Nazi-Hetzschrift

Adolf Hitlers „Mein Kampf“ ab heute in den Buchläden

Christian Hartmann ist Projektleiter der wissenschaftlichen Ausgabe von Adolf Hitlers Schrift „Mein Kampf“, die an diesem Freitag erscheint.

Christian Hartmann ist Projektleiter der wissenschaftlichen Ausgabe von Adolf Hitlers Schrift „Mein Kampf“, die an diesem Freitag erscheint.

Foto: Matthias Balk / dpa

70 Jahre war sie verboten, heute kommt Adolf Hitlers Hetzschrift „Mein Kampf“ in die Buchläden. Ein Skandal ist das aber nicht.

Berlin.  Nach seinem gescheiterten Putschversuch im November 1923 begann Adolf Hitler, in der Festung Landsberg inhaftiert, 1924 mit seinem Buch „Mein Kampf“; er beendete es später auf dem Obersalzberg, wo er oft residierte. In der Schrift legte Hitler seine Ideologie dar – von den Plänen der Welteroberung bis zu seinem Hass auf alles Jüdische.

Wohl nie zuvor hat ein Herrscher, ehe er an die Macht kam, so unverblümt wie Hitler schriftlich entworfen, was er danach tat. Das Buch biete „den Kern der nationalsozialistischen Ideologie“, urteilt denn auch der Münchner Historiker Christian Hartmann. Genau deshalb war die Hetzschrift 70 Jahre lang verboten. Das ändert sich an diesem Freitag.

Urheberrechte für Freistaat Bayern sind erloschen

Nach Ende von Nazi-Deutschland übertrug die US-Militärregierung die Urheberrechte an „Mein Kampf“ an den Freistaat Bayern – und der verhinderte seitdem Neuauflagen. Nach 70 Jahren erlöschen die Urheberrechte. Jetzt bringt das Münchner Institut für Zeitgeschichte (IfZ) unter Leitung von Historiker Hartmann eine kommentierte Neuausgabe des Buches heraus, die ab sofort in den Buchläden frei verkauft wird. Die Startauflage beläuft sich auf 4000 Exemplare. Kostenpunkt: 59 Euro. Unkommentierte Auflagen des Buchs bleiben weiter verboten.

Das IfZ betonte im Vorfeld der Veröffentlichung, die zweibändige Ausgabe mit fast 2000 Seiten sei „neben nüchterner, handwerklich präziser Wissenschaft eine kritische und selbstbewusste Auseinandersetzung mit Hitlers Text“. Kaum ein anderes Buch, heißt es beim IfZ, sei „mit so vielen Mythen überfrachtet“ wie Hitlers Hetzschrift. Somit verstehe sich die Neuauflage „auch als Beitrag zur historisch-politischen Aufklärung“. Es gelte, „Hitler und seine Propaganda nachhaltig zu dekonstruieren und damit der nach wie vor wirksamen Symbolkraft dieses Buchs den Boden zu entziehen“, so das Institut in einer Mitteilung.

Mit mehr als 3500 Anmerkungen versehen

Durch „eine Art Einrahmung des Originaltexts in Form einer Einleitung und einer ausführlichen wissenschaftlichen Kommentierung“ entstehe ein Subtext, durch den klar werde, „wie Hitlers Ideologie entstand, wie selektiv und verzerrt er die Wirklichkeit wahrnahm und auch, welche schrecklichen Folgen sich aus ihr ergaben“.

Das Institut, bei dem mehrere Historiker und Zeitgeschichtler drei Jahre lang an der Neuausgabe arbeiteten, verspricht unter anderem „Hintergrundinformationen zu den dargestellten Personen und Ereignissen, Erläuterung zentraler ideologischer Begriffe und Erklärung der ideengeschichtlichen Wurzeln“, des Buches. Die Forscher hätten den Originaltext „Stück für Stück auseinandergenommen und mit mehr als 3500 Anmerkungen versehen.“

„Ich hab’ jetzt von Hitler die Nase voll“

„So ein irres Gebräu zu widerlegen, das ist schwierig“, beschreibt Hartmann seine Arbeit an dem Buch. „Man ist es in wissenschaftlichen Diskursen ja gewohnt, auf Augenhöhe zu argumentieren, in diesem Fall war es aber so, dass man sich mit völlig abstrusen Vorstellungen auseinandersetzen muss.“ Hartmann selbst gibt sich erleichtert, die mehrjährige Auseinandersetzung mit „Mein Kampf“ abgeschlossen zu haben: „Man kann seine Lebenszeit auch mit besserer Literatur verbringen. Ich hab’ jetzt von Hitler schon auch die Nase voll.“ (mit dpa)