Asiana Airlines

Schweigen im Cockpit führte zu Absturz in San Francisco

| Lesedauer: 3 Minuten

Für einen Piloten war es die erste Landung, der andere hatte seinen ersten Tag als Ausbilder. Der Crash der Boeing 777 in San Francisco hätte vermieden werden können.

San Francisco/Hamburg. Nach amerikanischen Medienberichten ist offenbar ein Kommunikationsproblem die Hauptursache für den Absturz der Boeing 777 der Asiana Airlines auf dem Flughafen von San Francisco. Wie die „Los Angeles Times“ berichtet, flog die Maschine offensichtlich zu langsam und zu tief. Außerdem war es der erste Anflug von Pilot Lee Hang-kook mit einer „Triple Seven“ auf den schwierig anzufliegenden Airport an der San Francisco Bay. Zudem funktionierte das automatisierte Landesystem nicht.

Deshalb, so die „L.A. Times“, hätten die Piloten von Asiana-Flug 214 einfach mehr miteinander reden müssen. Die Aufzeichnungen aus dem Cockpit belegten aber, dass Pilot Lee und der weitaus erfahrene Mann neben ihm keine Maßnhamen diskutierten. Luftfahrtexperten sagten der Zeitung, Geschwindigkeit und Flughöhe hätten die Piloten zum Eingreifen bewegen müssen, doch sie schwiegen.

Erst zwei Sekunden, bevor die Maschine eine Begrenzungsmauer streifte, redeten sie über einen Abbruch der Landung. Doch zum Gasgeben braucht eine Boeing 777 gut zehn Sekunden, bevor die Triebwerke richtig reagieren. Ein Durchstarten war zu dem Zeitpunkt also aussichtslos. Die Maschine krachte auf die Landebahn 28L.

Asiana Airlines erklärte, der Pilot habe eine Boeing 777 zuvor noch nie auf dem Flughafen in San Francisco gelandet. Er habe am Sonnabend versucht, sich mit der Maschine weiter vertraut zu machen. Bislang hatte er laut einer Sprecherin zwar schon fast 10.000 Flugstunden absolviert, aber erst 43 auf einer Maschine dieses Typs.

Auch der zweite Mann im Cockpit, der Ausbilder, war recht neu im Job. Lee Jung Min habe erst im vergangenen Monat sein Trainerdiplom erhalten, und der Flug nach San Francisco sei sein erster Einsatz als Ausbilder gewesen, sagte eine Sprecherin der südkoreanischen Fluggesellschaft Asiana in Seoul. „Das ist nichts unnormales. Jeder Ausbilder hat irgendwann seinen ersten Tag als Trainer.“

Eine offizielle Erklärung für das Unglück gibt es noch nicht. Die Piloten und die Crew von Flug 214 sollten zum Hergang des Unfalls Auskunft geben, teilte die Chefin der US-Verkehrssicherheitsbehörde NTSB, Deborah Hersman, in San Francisco mit. Sicher sei, so Hersman: Die Unglücksmaschine habe den Flughafen zu langsam und zu tief angeflogen. Statt mit empfohlenen 253 Stundenkilometern habe die Maschine mit einer Geschwindigkeit von nur 196 Stundenkilometern die Landebahn erreicht.

Bei der Katastrophe waren zwei 16-jährige Chinesinnen ums Leben gekommen, mehr als 300 Menschen überlebten. Die Leichen der Mädchen wurden außerhalb der Maschine auf der Landebahn gefunden. Die örtlichen Behörden gingen Hinweisen nach, dass eines der beiden Opfer möglicherweise von einem Rettungswagen überfahren wurde. Die sei eine „sehr ernste“ Angelegenheit, sagte Hersman. Die Gerichtsmediziner hätten ihre Untersuchungen noch nicht abgeschlossen, die Todesursache bleibe zunächst noch unklar.

Die Mädchen saßen im hinteren Teil des Flugzeugs, wo Passagiere die schwersten Verletzungen erlitten. Am Montag befanden sich nach Auskunft der Ärzte noch 27 Menschen im Krankenhaus, sieben davon in kritischem Zustand.

Die Maschine mit 307 Menschen an Bord war nach einem gut zehnstündigen Flug von Seoul ohne Vorwarnung auf der Landebahn des internationalen Airports der Westküstenmetropole aufgeschlagen. Sie brach teilweise auseinander und brannte größtenteils aus. Der Untersuchung zufolge gab es vor der Bruchlandung keinen Hilferuf über einen möglichen Notfall aus dem Cockpit. Beide Motoren seien funktionsfähig gewesen, teilte Hersman mit.

( (ryb/dpa/AFP) )

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Politik