Software

Microsoft kann jetzt aus Bildern Gefühle errechnen

Überraschung: Maschinen können jetzt auch Überraschung erkennen. Emotionen zu lesen ist eine große Herausforderung für künstliche Intelligenz.

Überraschung: Maschinen können jetzt auch Überraschung erkennen. Emotionen zu lesen ist eine große Herausforderung für künstliche Intelligenz.

Foto: Microsoft / FMG

Gefühle zu erkennen ist bislang Menschen vorbehalten. Jetzt holen die Computer auf: Microsoft errechnet aus Bildern den Gemütszustand.

Berlin.  Microsoft würde sicher gerne Ihr Gesicht sehen, wenn Sie diese Zeilen lesen. Dann könnte das Unternehmen ausrechnen, ob sein neuestes Projekt Angst, Wut, Überraschung oder vielleicht auch Glücksgefühle bei Ihnen weckt. Denn: Microsoft kann aus Fotos von Gesichtern die Emotionen berechnen. Künstliche Intelligenz wird auf eine neue Stufe gehoben. Wir haben das mit einigen Bildern durchgespielt.

Die Entwicklung von Microsofts Project Oxford kalkuliert aus Bildern von Gesichtern die Werte für acht verschiedene Emotionen: Zorn, Verachtung, Ekel, Angst, Glück, Emotionslosigkeit („Neutral“), Traurigkeit und Überraschung. Auf der Seite des Projects Oxford kann für eine begrenzte Zeit jeder kostenlos mit dem Gefühlsrechner experimentieren. Unsere Redaktion hat die offiziellen Fotos der Mitglieder der Bundesregierung genutzt. Welche Emotionen ermittelt Microsoft auf den Bildern, die Politiker doch eigentlich möglichst vorteilhaft erscheinen lassen sollen?

Mittel- und langfristig steckt in der Technik ein Riesenmarkt. Microsoft macht sie über eine Schnittstelle für Entwickler verfügbar. Das Unternehmen selbst skizzierte einige mögliche Anwendungen in einem am Mittwoch veröffentlichten Blogbeitrag, der am Donnerstag nicht erreichbar war (hier im Google-Cache). Ein großes Feld sieht Microsoft im Marketing – und Datenschützer könnten das Gruseln bekommen: Gesichter ließen sich etwa darauf analysieren, wie Kunden auf Schaufensterauslagen und Aufsteller reagieren. Derzeit können Reaktionen online besser gemessen werden als im Laden.

Ein weiterer Gedanke ist, kameraunterstützte automatisierte Online-Dialoge mit Kunden auch durch die Auswertung der Gesichtsausdrücke zu steuern. Wenn Zornesfalten erkennen lassen, dass Ärger droht, wird der Kunde bevorzugt bedient. Microsoft spricht nicht direkt an, dass die Anwendung in der Sicherheitstechnik von großem Interesse sein könnte.

Auch für Überwachungstechnik interessant

Kameraüberwachung, die Verhalten analysiert, ist etwa in Fußballstadien schon im Einsatz. Eine zusätzliche Analyse des Gesichtsausdrucks dürfte nur eine Frage der Zeit sein. Aus vielen Fotos einer Person ließe sich ein durchschnittlicher Gesichtsausdruck ermitteln und die Person charakterisieren. Microsofts Entwicklungen bei der Gesichtsanalyse können auch dazu eingesetzt werden, Menschen auf verschiedenen Fotos wiederzuerkennen.

Microsoft räumt ein, dass der Gefühlsrechner noch am Anfang steht. Bisher ist er deshalb auch vor allem Spielerei – und Microsoft nutzt den Spieltrieb, um zu lernen. Ein Heer von Nutzern, die neugierig Emotionen berechnen lassen, unterstützen so die Weiterentwicklung.

Sehr erfolgreich hat das Microsoft schon praktiziert mit einer Seite, die aus Fotos das Alter der abgebildeten Personen schätzt. In den ersten sieben Tagen nach dem Start von how-old.net am 30. April probierten das bereits 50 Millionen Nutzer aus – und Microsoft konnte mit den Rückmeldungen seine Maschinen immer weiter verbessern. Eine der ersten Erkenntnisse etwa war, dass Bart und Brille jeweils dazu führten, dass die Software Nutzer älter schätzte.