Fahndung

Polizei hat angeblich Terrorverdächtigen laufen lassen

Foto: HANDOUT / REUTERS

Die Polizei soll den Verdächtigen Abdeslam Salah nur Stunden nach den Anschlägen kontrolliert haben. Sie ließ ihn aber wieder laufen.

Paris.  Begleitet von massiven Luftangriffen auf die Terrormiliz IS in Syrien treibt Frankreich die Jagd nach den Drahtziehern der Pariser Anschlagserie voran. Besonders im Fokus stehen dabei drei Brüder, von denen einer zu den Selbstmordattentätern im Bataclan gehörte, ein zweiter am Samstag in Belgien festgenommen wurde und ein dritter am Sonntag zur internationalen Fahndung ausgeschrieben wurde.

Letzterer könnte Medienberichten zufolge schon längst hinter Gittern sitzen: Die Zeitung „Le Monde“ berichtete, Abdeslam Salah sei in der Nacht zu Samstag im nordfranzösischen Cambrai nahe der belgischen Grenze von der Polizei überprüft worden. Nur Stunden nach den Pariser Anschlägen stoppten Polizisten den 26-Jährigen und zwei weitere Personen in einem Auto, ließen sie aber schließlich weiterfahren. Zuvor waren die Grenzkontrollen verschärft worden.

Abdeslam Salah soll schwarzen Polo gemietet haben

Diese Informationen passen zu Angaben des Pariser Staatsanwalts François Molins. Dieser hatte am Samstagabend gesagt, ein Wagen mit drei Insassen sei nahe der Grenze routinemäßig kontrolliert worden. Bei einem der Insassen habe es sich um einen Franzosen mit Wohnsitz in Belgien gehandelt. Er hatte allerdings keine näheren Angaben zur Identität des Mannes gemacht.

Salah soll den schwarzen Polo gemietet haben, der vor der Konzerthalle Bataclan gesehen wurde. Zum Zeitpunkt der Fahrzeugkontrolle sei er in keiner Kartei registriert gewesen, berichtet „Le Monde“. Erst später hätten die Ermittler ihn mit den Attentaten in Verbindung gebracht.

Die spanische Zeitung „El País“ berichtete auf ihrer Website, Frankreichs Ermittlungsbehörden hätten die zuständigen Stellen in Spanien und Belgien über das Informationssystem des Schengen-Raums gewarnt, dass sich Abdeslam Salah dorthin absetzen könnte. Dies sei aber „nur eine Möglichkeit“, hieß es in dem Zeitungsbericht.

Razzien in Calais, Toulouse und Grenoble

In mehreren französischen Städten fanden am Montagmorgen Razzien statt. Die Einsätze sollen nicht nur mit den Ereignissen in Paris, sondern mit dem allgemeinen Anti-Terror-Kampf zusammenhängen.

Die Regionalzeitung „La Dépêche du Midi“ berichtete über einen Großeinsatz von Spezialeinheiten gegen Islamistenkreise Toulouse im Süden des Landes. Drei Personen seien verhaftet worden. Auch in Calais und Grenoble gab es Straßensperren und Hausdurchsungen. In Grenoble im Südosten Frankreichs habe die Polizei laut „ledauphine.com“ mindestens sechs Personen festgenommen. Es seien mehrere Waffen und Geld gefunden worden.

(jha/dpa)