San Francisco Airport

Boeing-Unglück: Technische Ursache ausgeschlossen

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Bei der Bruchlandung einer 777 der südkoreanischen Asiana Airlines sind zwei Menschen ums Leben gekommen, 181 wurden verletzt. Ein Fluggast wird vermisst. Obama betet für die Opfer.

San Francisco. Dramatische Szenen bei einer Bruchlandung in San Francisco: Eine Boeing 777 der südkoreanischen Asiana Airlines ist am Sonnabend beim Anflug auf den internationalen Flughafen der kalifornischen Metropole verunglückt, in Flammen aufgegangen und teilweise ausgebrannt. Mindestens zwei Menschen kamen ums Leben, sagte die städtische Feuerwehrchefin Joanne Hayes-White.

Einer der insgesamt 307 Passagiere und Crew-Mitglieder wird noch vermisst. Insgesamt seien 181 Menschen verletzt worden. 123 seien unverletzt ins Flughafengebäude gebracht worden, erklärte Dale Carnes von der Feuerwehr im Fernsehen. Bei den Todesopfern handelt es nach Angaben des südkoreanischen Verkehrsministeriums um zwei Frauen aus China.

Das San Francisco General Hospital (SFGH) hatte nach eigenen Angaben mindestens zehn Schwerverletzte in Behandlung. Unter ihnen seien auch zwei Kinder, teilte das SFGH im Online-Kurznachrichtendienst Twitter weiter mit.

An Bord des Unglücksfliegers waren laut Feuerwehr 291 Passagiere. Unter ihnen waren 77 Koreaner, 141 Chinesen, 61 US-Bürger und ein Japaner, wie Asiana Airlines mitteilte. Die Maschine mit der Flugnummer 214 war in Shanghai gestartet und in Seoul zwischengelandet.

FBI schließt Terroranschlag aus

Die Bilder von der Unglücksstelle waren erschreckend. Die Maschine lag mit aufgerissener und verbrannter Kabinendecke auf dem Rollfeld, das Heck des Flugzeugs war abgebrochen. Trümmerteile waren weit über die Landebahn 28L verstreut. Auf der linken Seite waren zwei Notrutschen zu sehen, über die sich die meisten Passagiere aus dem brennenden Wrack retten konnten.

Das auf dem Bauch liegende, teilweise ausgebrannte Flugzeug war umgeben von mindestens sechs Löschfahrzeugen. Aufnahmen aus der Luft zeigten, dass nahezu das gesamte Dach und der Passagierbereich von den Flammen zerstört waren. Das Feuer konnte gelöscht werden.

Das Unglück ist vermutlich nicht auf einen technischen Fehler zurückzuführen. Die Boeing 777 habe nach den bisherigen Erkenntnissen keine technischen Probleme gehabt, sagte der Chef der Asiana Airlines, Yoon Young Doo, am Sonntag vor Journalisten in Seoul.

Während des Unglücks herrschten gute Wetterverhältnisse. Die Sonne schien und der Wind war nicht stark. Nach Angaben des Asiana-Chefs hatten die beiden Piloten keinen Notruf abgesetzt. Beide hätten 10.000 beziehungsweise 9.000 Stunden Flugerfahrung. „Unsere Piloten halten sich strikt an die Flugregeln“, betonte Yoon.

Die US-Transportsicherheitsbehörde NTSB schickte Experten nach San Francisco, die unmittelbar mit der Ursachensuche begannen. Auf die Frage, ob es sich um einen Pilotenfehler handeln könne, sagte Behördenchefin Debbie Hersman, derzeit sei „alles auf dem Tisch“. Erst müssten die Fakten gesammelt werden, bevor Schlüsse gezogen werden könnten. FBI-Agent David Johnson sagte, derzeit deute nichts auf einen Terrorangriff hin.

Unglück als Bruchlandung eingestuft

Die Flugaufsichtsbehörde FAA stufte den Vorfall offiziell als Bruchlandung ein. Augenzeugen berichteten im Fernsehen, dass es bei dem Aufsetzen einen Knall oder eine Explosion am Fahrwerk gegeben habe. Weißer Rauch sei zu sehen gewesen, dann habe sich das Flugzeug mehrfach gedreht.

Die Flughafenfeuerwehr löschte die Brände mit Schaum und Wasser. Im Internet kursierende Fotos zeigten Menschen, die von dem Jumbojet wegrennen. Manche Beobachter sagten hinterher, das Flugzeug sei zu tief angeflogen, so dass das Fahrwerk gegen eine Mauer geprallt sei.

Der Flughafen wurde zunächst geschlossen, etwa später wurden zwei der vier Lande- und Startbahnen wieder in Betrieb genommen. Ankommende Flüge wurden auf andere Ziele an der Westküste umgeleitet.

Auch die nahegelegenen Autobahnen wurden vorübergehend gesperrt. Nach dem Nationalfeiertag am vergangenen Donnerstag und wegen der Schulferien gehört das Wochenende zu den geschäftigsten Reisetagen.

US-Präsident Barack Obama sandte den Angehörigen der Opfer seine „Gedanken und Gebete“, wie das Weiße Haus mitteilte. Außerdem dankte Obama den Ersthelfern für ihre schnelles Eingreifen.

Dramatische Schilderungen Überlebender

Ein Überlebender berichtete, der Pilot habe kurz vor der Landung noch einmal Gas gegeben. „Aber wir haben den Boden berührt und das Heck ist abgerissen, es gab einen gewaltigen Ruck“, sagte Elliott Stone auf CNN.

Das Flugzeug sei mindestens 300 Meter weit geschlittert, dann habe es Feuer gefangen. Er fürchte um das Leben der Crew, die hinten gesessen habe, sagte Stone weiter. „Sie sind alle herausgefallen, es war das Schlimmste, was ich je gesehen habe.“

Ein Manager, der nach eigenen Angaben an Bord des Flugzeugs war, berichtete via Twitter von dem Unglück. „Ich bin gerade in SFO bruchgelandet. Heck abgerissen. Den meisten scheint es gut zu gehen. Mir geht's gut. Surreal...“.

Zu einem Foto der verunglückten Maschine schrieb David Eun: „Feuerwehrleute und Retter überall. Sie holen die Verletzten raus. Habe mich nicht so gefühlt seit 9/11.“ Das bezieht sich auf die Anschläge vom 11. September 2001.

Benjamin Levy, der ebenfalls zu den Überlebenden gehört, berichtete dem Sender NBC, die Maschine sei wohl zu niedrig über dem Wasser geflogen. „Ich kenne den Flughafen ziemlich gut, also habe ich gemerkt, dass der Typ ein wenig zu flach war und zu schnell.“

Der Pilot habe deswegen versucht, noch an Höhe zu gewinnen. „Aber es war zu spät und wir setzten sehr hart auf der Landebahn auf, und dann sind wir wieder nach oben in die Luft gegangen und wieder gelandet, ziemlich hart.“

Die Passagierin Chun Ki Wan sagte dem Fernsehsender YTN in Seoul, sie habe mehrere blutende Mitreisende gesehen, die in einen Krankenwagen gebracht worden waren.

Flugzeutyp gilt als sehr sicher

Die Boeing 777 ist eines der meistgenutzten Langstreckenflugzeuge der Welt. Die Maschine wird häufig für Interkontinentalflüge genutzt, da sie zwölf Stunden oder mehr am Stück zurücklegen kann.

Asiana ist nach Korean Air die zweitgrößte Fluggesellschaft Südkoreas und Mitglied der Star Alliance, in der auch die Lufthansa ist. Sie fliegt besonders an der Westküste der USA viele Ziele an.

Asiana operiert mit zwölf Boeing 777-200, die jeweils ungefähr 300 Passagiere aufnehmen können. Sowohl der Flugzeugtyp als auch die Airline gelten bei Luftfahrtexperten als sehr sicher. Dem Nachrichtensender CNN zufolge wurde die betroffene Maschine 2006 ausgeliefert, war also noch relativ jung.

( (dpa/afp/rtr) )