Präsidentschaftswahlkampf

Ted Cruz gewinnt im Bundesstaat Iowa gegen Donald Trump

Immobilienmogul Donald Trump hat gegen Ted Cruz verloren.

Immobilienmogul Donald Trump hat gegen Ted Cruz verloren.

Foto: CARLOS BARRIA / REUTERS

Bei der ersten Vorwahl im US-Wahlkampf triumphiert Ted Cruz. Donald Trump landet dahinter. Bei den Demokraten geht es ganz knapp aus.

Davenport.  Bei der ersten offiziellen Kraftprobe des amerikanischen Präsidentschaftswahlkampfes im Bundesstaat Iowa hat sich der bei den Republikanern seit Monaten favorisierte New Yorker Bau-Unternehmer Donald Trump überraschend eine deutliche Niederlage eingefangen. Zum Auftakt setzte sich der gezielt auf die bibelfesten Wählerschichten zielende texanische Senator Ted Cruz nach übereinstimmenden Angaben mehrerer großer TV-Sender mit 28 Prozent klar durch.

Trump, der seit Sommer 2015 alle entscheidenden Umfragen anführte und noch am Montagnachmittag (Ortszeit) seinen Anhängern einen „gewaltigen Sieg“ angekündigt hatte, kam nur auf 24 Prozent. Sein Nimbus der Unbezwingbarkeit ist damit schon zum Start des Vorwahl-Marathons, der bis Juni dauern wird, gebrochen.

Fast noch bedrohlicher für Trump: Mit Marco Rubio, dem jungen Senator aus Florida, landete der designierte Kompromisskandidat des Partei-Establishments mit 23 Prozent auf dem dritten Rang und sitzt Trump damit direkt im Nacken.

Clinton und Sanders lieferten sich Kopf-an-Kopf-Rennen

Alle andere Kandidaten der Konservativen, darunter auch Jeb Bush, schlossen weit abgeschlagen ab. Mick Huckabee, Ex-Gouverneur von Arkansas, war vor acht Jahren in Iowa siegreich. Er schloss diesmal mit sieben Prozent enttäuschend ab und zog die Konsequenz: Ende der Kandidatur. Das schrieb er auf Twitter.

Bei den Demokraten lieferten sich die ehemalige First Lady und Außenministerin Hillary Clinton und ihr wichtigster Widersacher Bernie Sanders bis zum Schluss ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Am Ende erklärte sich Clinton zur Siegerin. Sie kam auf 49,9 Prozent der Stimmen, Sanders auf 49,6 Prozent.

Der durch radikal-populäre Forderungen zur Beseitigung der sozialen Ungleichheit bekannt gewordene Senator aus Vermont hat damit seine Stellung gegenüber der hoch favorisierten Clinton gefestigt, die sich wie schon 2008 gegen Obama in Iowa nicht klar durchsetzen konnte. Die bisherige Nr. 3 bei den Demokraten, Marylands Ex-Gouverneur Martin O‘Malley, stampfte seine Kandidatur nach einem desaströsen Ergebnis in Iowa endgültig ein: Er kam nicht mal auf ein Prozent.

Spitzenkandidaten werden im Sommer offiziell nominiert

Auf den Parteiversammlungen („caucus“) in dem Bauern-Staat im Mittleren Westens bestimmten registrierte Wähler bei Versammlungen in Kirchen, Schulen, Wohnheimen, Universitäten und Geschäften Delegierte für die Sommerkongresse der Parteien in Cleveland und Philadelphia. Dort werden die Spitzenkandidaten für die Wahl am 8. November offiziell nominiert.

Zu verteilen waren 44 Delegierten-Stimmen bei den Demokraten. Dort liegt die Gewinn-Schwelle bei 2382 Stimmen. Die Republikaner aus Iowa senden 30 Wahlmänner zu ihrem Parteitag, wo 1237 Delegierten-Stimmen nötig sind, um die Nominierung in der Tasche zu haben.

Die Beteiligung an den Abstimmungen überstieg nach Medien-Angaben die Erwartungen bei weitem. Schon vor Beginn der „caucuses“ um 19 Uhr (Ortszeit) meldeten viele Wahlleiter Rekordansturm und klagten über zu wenig Wahlzettel.

Trump ohne Abonnement auf den Sieg

Von 1,2 Millionen registrierten Wahlberechtigten beider Parteien unterzogen sich diesmal über 300.000 der Prozedur. Dabei wurde in den Wahllokalen erst kurz diskutiert – für jeden Kandidaten im Rennen konnte ein Fürsprecher zwei Minuten lang werben – und dann abgestimmt. Die ritualhafte Kritik am eklatanten Missverhältnis, das dem Spektakel in Iowa alle vier Jahre nachgesagt wird, blieb darum gestern aus.

Die Niederlage Trumps bestätigt zum ersten Mal offiziell, was die Umfragen seit Monaten zum Leidwesen des republikanischen Partei-Establishments nicht hergaben: Ein radikaler Polit-Seiteneinsteiger, der nie ein öffentliches Amt inne hatte, hat im psychologisch wichtigen Wahl-Frontstaat Iowa kein Abonnement auf den Sieg.

Dass die überproportional gläubigen (57% ) Iowans einem dreimal verheirateten und zweifach geschiedenen Bau-Mogul nicht den Vorzug vor der reinen Lehre des radikalen Polit-Predigers Ted Cruz gaben, ist für Trump ein klarer Dämpfer aber noch kein Beinbruch. Bei den Republikanern hatte ein Sieg in Iowa vor den beiden letzten Wahlen nicht viel zu bedeuten. Weder 2008 noch 2012 schaffte es der Sieger schließlich auch zur Nominierung zum Präsidentschaftskandidaten durch seine Partei. In den kommenden Monaten finden in allen Bundesstaaten Vorwahlen statt.

Vor der nächsten Vorwahl in New Hampshire am kommenden Dienstag (9.2.) liegt Trump in Umfragen auch klar auf der Pole-Position. Der Präsidentschaftsbewerber richtet nun alle Kräfte auf diesen Termin: „Wir werden uns diese Nominierung für die Präsidentschaft holen“, rief er seinen Anhängern in Des Moines zu. „Und wir werden Hillary oder Bernie Sanders oder wen auch immer sie da aufstellen, locker schlagen“, sagte Trump in der Nacht zum Dienstag.

Da es sich in New Hampshire um eine echte Vorwahl („primary“) handelt, die auch nicht an eine Partei gebundene unabhängige Kandidaten teilnehmen lässt, wird dem Resultat mehr Relevanz zugeschrieben – obwohl der Neuengland-Staat nur etwa halb so viele Delegierte zu den Parteitagen entsendet wie Iowa.