US-Wahlkampf

Vorwahl: Trump könnte triumphieren – Jeb Bush muss zittern

Für Jeb Bush (l. ) könnte die Wahl in South Carolina zur Zäsur werden – sein republikanischer Widersacher Donald Trump liegt in den Umfragen weit vorn.

Für Jeb Bush (l. ) könnte die Wahl in South Carolina zur Zäsur werden – sein republikanischer Widersacher Donald Trump liegt in den Umfragen weit vorn.

Foto: CARLO ALLEGRI / REUTERS

Bei den Vorwahlen im US-Bundesstaat South Carolina kann Donald Trump wohl niemand gefährlich werden. Hillary Clinton zittert in Nevada.

Washington.  Seine glühendsten Fans ließen nach der Aufsehen erregenden Schelte des Papstes alle Hemmungen fahren. Franziskus sei wahrscheinlich in Wahrheit ein Muslim, ätzten Donald-Trump-Anhänger im Internet. Ihre Forderung an den Bau-Milliardär und Umfragen-König im republikanischen Präsidentschaftsrennen fiel unmissverständlich aus: „Bau die Mauer, bau die Mauer.“ Die kleine Szene macht anschaulich, was das konservative Partei-Establishment in den USA vor Vorwahlen im Süd-Bundesstaat South Carolina am Samstag befürchtet: Trump kann sich auch mit dem Oberhaupt der Katholischen Kirche anlegen – an der Gefolgschaft seiner Wähler ändert das vermutlich nichts.

Nach seinem Mexiko-Besuch hatte Franziskus massive Kritik an Trumps Standard-Versprechen geübt, im Fall seiner Wahl an der 2500 Kilometer langen Grenze zu Amerikas südlichem Nachbarstaat ein unüberwindbares Bollwerk gegen illegale Einwanderer bauen zu lassen.

„Eine Person, die daran denkt, Mauern statt Brücken zu bauen, ist nicht christlich. Das ist nicht das Evangelium“, sagt der Papst. In einem seiner üblichen Schnellschüsse nannte Trump die Einmischung des Würdenträgers aus Rom, dessen Amtssitz wohl nicht ohne Grund von hohen Mauern umgeben sei, schändlich und einseitig: Wenn der Vatikan von der Terror-Miliz Islamischer Staat angegriffen werde, „wird sich der Papst noch wünschen und dafür beten, dass Donald Trump Präsident ist.“

Trump rudert nach Kritik an Papst Franziskus zurück

Trumps Beratern muss das einen Tick zu barsch gewesen sein. Am Donnerstagabend bei einer Fernseh-Debatte ruderte der Unternehmer dezent zurück. Franziskus sei von Mexiko falsch unterrichtet und von Journalisten falsch zitiert worden. „Ich respektiere den Papst sehr. Er macht großartige Arbeit.“

Trumps Zurechtweisung in Richtung Vatikan, darüber waren sich Analysten gestern einig, wird dem 69-Jährigen in South Carolina kaum schaden. Ein Grund: Katholiken sind dort in der Minderheit. Trump liegt stabil mit zweistelligem Prozentabstand vor Ted Cruz und Marco Rubio und wird, wenn die Wähler die Meinungsforscher bisher nicht in die Irre geführt haben, nach seinem zweiten Platz in Iowa und dem Sieg in New Hampshire einen weiteren zentralen Erfolg auf dem Weg zur Präsidentschaftsnominierung erringen.

Vorwahl in South Carolina könnte das Ende für Jeb Bush bedeuten

Für Jeb Bush könnte die Wahl im Palmen-Staat dagegen die Zäsur bedeuten. Landet er abgeschlagen hinter den Rivalen Cruz, Rubio und Kasich, so heißt es in Republikaner-Kreisen, „war’s das“ für den Bruder des 43. und Sohn des 41. Präsidenten der Vereinigten Staaten. „Dann hat er endgültig die moralische Autorität verloren, noch weiter im Rennen zu sein.“

Während die Republikaner an der Südostküste des Landes um Wählerstimmen buhlen, macht der demokratische Vorwahl-Zirkus im Wüstenstaat Nevada Station. Die vor Monaten noch als haushohe Favoritin gehandelte Hillary Clinton steht in Las Vegas und andernorts vor der kniffligen Aufgabe, den Siegeszug des „demokratischen Sozialisten“ Bernie Sanders zu beenden. Der Senator aus Vermont hatte zuletzt New Hampshire haushoch für sich entschieden. Im Süden der USA mit seinem hohen Anteil an Schwarzen und Latinos galt er noch zum Jahreswechsel als chancenlos. Perdu.

Die Umfragen lassen heute auf ein Kopf-an-Kopf-Rennen schließen. Sanders’ Umverteilungsversprechen von Reich zu Arm verfängt auch in der hispanischstämmigen Gemeinde, die fast ein Drittel der Wahlberechtigten stellt. Clinton versucht dort vor allem mit großzügigen Versprechungen für illegale Einwanderer zu punkten, die sich vor der Abschiebungs-Rhetorik der Republikaner um Trump fürchten.

Mehr als in South Carolina, wo eine offene Wahl stattfindet, wird es in Nevada auf die Wahlbeteiligung ankommen. Dort werden sogenannte „caucuses“ abgehalten. Nur registrierte Mitglieder der Demokraten dürfen über die Verteilung von 43 Delegiertenstimmen entscheiden. Sollten sich viele vor allem junge Erstwähler aus der Latino-Community heute an die Wahlurnen aufmachen, könnte das für Sanders den Ausschlag geben und Clinton zur Verzweiflung bringen. Seine Programmatik wird vor allem in der Altersklasse U 25 geschätzt.