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Verletzte nach Streit in Hamburger Flüchtlingsunterkunft

Lesedauer: 27 Minuten
Bis zu 1200 Flüchtlinge sind kurzfristig auf dem Messegelände in der Innenstadt untergebracht

Bis zu 1200 Flüchtlinge sind kurzfristig auf dem Messegelände in der Innenstadt untergebracht

Foto: Marco Dittmer / HA

Brandanschlag auf Flüchtlingsheime in Rostock und Wertheim. Serbien ruft Nachbarstaaten zu Zusammenhalt auf. Die Infos im News-Ticker.

Abendblatt.de hält Sie im News-Ticker zur Flüchtlingskrise auf dem Laufenden:

Streit in Flüchtlingsunterkunft - zwei Verletzte

23:36 Uhr: Bei einem Streit in einer Hamburger Flüchtlingsunterkunft sind am Sonntagabend zwei Flüchtlinge durch Pfefferspray verletzt worden. Wie die Polizei mitteilte, waren zwei Asylbewerber in der Erstaufnahmeeinrichtung auf dem Messegelände in Streit geraten. Eine größere Menschenmenge versammelte sich um die beiden Streithähne. Zwei Flüchtlinge bekamen bei dem Auflauf Pfefferspray ins Gesicht. Wer das Spray versprühte war zunächst unklar. Die Polizei rückte mit einem Großaufgebot an und konnte die Situation nach eigenen Angaben schnell beruhigen. Die beiden Verletzten kamen zur Beobachtung ins Krankenhaus.

Bundesregierung sagt mehr finanzielle Hilfe für Flüchtlinge zu

20.01 Uhr: Der Bund will seine finanzielle Unterstützung von Ländern und Kommunen zur Bewältigung des Flüchtlingsandrangs nochmals aufstocken. Die Entscheidung werde beim Bund-Länder-Flüchtlingsgipfel am kommenden Donnerstag fallen, kündigte Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) am Sonntagabend in der ZDF-Sendung „Berlin direkt“ an. „Es wird deutlich mehr Geld geben.“ Konkrete Summen nannte er allerdings nicht. De Maizière wies darauf hin, dass auch der Bund mehr Geld zur Finanzierung dieser Aufgabe brauche. Zuletzt hatte die Bundesregierung den Ländern für das kommende Jahr drei Milliarden Euro zugesagt - nach einer Milliarde im laufenden Jahr. Aus den Ländern kam in den vergangenen Tagen die Forderung nach einer Verdoppelung der Summe für 2016

USA wollen nächstes Jahr 15.000 Flüchtlinge mehr aufnehmen

17.59 Uhr: Die USA wollen im kommenden Jahr 15.000 Flüchtlingen mehr als geplant aufnehmen. Das kündigt Außenminister John Kerry in Berlin an. Wie viele Bürgerkriegsflüchtlinge aus Syrien dabei sein sollen, sagt er nicht. Sein Land sei bereit, bei der Bewältigung der Flüchtlingskrise zu helfen, sagt er lediglich.

Bautrupps bereiten Schließung der Grenze vor

16.23 Uhr: Ein Reuters-Kameramann berichtet, dass Ungarn offensichtlich die Schließung der Grenze bei Beremend vorbereitet. Bautrupps rammen drei Meter hohe Zaunpfähle in den Boden und errichten ein Tor am Übergang. Über den Grenzübergang hat Kroatien in den vergangenen Tagen ohne Absprache Tausende Flüchtlinge nach Ungarn abgeschoben, was zu scharfen Protesten des EU-Nachbarlandes geführt hat. Aus dem kroatischen Grenzort Beli Monastir sind noch weitere Busse mit Migranten unterwegs nach Beremend.

Ungarn bereitet wohl Schließung der Grenze zu Kroatien vor

16.11 Uhr: Auf der Autobahn A4 bei Nickelsdorf wird die Fahrbahn Richtung Wien gesperrt. Das teilt ein Polizeisprecher mit, ohne weitere Details zu nennen. In den vergangenen Tagen hatte die Polizei die Autobahn schon mehrmals gesperrt, weil sich Flüchtlingen dort zu Fuß nach Wien aufgemacht hatten.

13 Flüchtlinge ertrunken

15.45 Uhr: Bei dem Untergang eines Bootes vor der türkischen Küste ertrinken 13 Flüchtlinge. Sechs davon sind Kinder, heißt es in Kreisen der türkischen Küstenwache. Das Boot war mit 46 Menschen an Bord auf dem Weg von der Türkei nach Griechenland, als es mit einem Frachter kollidierte. 20 Menschen wurden gerettet, 13 werden noch vermisst.

Geplante Flüchtlingsunterkunft bei Rostock angezündet

15.32 Uhr: Ein zur Unterbringung von Flüchtlingen geplantes Mehrfamilienhaus im Landkreis Rostock ist am Sonntag angezündet worden. Ob das derzeit unbewohnte Haus an einer Bundesstraße bei Laage weiterhin als Flüchtlingsunterkunft genutzt werden kann, sei derzeit noch unklar, teilte die Polizei am Sonntag mit. Auf dem Dachboden des Hauses brannte eine etwa zwei mal zwei Meter große Fläche. Der Staatsschutz ermittelt wegen eines potenziell fremdenfeindlichen Hintergrundes. Ende August hatte der Landkreis Rostock laut Polizei in einer Bürgerversammlung über den geplanten Umbau zur Flüchtlingsunterkunft informiert.

Gabriel: Rücktrittsforderungen aus SPD an de Maizière seien "Quatsch"

14.48 Uhr: SPD-Chef Sigmar Gabriel hat Rücktrittsforderungen aus den eigenen Reihen an Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) zurückgewiesen. „Ich halte das alles für Quatsch“, sagte der Vizekanzler bei der Aufzeichnung der ARD-Sendung „Bericht aus Berlin“, die am Sonntagabend ausgestrahlt wird. Gabriels Stellvertreter Ralf Stegner hatte in der „Bild am Sonntag“ erklärt, falls de Maizière die Probleme bei den stockenden Asylverfahren nicht in den Griff bekomme, sollte er als verantwortlicher Minister seinen Hut nehmen.

Gabriel meinte dazu, niemand sei darauf vorbereitet gewesen, dass bis zu eine Million Menschen in diesem Jahr nach Deutschland kommen könnten. „Und niemand darf den Menschen versprechen: Ich habe jetzt sozusagen aus dem Bilderbuch sofort eine Lösung.“ Parteipolitische Spielchen seien fehl am Platz: „Das ist das letzte, was wir in Deutschland brauchen“, sagte Gabriel.

Inhaltlich übte aber auch er Kritik an de Maizière und dessen Vorschlag, die EU solle feste Kontingente für Flüchtlinge einführen - und bei deren Ausschöpfung Menschen in ihre Heimat zurückschicken. Kritiker sehen das als Aushöhlung des in der Verfassung garantierten individuellen Asylanspruchs. „Ich habe es nicht verstanden, weil es ja das Gegenteil dessen ist, was die Kanzlerin zu Recht gesagt hat. Nämlich: Wer in Deutschland ankommt und Asyl beantragt, der braucht ein faires Verfahren“, betonte Gabriel. Vom Treffen der Innen- und Justizminister der EU am Dienstag erhoffe er sich den Einstieg in eine faire Verteilung der Flüchtlinge, „notfalls auch mit der Mehrheitsentscheidung“.

Bundeswehr hilft bei Registrierung von Flüchtlingen

14.40 Uhr: Die Bundeswehr hilft künftig bei der Registrierung neu ankommender Flüchtlinge in Berlin. 50 Soldaten unterstützten bald unter anderem das Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso), twitterte die Sozialverwaltung am Sonntag. Bei der Ankunft eines Sonderzuges aus Bayern am Flughafen Schönefeld mit knapp 400 Flüchtlingen am Sonntag hätten bereits erstmals Soldaten geholfen, berichtete eine Sprecherin der Senatsverwaltung. Sie hätten Ordnungsaufgaben erledigt und das Lageso bei der Organisation unterstützt, sagte sie. Die Erstaufnahmestelle im Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) ist seit Monaten überlaufen.

Schiff rammt Flüchtlingsboot - viele Tote

13.42 Uhr: Mindestens 13 Menschen sind bei dem Untergang eines Flüchtlingsboots vor der türkischen Küste ertrunken. Das Schlauchboot sei am Sonntag vor dem westtürkischen Canakkale mit einem Handelschiff zusammengestoßen und gesunken, teilte die türkische Küstenwache mit. Die Nachrichtenagentur DHA berichtete, unter den Toten seien vier Kinder. 20 Menschen seien gerettet worden. Die Flüchtlinge hätten die griechische Insel Lesbos zum Ziel gehabt.

4300 Flüchtlinge an einem Tag aus dem Mittelmeer gerettet

12.41 Uhr: Mehr als 4300 Flüchtlinge sind alleine am Samstag aus dem Mittelmeer gerettet worden. Beim größten von insgesamt 20 Rettungseinsätzen in den Gewässern vor Libyen wurden 1137 Menschen von zwei Schiffen in Sicherheit gebracht, wie die italienische Küstenwache mitteilte. An der Operation, bei der auch eine Frauenleiche geborgen wurde, waren Schiffe von Hilfsorganisationen wie Ärzte ohne Grenzen sowie eine Fregatte der Bundeswehr beteiligt, die Hunderte der Flüchtlinge aufnahm. Die britische und kroatische Marine sowie ein Frachtschiff halfen ebenfalls mit.

Wie eine dpa-Reporterin an Bord der Bundeswehr-Fregatte „Schleswig-Holstein“ beobachtete, wurden in einem fast zwölfstündigen Einsatz 389 Flüchtlinge von einem Holzboot und einem Schlauchboot gerettet. Zusätzlich wurden 378 Flüchtlinge an Bord geholt, die zuvor von der britischen Marine gerettet worden waren. Mit insgesamt 767 Menschen nahm die „Schleswig-Holstein“ mehr Flüchtlinge an einem Tag auf als je zuvor, wie ein Sprecher an Bord sagte. Die meisten der Menschen stammten aus dem Sudan sowie aus Eritrea, Somalia und Syrien.

Die Fregatte mit den Flüchtlingen soll voraussichtlich am Sonntagmittag in Palermo auf Sizilien einlaufen, um die Menschen an die zuständigen Behörden zu übergeben. Die „Schleswig-Holstein“ ist eines von zwei deutschen Schiffen, die sich seit Ende Juni an der EU-Mission zur Seenotrettung und Bekämpfung der Schleuserkriminalität im südlichen Mittelmeer beteiligen. Insgesamt haben die deutschen Schiffe seitdem fast 2400 Menschen geholfen. Zuvor hatte die Bundeswehr unter einem nationalen Mandat insgesamt 5673 Flüchtlinge gerettet.

Seit Jahresbeginn sind nach Zählung der Internationalen Organisation für Migration mehr als 2600 Menschen beim Versuch ums Leben gekommen, von Libyen aus über das Mittelmeer nach Italien zu gelangen. Über 120 000 (Stand 18. September) schafften es demnach bis an die Küste des südlichen EU-Mitgliedstaats.

Österreich hindert Flüchtlinge an Einreise aus Slowenien

12.21 Uhr: Die österreichische Polizei hat Flüchtlingen die Einreise aus dem südlichen Nachbarland Slowenien verweigert. Wie ein Polizeisprecher im Bundesland Steiermark am Sonntag mitteilte, wurde etwa 100 Menschen in der Nacht auf Sonntag die Einreise am Grenzübergang Spielberg verweigert. Sie hatten demnach weder Asylersuchen vorgebracht noch Reisedokumente vorgewiesen. Die Polizei werde die Einwanderungsgesetze anwenden, solange der Andrang an Flüchtlingen bewältigbar sei, sagte der Sprecher.

Österreichs Innenministerin Johanna Mikl-Leitner hatte am Samstag gewarnt, dass über Slowenien und Kroatien eingereiste Flüchtlinge, die sich in Österreich um Asyl bemühen, in diese Balkanländer zurückgeschickt würden, wenn sie dort zuvor keinen Asylantrag gestellt hatten. Am Samstag war eine Gruppe von etwa 350 Menschen am Grenzübergang Bad Radkersburg an der Polizei vorbei über die Grenze gestürmt.

Die Grenze zu Ungarn hingegen ist weiter offen. Nach Angaben des Roten Kreuzes kamen die meisten der etwa 13 000 Flüchtlinge, die am Wochenende nach Österreich einreisten, über diese Route. Am Sonntagmorgen befanden sich nach Polizeiangaben 7000 Menschen am österreichisch-ungarischen Grenzübergang Nickelsdorf.

400 Flüchtlinge erreichen die Hauptstadt

11.40 Uhr: Ein weiterer Sonderzug aus Bayern mit knapp 400 Flüchtlingen ist in der Hauptstadtregion angekommen. Der Zug erreichte am Sonntagmorgen den Bahnhof des Flughafens Schönefeld, wie eine Sprecherin der Berliner Sozialverwaltung berichtete. Von dort ging es laut einem Sprecher der Bundespolizei für rund 200 Flüchtlinge innerhalb Brandenburgs weiter. Etwa 150 wurden nach Angaben der Berliner Senatsverwaltung mit Bussen der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) in die Notunterkunft im Berliner Olympiapark gebracht.

Der Zug war etwas leerer als erwartet. Die Senatsverwaltung hatte mit insgesamt 450 bis 500 Flüchtlingen gerechnet. Viele der Neuankömmlinge seien aus Afghanistan, berichtete die Sprecherin.

Serbien ruft Nachbarstaaten zur Zusammenarbeit in Flüchtlingskrise auf

10.37 Uhr: Der serbische Ministerpräsident Aleksandar Vucic hat die Nachbarstaaten zur Zusammenarbeit in der Flüchtlingskrise aufgerufen. Die Nachbarn sollten ihre Grenzen zu Serbien wieder öffnen, sagte er am Wochenende in Belgrad vor deutschen Journalisten. Jedoch habe er den Eindruck, dass die Staaten in der Region mit ihren Grenzschließungen von eigenen innenpolitischen Problemen ablenken wollten.

Seit die Nachbarstaaten ihre Grenzen zu Serbien blockieren, um Flüchtlinge abzuhalten, gerät Serbien in wirtschaftliche Probleme. Das Land kann seine Produkte nicht mehr per Lastwagen ins Ausland exportieren. Serbien ist EU-Beitrittskandidat und will 2020 Vollmitglied werden. Vucic dankte für die Unterstützung durch die deutsche Bundesregierung und die Arbeit deutscher Hilfsorganisationen. Serbien sei bereit, seine europäische Verantwortung für die Flüchtlinge zu übernehmen. „Wenn Deutschland darum bittet, dass Serbien 1.000 oder 2.000 Flüchtlinge aufnimmt, werden wir ohne wenn und aber ja sagen“, unterstrich der nationalkonservative Regierungschef.

Europäische Staatspräsidenten treffen sich auf der Wartburg

10 Uhr: Bundespräsident Joachim Gauck hat zehn europäische Kollegen nach Thüringen eingeladen. Das zweitägige Treffen der Staatsoberhäupter in Eisenach und Erfurt beginnt am kommenden Montag.

Eisenach/Erfurt (dpa) - Elf europäische Staatsoberhäupter treffen zu Beginn der kommenden Woche zu Gesprächen auf der Eisenacher Wartburg und in Erfurt zusammen. Bundespräsident Joachim Gauck hat die Staatspräsidenten aus Italien, Polen, Portugal, Österreich, Bulgarien, Estland, Finnland, Lettland, Slowenien und Malta eingeladen. Bei den informellen Gesprächen dürfte es vor allem darum gehen, wie Europa mit der großen Zahl von Flüchtlingen verfährt, wie vorab aus dem Präsidialamt verlautete. Die Gäste gehören zur sogenannten Arrailos-Gruppe der nicht regierenden Staatsoberhäupter in der EU.

Industriegewerkschaft will sich für Flüchtlinge einsetzen

9.47 Uhr: Die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie will sich für Flüchtlinge einsetzen. Bei einer Spendenaktion unter ihren Mitgliedern seien 125.000 Euro zugunsten des Kinderhilfswerks „terre des hommes“ zusammengekommen, teilte die Gewerkschaft am Samstagabend anlässlich eines Festes zu ihrem 125-jährigen Bestehen in Essen mit. Weitere 125.000 Euro stellt sie für Aktionen ihrer Basisorganisationen für Flüchtlinge bereit, etwa für Sprachkurse, Beratung und gemeinsame Feste.

Gemeinsam mit den Chemie-Arbeitgebern habe die in Hannover ansässige Gewerkschaft außerdem 125 zusätzliche Plätze im Programm „Start in den Beruf“ geschaffen. So sollten junge Flüchtlinge auf eine Ausbildung in der Chemie vorbereitet werden. Weitere Programme mit anderen Branchen seien in Vorbereitung. „In unserer Gewerkschaft sind Menschen aus 99 Nationen Mitglied“, sagte der Vorsitzende Michael Vassiliadis. „Bei uns gibt es keinen Platz für Fremdenfeindlichkeit und Rassismus.“ Die Industriegewerkschaft ist nach eigenen Angaben mit rund 661.000 Mitgliedern die drittgrößte Organisation im Deutschen Gewerkschaftsbund.

Nahles rechnet wegen Flüchtlingszustroms mit mehr Arbeitslosen

9.19 Uhr: Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) erwartet angesichts der vielen Flüchtlinge in Deutschland im kommenden Jahr steigende Arbeitslosenzahlen. „Wir denken, dass im nächsten Jahr der Zustrom auf den deutschen Arbeitsmarkt deutlich ansteigt. Ich rechne auch damit, dass die Arbeitslosenzahlen steigen“, sagte Nahles dem Deutschlandfunk.

Dies bedeute eine besondere Herausforderung für die Arbeitsagenturen. „Damit sich niemand Illusionen macht: Wir sind gut, wir können auch viele Leute vermitteln, aber es wird nicht von heute auf morgen erfolgen und deswegen wird erstmal die Arbeitslosenzahl steigen“, sagte Nahles. Das müsse aber niemand beunruhigen. „Wir können, wenn wir das gut machen, auch viele in Arbeit vermitteln.“

Asylbewerber dürfen zunächst gar nicht in Deutschland arbeiten. In den ersten drei Monaten ist ihnen das komplett verwehrt. Erst nach 15 Monaten fällt zudem die „Vorrangprüfung“: Steht ein Deutscher oder ein EU-Bürger für den Job zur Verfügung, bekommen Asylbewerber keine Beschäftigungserlaubnis. Die Arbeitgeber fordern eine Senkung dieser Fristen - denn der Bedarf an Arbeitskräften ist groß. Allerdings haben die Betroffenen auch aus anderen Gründen oft Schwierigkeiten, einen Job zu finden. So fehlen ihnen oft in Deutschland anerkannte Qualifikationen und Abschlüsse.

Neues Unglück: Dutzende Flüchtlinge in der Ägäis vermisst

9.02 Uhr: Neues Unglück vor der griechischen Insel Lesbos: Nach dem Untergang eines Flüchtlingsbootes werden 26 Menschen vermisst. Die Küstenwache konnte 20 Menschen aus den Fluten retten, teilten die Behörden mit. Bereits am Vortag war ein fünfjähriges Kind bei einem ähnlichen Unglück ums Leben gekommen, hier wurden 13 Menschen vermisst.

Die Ägäis ist eine der Routen, über die Flüchtlinge nach Europa kommen. Allein in den ersten sieben Monaten des Jahres sind nach offiziellen Angaben mehr als 300.000 Migranten in Griechenland angekommen. In ihrer Mehrheit sind sie nach Westeuropa weitergereist.

Kardinal Woelki: "Deutschland leuchtet"

8.00 Uhr: Mal ein Lichtblick unter den schlechten Nachrichten: Der Kölner Kardinal Rainer Woelki hat Deutschland für die großzügige Aufnahme von Flüchtlingen gelobt. In einem Beitrag für das Kölner Domradio sagte er am Sonntag: „Deutschland leuchtet in diesen Wochen und macht Europa hell. Wir Deutschen haben weit über unsere Grenzen hinaus gezeigt, dass mitfühlende Menschlichkeit und freudige Hilfsbereitschaft in unserem Land zuhause sind.“

Es sei jetzt aber wichtig, bei diesem Engagement nicht nachzulassen. Die Integration der Flüchtlinge sei eine Aufgabe für Monate und Jahre. „Besonders wir Christen dürfen hier nicht müde werden“, mahnte der Erzbischof des größten katholischen Bistums in Deutschland.

Früherer Aussiedlerbeauftragter fordert Zuwanderungsministerium

6.01 Uhr: Der ehemalige Aussiedlerbeauftragte der Bundesregierung, Jochen Welt, spricht sich für ein eigenständiges Ministerium für Zuwanderung und Integration aus. „Das Aufnahmeverfahren für Flüchtlinge muss den Aspekt der Integration von Beginn an berücksichtigen“, sagte der Geschäftsführer der Otto Benecke Stiftung in Bonn dem Evangelischen Pressedienst (epd). Dafür könne ein Ministerium sorgen, „das nicht nur die Zuständigkeit für die Themen Zuwanderung und Integration bündelt, sondern auch über die Kompetenzen und finanziellen Mittel verfügt“.

Die Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration, Staatsministerin Aydan Özoguz (SPD), habe zurzeit in einzelnen Bereichen nur geringe Kompetenzen und wenig Finanzmittel. „Sie ist vermittelnd und werbend tätig - und das gut“, betonte der Geschäftsführer der Benecke-Stiftung, die vor allem in den Bereichen Integration und Bildung tätig ist. Generell seien aber mangelnde und verstreute Zuständigkeiten in der Integrationspolitik ein großes Problem.

Niedersachsen nimmt rund 70 traumatisierte IS-Opfer auf

5.00 Uhr: Nach Baden-Württemberg nimmt auch Niedersachsen in einem Sonderprogramm traumatisierte Frauen und Kinder aus dem Nordirak auf. Dabei handele es sich um Opfer extremer Gewalt von Kämpfern der Terrormiliz Islamischer Staat (IS), sagte Regierungssprecherin Anke Pörksen in Hannover. Niedersachsen bietet etwa 70 Frauen und Kindern für zunächst zwei Jahre einen sicheren Aufenthaltsstatus. Sie sollen hier die notwendige medizinische Hilfe und therapeutische Begleitung erhalten und auf Wunsch auch länger bleiben dürfen. In den Flüchtlingslagern im Nordirak kann ihnen derzeit nicht geholfen werden.

Die etwa 70 IS-Opfer sollen im Herbst in Niedersachsen eintreffen und in vier Landkreisen - einschließlich der Region Hannover - und zwei kreisfreien Städten untergebracht werden. Die Kommunen hatten sich freiwillig dazu bereiterklärt. Nähere Angaben macht die Staatskanzlei zum Schutz der traumatisierten Frauen und Kinder nicht. Baden-Württemberg hat bislang rund 250 IS-Opfer aus dem Nordirak und Syrien aufgenommen. Das humanitäre Engagement war nach einem Gespräch mit dem Zentralrat der Jesiden entstanden.

Niedersachsen plant nach Angaben der Regierungssprecherin derzeit nicht, noch mehr IS-Opfer nach Deutschland zu holen. „Wir müssen zunächst die Erfahrungen mit der Aufnahme dieser Gruppe machen und die im Übrigen ausgesprochen angespannte Situation bei der Unterbringung von Flüchtlingen abwarten“, sagte Pörksen. Die Hälfte der Gruppe seien Frauen und weibliche Jugendliche, die andere Hälfte minderjährige Mädchen und Jungen.

Lage in Syrien: Steinmeier empfängt US-Außenminister Kerry

4.00 Uhr: Die Flüchtlingskrise und die Lage im Bürgerkriegsland Syrien bestimmen den Besuch von US-Außenminister John Kerry am Sonntag in Berlin. Außenminister Frank-Walter Steinmeier empfängt seinen US-Kollegen am Nachmittag (14.45 Uhr) in der Villa Borsig. Im Anschluss soll es eine Pressekonferenz geben.

Bei Gesprächen in London hatte Kerry am Samstag die Möglichkeit einer militärischen Kooperation der USA mit Russland im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) angedeutet. Beide Länder wollen nach unbestätigten Angaben beim Kampf gegen den IS in Syrien enger zusammenarbeiten.

Umfrage: Deutsche befürworten Grenzkontrollen

3.27 Uhr: Die wegen des starken Flüchtlings-Zustroms wieder eingeführten Kontrollen an verschiedenen Grenzen in Europa werden nach einer Umfrage von den Deutschen mehrheitlich begrüßt. 51 Prozent der Befragten befürworteten die Kontrollen, darunter auch an den deutschen Grenzen, „voll und ganz“, während 27 Prozent die Kontrollen als „eher geeignet“ einstuften. „Ganz“ und „eher“ ablehnend antworteten 11 und 5 Prozent von insgesamt 1108 Befragten in der YouGov-Umfrage, deren Daten zwischen dem 14. und 18. September erhoben wurden.

Die Umfrage offenbarte allerdings kein großes Vertrauen in die Wirksamkeit der Kontrollen. Nur 20 Prozent der Befragten hielten die Grenzkontrollen für „sehr geeignet“, um die Zahl der Flüchtlinge nach Deutschland zu begrenzen, während sich 35 Prozent für „eher geeignet“ hielten. Wenig Vertrauen zeigten 28 Prozent, während 11 Prozent der Befragten die Maßnahmen als „gar nicht geeignet“ einstuften.

Nach Brandanschlag vorerst keine weiteren Flüchtlinge nach Wertheim

3.14 Uhr: Nach dem Brandanschlag auf die Unterkunft sollen vorerst keine weiteren Schutzsuchenden in die Kleinstadt Wertheim gebracht werden. „Es kommen keine weiteren Flüchtlinge nach Wertheim, da es die Notunterkunft nicht mehr gibt“, sagte der zuständige Stabsstellen-Chef der Landesregierung, Hermann Schröder.

Auf eine geplante Notunterkunft für Flüchtlinge im baden-württembergischen Wertheim ist zuvor ein Brandanschlag verübt worden. In der Sporthalle standen seit Sonnabend 330 Betten. Nun sei das Gebäude einsturzgefährdet und nicht mehr nutzbar. An der Rückseite der Halle fanden Polizisten Spuren, die auf einen Einbruch hindeuten.

„Das Feuer brach in der Nacht zum Sonntag aus“, sagte ein Sprecher der Polizei in Heilbronn. Die Feuerwehr rückte mit einem großen Aufgebot an und löschte die Flammen. Es gab keine Verletzten. Mehr Einzelheiten gaben die Ermittler zunächst nicht bekannt und verwiesen auf eine Pressekonferenz am Sonntagvormittag.

Der Oberbürgermeister von Wertheim, der CDU-Politiker Stefan Mikulicz, erklärte, er sei bestürzt und betroffen. Kürzlich hatte Mikulicz einen Hilferuf an die Landesregierung gerichtet. Es drohe der Kollaps, warnte er. Die ehrenamtlichen Hilfskräfte seien bei der Betreuung einer bereits bestehenden Notunterkunft „mit ihren Kräften absolut am Ende“. Die Kleinstadt mit 22 500 Einwohnern sieht sich wie kaum eine andere Gemeinde Baden-Württembergs mit einem Zustrom von Flüchtlingen konfrontiert. 600 Migranten kamen in einem Ortsteil mit 900 Einwohnern unter. 400 weitere Schutzsuchende sollten noch kommen.

FDP-Politiker fordert deutsche Beteiligung an Luftangriffen gegen IS

3.00 Uhr: Der Vizepräsident des Europäischen Parlaments, Alexander Graf Lambsdorff, hat sich für eine deutsche Beteiligung an den Luftangriffen gegen die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) ausgesprochen. „Es darf keine Arbeitsteilung geben nach dem Motto "England und Frankreich kämpfen gegen den IS, Deutschland nimmt die Flüchtlinge auf"“, sagte der FDP-Politiker der „Welt am Sonntag“.

So wie Berlin in der Flüchtlingsfrage Solidarität von den Partnern einfordere, müssten sich auch die Verbündeten bei der Bekämpfung von terroristischen Islamisten auf Deutschland verlassen können. „Wenn unsere Luftwaffe angefordert wird, muss der Bundestag ein Mandat erteilen. Die Flüchtlingsströme zeigen doch, dass die Niederschlagung des islamistischen Terrors in unserem unmittelbaren Interesse liegt“, sagte Lambsdorff.

Bis Mitte September hat die von den USA angeführte Koalition mehr als 6800 Luftangriffe gegen Stellungen der Islamisten im Irak und Syrien geflogen. An Angriffen auf Ziele im Irak beteiligen sich auch die europäischen Partnerländer Großbritannien, Frankreich, Dänemark und die Niederlande. An den Bombenangriffen auf Ziele in Syrien sind nach US-Angaben bislang keine EU-Partner beteiligt. Allerdings hatte Frankreichs Führung zuletzt Aufklärungsflüge über IS-beherrschte Gebiete im Osten des Landes angeordnet, um auch dort Luftangriffe vorzubereiten.

Zeitung: BKA ermittelt gegen terrorverdächtigen Asylbewerber

2.30 Uhr: Das Bundeskriminalamt (BKA) ermittelt einem Zeitungsbericht zufolge gegen einen terrorverdächtigen Asylbewerber aus Syrien. Der in einer Unterkunft in Brandenburg lebende Mann soll vor einigen Wochen Mitbewohnern über seine Zeit als Kämpfer für die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) erzählt haben, wie die „Welt am Sonntag“ unter Berufung auf Sicherheitskreise berichtete.

In dem von anderen Flüchtlingen heimlich per Mobiltelefon gefilmten Gespräch habe der Syrer auch gesagt, dass er für den IS getötet habe. Die Aufnahmen seien der Auslöser für ein Ermittlungsverfahren des BKA im Auftrag der Bundesanwaltschaft gewesen, berichtete das Blatt weiter. Anhaltspunkte für eine systematische Einschleusung von Terroristen im Flüchtlingsstrom sieht das BKA nach Informationen der „Welt am Sonntag“ nicht. In den vergangenen Monaten sei die Behörde jedoch mehreren Hinweisen nachgegangen, wonach radikale Islamisten als Flüchtlinge nach Deutschland gelangt sein könnten.

Unter anderem seien Fotoaufnahmen angeblicher IS-Terroristen in Syrien und im Irak geprüft worden, die sich nun als Asylbewerber in Deutschland aufhalten sollen. Die Aufnahmen, die vor allem über soziale Netzwerke verbreitet wurden, stellten sich bislang als bewusste Fälschungen, Verunglimpfungen oder Verwechslungen heraus. Der Bundesnachrichtendienst (BND) hatte Mitte der Woche auf dpa-Anfrage erklärt, nach wie vor keine konkreten Hinweise darauf zu haben, dass IS-Kämpfer unter den in jüngster Zeit nach Deutschland gekommenen Flüchtlingen sind.

Bundesregierung kündigt Millionenhilfe für syrische Flüchtlinge an

2.00 Uhr: Vor dem EU-Sondergipfel zur Flüchtlingskrise hat die Bundesregierung eine Soforthilfe in Höhe von 20 Millionen Euro für notleidende Syrer angekündigt. „Damit können rund 500 000 syrische Flüchtlinge in der Region drei Monate lang mit Nahrungsmitteln versorgt werden. Ich hoffe, dass andere Staaten unserem Beispiel folgen“, sagte Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) der „Welt am Sonntag“. Das Geld gehe an das Welternährungsprogramm (WFP).

EU-Ratspräsident Donald Tusk hatte die Teilnehmer des für Mittwoch geplanten EU-Sondergipfels zu Spenden an das WFP aufgerufen. In dem am Freitagabend in Brüssel veröffentlichten Brief erinnerte Tusk daran, dass das WFP die Versorgung der Flüchtlinge mit Nahrungsmitteln bereits deutlich habe kürzen müssen. Elf Millionen Menschen in Syrien und den Nachbarländern müssten versorgt werden.

Müller erklärte, dass sein Ministerium derzeit mehr als eine Milliarde Euro für direkte Flüchtlingshilfe ausgebe. Die aktuellen Engpässe beim Welternährungsprogramm müssten behoben werden. „Dass den UN-Organisationen jetzt das Geld ausgeht,um die Nahrungsmittelversorgung vor Ort sicherzustellen,können wir nicht hinnehmen“, sagte der CSU-Politiker.