Die Organisatoren des Evangelischen Kirchentages haben mit Leitwort und Werbekampagne eine große Chance verpasst.“ Statt sich mit aller Kraft und einem erkennbar christlichen Anstrich den drängenden Fragen unserer Zeit zuzuwenden, habe man „frei nach dem Motto ,Wir haben uns alle lieb’ auf eine fröhlich-banale Botschaft gesetzt“. Und weiter: „Dem eigenen Anspruch, ein Ort des streitbaren Dialogs über zentrale gesellschaftliche Fragen zu sein, wird der Evangelische Kirchentag so leider nicht gerecht.“

Nach Informationen unserer Redaktion ist man in Deutschen Katholischen Bischofskonferenz nicht sehr glücklich mit dem Kommentar. Offiziell hieß es dazu jedoch nur: „Kein Kommentar“.

Protestanten reagieren gelassen

Bei den Organisatoren des Kirchentags reagierte man am Freitag gelassen auf den Zimmermann-Kommentar. „Es ist klar, dass dieses Plakat Reaktionen hervorruft. Es sollte ja gerade Aufmerksamkeit hervorrufen“, erklärte ein Kirchentagssprecher gegenüber unserer Redaktion. „Mit Kritik müssen wir umgehen. Das ist ja geradezu Programm beim Evangelischen Kirchentag.“

„Ich ärgere mich gar nicht über die teils liebevolle, teils kritische Kommentierung der Kampagne. Genauso muss das sein“, sagte Stefan Wegner, Geschäftsführer der Kommunikationsagentur Scholz & Friends, die die Kampagne entworfen hatte. „Denn gute Werbung provoziert. Was allen recht ist, ist meist auch allen egal.“

Tatsächlich wird aber auch in den sozialen Medien über die Gestaltung des Plakats gestritten. Und auch dort gibt es Spott, etwa bei Twitter.

Ein anderer Twitterer fühlt sich, wie Katholik Zimmermann, an das Krümelmonster aus der Sesamstraße erinnert:

Zum 36. Deutschen Evangelischen Kirchentag in Berlin und Wittenberg werden vom 24. bis 28. Mai 2017 rund 140.000 Dauerteilnehmer erwartet. Der Kirchentag soll ein Höhepunkt der Feiern zum 500. Reformationsjubiläum werden.