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Merkel soll Kroatien zu Ausreisestopp gedrängt haben

Die Kanzlerin soll dazu aufgefordert haben, Flüchtlinge von einer schnellen Weiterreise nach Westeuropa abzuhalten. Der News-Ticker.

Abendblatt.de hält Sie im News-Ticker zur Flüchtlingskrise auf dem Laufenden:

Zeitung: Merkel drängt Kroatien zu Ausreisestopp für Flüchtlinge

21:53 Uhr: Bundeskanzlerin Angela Merkel soll Kroatiens Regierung nach einem Medienbericht aufgefordert haben, Flüchtlinge von einer schnellen Weiterreise mit dem Ziel Westeuropa abzuhalten. Merkel habe von der Führung in Zagreb verlangt, die Flüchtlinge für eine gewisse Zeit im Land zu halten, berichtete die kroatische Zeitung „Jutarnji list“ am Sonnabend. Die Zeitung bezog sich dabei auf das Telefonat der CDU-Vorsitzenden mit dem kroatischen Regierungschef Zoran Milanovic vom Freitag. Milanovic habe Merkels angebliche Forderung mit dem Argument abgelehnt, Menschen könnten nicht gegen ihren Willen festgehalten werden.

Die Bundesregierung verwies am Abend auf Anfrage auf eine frühere Mitteilung. Darin hatte Regierungssprecher Steffen Seibert erklärt, dass Milanovic der Kanzlerin von den Anstrengungen Kroatiens berichtet habe, seinen Verpflichtungen vollständig nachzukommen und dabei eine menschenwürdige Behandlung aller Flüchtlinge zu gewährleisten. „Die Bundeskanzlerin und der Ministerpräsident stimmten überein, dass das Problem an den Außengrenzen der Europäischen Union gelöst werden müsse“, erklärte Seibert.

Über 4300 Flüchtlinge an einem Tag aus dem Mittelmeer gerettet

19:44 Uhr: Mehr als 4700 Flüchtlinge sind alleine am Sonnabend aus dem Mittelmeer gerettet worden. Beim größten von insgesamt 20 Rettungseinsätzen in den Gewässern vor Libyen wurden 1137 Menschen von zwei überfüllten Schiffen in Sicherheit gebracht, wie die italienische Küstenwache mitteilte. An der Operation, bei der auch eine Frauenleiche geborgen wurde, waren Schiffe von Hilfsorganisationen wie Ärzte ohne Grenzen sowie eine Fregatte der Bundeswehr beteiligt, die Hunderte der Flüchtlinge aufnahm. Die britische und kroatische Marine sowie ein Frachtschiff halfen ebenfalls mit.

Wie eine dpa-Reporterin an Bord der Bundeswehr-Fregatte „Schleswig-Holstein“ beobachtete, wurden in einem etwa dreistündigen Einsatz fast 400 Flüchtlinge von einem Holzboot an Bord geholt. Dies geschah etwa 35 Kilometer von der libyschen Küste entfernt. Anschließend wurden weitere Menschen von einem Schlauchboot gerettet. Die meisten der geretteten Menschen stammten aus dem Sudan und aus Eritrea.

Nach Krawallen Polizeischutz für Flüchtlingsunterkunft

17:19 Uhr: Pöbeleien und Gewalt: Nach rechten Protesten an zwei Abenden in Folge wird nun die Flüchtlingsunterkunft im sächsischen Bischofswerda besonders geschützt. Die Polizei bildete am Sonnabend einen Kontrollbereich um die Erstaufnahmeeinrichtung. Im Umkreis von etwa 100 Metern können damit Personen ohne zusätzlichen Grund überprüft, Platzverweise ausgesprochen und Aufenthaltsverbote erteilt werden. So solle „potenziellen Störern der Wind aus den Segeln genommen werden“, sagte Innenminister Markus Ulbig (CDU), der das Verhalten der Pöbler verurteilte. „Es ist beschämend, wie sich Einzelne gegenüber Schutzsuchenden benehmen.“ Die Anordnung gilt zunächst für gut zwei Wochen bis zum 5. Oktober.

Rechte Krawallmacher hatten Freitagabend - wie schon in der Nacht davor - vor der Halle demonstriert, so dass Busse mit Asylbewerbern nur unter Polizeischutz auf das Areal gelangten. Bis zu 100 teils alkoholisierte Rechte und Gaffer belagerten die Zufahrt, skandierten ausländerfeindliche Parolen und warfen eine Flasche gegen einen ankommenden Bus mit Asylbewerbern. Die Versammlung löste sich erst um Mitternacht auf, bis zum Morgen blieb es dann ruhig. Derzeit sind nach Angaben der Landesdirektion 410 Flüchtlinge in dem Gebäude untergebracht, das Kapazität für rund 500 hat. Die Polizei musste an beiden Abenden mit einem Großaufgebot die Lage vor der Unterkunft beruhigen. Es gab weder Verletzte noch Festnahmen. Es wird wegen Sachbeschädigung sowie gegen zwei 18 und 34 Jahre alte Männer ermittelt, die den Hitlergruß zeigten.

Deutsche Marine rettet fast 400 Flüchtlinge aus dem Mittelmeer

15:14 Uhr: Eine Fregatte der Bundeswehr hat fast 400 Flüchtlinge aus dem Mittelmeer gerettet. Das sagte Alexander Gottschalk, der Sprecher an Bord der Fregatte „Schleswig-Holstein“. Wie eine dpa-Reporterin vor Ort beobachtete, wurden in dem etwa dreistündigen Einsatz am Sonnabend Hunderte Flüchtlinge von einem Holzboot rund 35 Kilometer vor der libyschen Küste an Bord geholt. Anschließend seien weitere Menschen von einem Schlauchboot gerettet worden, sagte Gottschalk. Die meisten von ihnen stammten aus Sudan und Eritrea. Die Fregatte ist eins von zwei deutschen Schiffen, die sich seit Ende Juni an der EU-Mission zur Seenotrettung und Bekämpfung der Schleuserkriminalität im südlichen Mittelmeer beteiligen. Insgesamt haben die deutschen Schiffe seitdem 1980 Menschen gerettet. Zuvor hatte die Bundeswehr unter einem nationalen Mandat insgesamt 5673 Flüchtlinge gerettet.

Finnland beginnt mit Kontrollen an Grenze zu Schweden

13:37 Uhr: Finnland nimmt in Tornio im Norden des Landes an der Grenze zu Schweden Kontrollen auf. Asylbewerber können nun nicht mehr ohne Registrierung in Tornio weiterreisen, teilt das Innenministerium mit. An der Grenze demonstrieren nach einem Bericht des Senders YLE rund 100 Finnen gegen die Flüchtlinge und fordern auf Plakaten "Schließt die Grenzen!"

Kroatien schickt 8000 Flüchtlinge über die Grenze

13:17 Uhr: Kroatien schickt nach ungarischen Angaben immer weiter Flüchtlinge ins Nachbarland. Allein am Freitag seien 8000 Migranten aus Kroatien angekommen, sagt ein Sicherheitsberater der Regierung. Es gebe keine Anzeichen dafür, dass der Flüchtlingsstrom bald abebbt.

Bulgarische Polizei nimmt 137 Flüchtlinge fest

12:07 Uhr: Die bulgarische Polizei nimmt in der Hauptstadt Sofia bei einer Razzia in Hostels und kleinen Hotels 137 Flüchtlinge fest. Die am Vorabend Aufgegriffenen haben sich nach Angaben des Innenministeriums als Syrer ausgegeben. Bulgarien ist Mitglied der EU, gehört aber nicht zum Schengen-Raum, in dem Grenzkontrollen nicht vorgesehen sind. Zur Sicherung seiner 160 Kilometer langen Grenze zur Türkei baut das Land einen Zaun, verstärkt die technische Überwachung und beordert zusätzliche Polizisten und Soldaten an die Grenzanlagen.

Freitag knapp 2000 Flüchtlinge nach Deutschland eingereist

12:05 Uhr: In Deutschland sind am Freitag deutlich weniger Flüchtlinge angekommen als an den Vortagen. Insgesamt seien 1985 illegale Einreisen registriert worden, sagt ein Sprecher der Bundespolizei in Potsdam. Über die Entwicklung am Samstag macht der Sprecher keine Angaben und verweist darauf, dass zwei Sonderzüge aus Österreich mit Flüchtlingen angekündigt sind. An der deutsch-österreichischen Grenze bei Passau sind nach Polizeiangaben von Mitternacht bis 12.00 Uhr knapp 100 Flüchtlinge aufgegriffen worden.

Tschechien droht mit Klage gegen feste Flüchtlingsquoten

10:59 Uhr: Der tschechische Vizeregierungschef Pavel Belobradek droht mit einer Klage, falls die EU gegen den Willen seines Landes verpflichtende Flüchtlingsquoten beschließen sollte. „Es ist sehr schwierig, uns jemanden gegen unseren Willen aufzunötigen“, sagte der Christdemokrat (KDU-CSL) der Zeitung „Pravo“ (Samstag). Er gehe davon aus, dass sein Land in einem solchen Fall vor den Europäischen Gerichtshof ziehen würde. Belobradek wies den Vorwurf zurück, sein Land zeige sich nicht solidarisch genug. Tschechien habe angeboten, 1500 Flüchtlinge auf freiwilliger Basis aufzunehmen. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) hatte zuletzt mit einem Mehrheitsentscheid gegen den Willen der Quotengegner gedroht. In der EU sollen 120.000 Flüchtlinge auf die Mitgliedstaaten verteilt werden, einige Staaten sperren sich aber gegen feste Quoten.

800 Flüchtlinge in Düsseldorf eingetroffen

10:22 Uhr: In Düsseldorf sind in der Nacht zum Samstag zwei weitere Sonderzüge mit insgesamt etwa 800 Flüchtlingen eingetroffen. Wie ein Sprecher der Stadtverwaltung mitteilte, wurden sie von circa 200 haupt- und ehrenamtlichen Helfern in Empfang genommen. Anschließend wurde ein Teil von ihnen mit Bussen zu Unterkünften in Ennepetal, Monschau, Halva und Nordkirchen gebracht. Etwa 100 Menschen wurden in einer Düsseldorfer Messehalle einquartiert. Eine schwangere Frau und ein krankes Kind kamen ins Krankenhaus.

Flüchtlingszahl in Österreich steigt: 6700 über Nacht

10:00 Uhr: Durch die Weiterleitung von Flüchtlingen von Kroatien über Ungarn sind in Österreich über Nacht tausende Menschen angekommen. Bis Samstagmorgen zählte die Polizei 6700 Ankommende an den zwei wichtigsten Grenzübergängen im Burgenland, wie der österreichische Rundfunk ORF online berichtete. Die Behörden rechneten damit, dass im Lauf des Tages Tausende weitere Flüchtlinge eintreffen. In den vergangenen Tagen waren nur wenige Flüchtlinge nach Österreich gelangt. In Kroatien waren die Menschen am Freitag mit Bussen zur ungarischen Grenze gebracht worden. Ungarn transportierte sie per Bahn an die Grenze zu Österreich weiter. Die Menschen, die nun in Österreich ankamen, sollten am Vormittag von Nickelsdorf und Heiligenkreuz nach Wien weiterreisen, wie die Polizei erklärte.

Ungarn mobilisiert Reservisten

09:53 Uhr: Ungarn mobilisiert Reservisten der Armee, um der Flüchtlingssituation Herr zu werden. Dies berichtet die Nachrichtenagentur MTI.

Kerry: Flüchtlingssituation in Europa eine „humanitäre Katastrophe“

09:53 Uhr: US-Außenminister John Kerry hat die Situation der Flüchtlinge in Europa als „humanitäre Katastrophe“ bezeichnet. In einem Interview des britischen Senders Channel 4 räumte Kerry ein, die Aufnahme von 10 000 syrischen Flüchtlingen in den USA sei nicht genug. „Wir schauen uns andere Optionen an, es ist dringend“, sagte Kerry. Der US-Außenminister machte jedoch auch deutlich: „Man kann das nicht lösen, indem man einfach die Leute ins Land lässt.“ Es sei notwendig, die Wurzeln des Problems anzupacken. Die Beiträge einzelner Länder zur Lösung der Krise seien unterschiedlich. Kerry hält sich zu einem dreitägigen Besuch in London auf und wird am Sonntag in Berlin erwartet.

Slowenien zur Aufnahme von 10.000 Flüchtlingen bereit

09:37 Uhr: Slowenien kann seiner Botschafterin Marta Kos Marko zufolge bis zu 10.000 Flüchtlinge aufnehmen. „Wenn die Flüchtlinge bei uns Asyl beantragen, nehmen wir sie auf und schützen sie“, sagte sie der in Düsseldorf erscheinenden „Rheinischen Post“ (Samstagsausgabe). Ihr Land habe während des Krieges 1991 auch Solidarität erfahren. „Daher spüren wir eine moralischen Pflicht, den Flüchtlingen zu helfen“, betonte die Diplomatin. Bei einer höheren Flüchtlingszahl müsse ihr Land allerdings Europa um Hilfe bitten.

Am Freitag 2000 Flüchtlinge nach Bayern gekommen

09:12 Uhr: Die Bundespolizei hat am Freitag an der deutsch-österreichischen Grenze rund 2000 ankommende Flüchtlinge gezählt. Das waren rund 1700 Menschen weniger als am Donnerstag; bereits am Mittwoch war die Zahl der Migranten deutlich zurückgegangen. Zudem wurden am Freitag drei Schleuser festgenommen, wie ein Sprecher der Bundespolizei Rosenheim am Samstag sagte. Am Hauptbahnhof in München war es am Samstagmorgen ruhig. Für den Vormittag rechnete eine Sprecherin der Bundespolizei mit bis zu 150 ankommenden Flüchtlingen. Da zugleich zum Auftakt des Oktoberfestes zahlreiche auswärtige Besucher erwartet werden, wollen die Behörden die Züge mit Flüchtlingen um München herumleiten.

Ein Kind in der Ägäis ertrunken- mehrere Migranten werden vermisst

08:59 Uhr: Neue Flüchtlingstragödie in der Ägäis: Beim Kentern eines Bootes vor der Insel Lesbos ist ein fünfjähriges Kind ertrunken. Zwölf Migranten konnten aus den Fluten gerettet werden. Wie ein Sprecher der Küstenwache am Samstag im Fernsehen weiter mitteilte, sollen an Bord des Bootes insgesamt 26 Menschen gewesen sein. „Wir suchen nach den Vermissten“ sagte er. Die Ägäis ist eine der Routen, über die Tausende Migranten und Flüchtlinge nach Europa kommen. Immer wieder kommt es zu Unglücken. Vergangenen Sonntag waren bei einem ähnlichen Unglück 34 Migranten vor der Kleininsel Farmakonisi ums Leben gekommen.

Kroatien bringt Tausende Flüchtlinge nach Ungarn

08:37 Uhr: Kroatien hat am Freitag und in der Nacht zum Samstag Tausende Flüchtlinge zu ungarischen Grenzübergängen gebracht. Nach Angaben der Polizei vom Samstag trafen am Vortag 7852 Migranten in Ungarn ein, die meisten von ihnen aus Kroatien.Die Regierung in Budapest behauptet, die Aktion sei nicht abgesprochen gewesen. Der designierte Kabinettschef von Ministerpräsident Viktor Orban, Antal Rogan, kündigte an, Ungarn werde den Beitritt des EU-Nachbarn Kroatien zur Schengen-Zone blockieren. Die Flüchtlinge wurden mit Bussen zu den Grenzübergängen Letenye, Beremend und Gyekenyes gebracht. Ein Zug transportierte fast 1000 Flüchtlinge in den ungarischen Grenzbahnhof Magyarboly. Nach ungarischer Darstellung wurden 40 kroatische Polizisten, die den Zug begleiteten, entwaffnet. Der Zugführer sei festgenommen worden.Die ungarischen Behörden brachten die Flüchtlinge zu Lagern nahe der österreichischen Grenze. Dabei handelt es sich um offene Einrichtungen, so dass sich viele Migranten sofort auf den Weg in Richtung Österreich machten.

Deutsches Theater lässt Flüchtlinge übernachten

04:00 Uhr: Das Deutsche Theater Berlin will ab Montag Flüchtlinge bei sich einquartieren. In der Garderobe der Schauspieler sollen acht Menschen Platz finden, die abends an der überlasteten Registrierungsstelle Lageso in Moabit ankommen und eine Übernachtung brauchen, wie eine Sprecherin des Theaters der Deutschen Presse-Agentur sagte. „Da gibt es ganz viele Kollegen im Haus, die helfen wollen.“ Die Bühne will auch Deutschkurse organisieren und kooperiert mit einer Flüchtlingsunterkunft. Mitarbeiter aus der Maske bieten an, Haare zu schneiden. Die Ankleider erklärten sich bereit, Wäsche zu waschen. Auch das Maxim Gorki Theater ist auf vielfältige Weise aktiv. Zudem wird sich der 2. Berliner Herbstsalon - ein Kunstprojekt im Umfeld des Hauses - im November mit dem Thema Flucht beschäftigen. Das Berliner Ensemble sammelt für die Initiative „Moabit hilft“. Das Theater plant am 26. September eine Versteigerung mit Intendant Claus Peymann. Abends gibt es eine Benefizvorstellung.