FDP

Die Liberalen sind plötzlich wieder der Königsmacher

Christian Lindners FDP wird durch die Ergebnisse der Landtagswahlen wieder zum potentiellen Koalitionspartner.

Christian Lindners FDP wird durch die Ergebnisse der Landtagswahlen wieder zum potentiellen Koalitionspartner.

Foto: WOLFGANG RATTAY / REUTERS

Bei Bündnissen in Stuttgart und Mainz ist die FDP gefragt. Doch die Rolle des Juniorpartners ist für die Partei nicht ungefährlich.

Berlin.  Christian Lindner steht unter Spannung. Man sieht es an seinen Händen. Erst verschränkt er sie, dann steckt er sie in die Hosentaschen, dann wandern sie hinter den Rücken, dann verschränkt er sie wieder vorne. Die FDP ist seit ihrem guten Abschneiden in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz der Joker in den Koalitionsverhandlungen, der Königsmacher: Es ist ein Triumph für Parteichef Lindner – aber keine bequeme Lage.

Am Tag nach der Wahl sind die Spitzenkandidaten aus den Ländern nach Berlin gekommen, um mit der Parteispitze den Kurs festzulegen. Es sind am Ende zwei Kurse – einer für Mainz, einer für Stuttgart. „Wir haben eine unterschiedliche Situation in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz“, sagt Volker Wissing, der die Liberalen nach fünf Jahren wieder in den Mainzer Landtag gebracht hat. In Rheinland-Pfalz ist die FDP offen für eine Koalition mit SPD und Grünen. SPD-Wahlsiegerin Malu Dreyer hat die Hand bereits ausgestreckt: Sie wünsche sich, dass ein Ampel-Bündnis mit FDP und Grünen zustande komme, sagte die amtierende Ministerpräsidentin am Montag. Auch die meisten FDP-Wähler sähen die Liberalen in Rheinland-Pfalz lieber in einer Ampel-Regierung als in der Opposition.

Gräben zu den Grünen in Baden-Württemberg

In Baden-Württemberg dagegen ist der Graben tief zwischen den Liberalen und dem grünen Regierungschef Winfried Kretschmann. Ob er unüberwindbar ist, werden die nächsten Wochen zeigen. FDP-Spitzenkandidat Hans-Ulrich Rülke hat sich vorläufig festgelegt: „Eine grün geführte Ampel wird es in Baden-Württemberg nicht geben“, bekräftigte er am Montag in Berlin. FDP-Landesparteichef Michael Theurer ist da deutlich vorsichtiger: Er wolle sich Gesprächen mit den Grünen über eine Regierungsbildung nicht verweigern. Lindner hält das für aussichtslos: „Herr Kretschmann hat einen Politikwechsel ausgeschlossen. Den wollen wir.“ Daher sei „nach den Gesetzen der Logik“ ein Bündnis kaum möglich. In Baden-Württemberg ist die Ampel jedoch nur eine von zwei Koalitionsoptionen für die FDP: Rülke hatte bereits vor der Wahl für eine „Deutschland“-Koalition mit CDU und SPD geworben.

Regieren oder nicht? Zwei Seelen wohnen in der Brust von Parteichef Lindner: Die FDP soll sich unter seiner Führung unabhängig machen vom Gewohnheitspartner CDU, kann dabei auch mal an sozialliberale Traditionen erinnern – darf aber gleichzeitig nicht durch allzu starkes Blinken nach links die Chance verspielen, enttäuschte Unionswähler zu binden. Hinzu kommt die alte Angst, als Juniorpartner zerrieben zu werden – wie in der letzten Schwarz-Gelben Koalition im Bund: „2009 bis 2013 darf sich nicht wiederholen“ – ein Satz, den Lindner und die Parteispitze wie ein Mantra wiederholen. Die Rolle des Koalitionsjokers – sie ist reizvoll, aber nicht ungefährlich.