Griechenland-Krise

Steinbrück: Währungsunion muss neu konstruiert werden

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Peer Steinbrück sagt: Deutschland profitiert von der weiteren Integration Europas. In Griechenland bekräftigt Papandreou seinen Sparwillen.

Berlin. Der SPD-Politiker Peer Steinbrück fordert eine Neukonstruktion der Währungsunion. Dass kein Land für die Schulden eines anderen eintreten müsse, sei ein Irrtum gewesen, "der an den Realitäten der Krise zerschellte", sagte der ehemalige Bundesfinanzminister dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel". Man müsse den Menschen erklären, dass Deutschland politisch, ökonomisch und gesellschaftlich von der weiteren Integration Europas profitiere. "Das bedeutet: Natürlich müssen die Deutschen zahlen." Aber das Geld sei gut investiert "in unsere und die Zukunft Europas, in Frieden und Wohlstand".

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) stellt sich derweil einem Medienbericht zufolge auf eine Insolvenz Griechenlands ein. Beamte des Ministeriums spielten sämtliche Szenarien durch, die sich im Falle eines Zahlungsausfalls des Landes ergeben könnten, berichtete der "Spiegel". Danach gebe es grundsätzlich zwei Varianten einer Griechenland-Pleite: In der ersten bleibt das Land in der Währungsunion, in der zweiten gibt es den Euro als Zahlungsmittel auf und führt die Landeswährung Drachme wieder ein.

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Laut einer Emnid-Umfrage fordert eine Mehrheit der Deutschen, Griechenland bei unzureichenden Sparanstrengungen pleitegehen zu lassen. Danach sprechen sich 53 Prozent der Befragten dafür aus, dass Deutschland keine weiteren Finanzhilfen für Griechenland bereitstellen und das überschuldete Land bankrott gehen lassen soll, wenn Griechenland seine Sparauflagen nicht erfüllt. 43 Prozent der Bundesbürger plädieren für weitere Finanzhilfen aus Deutschland, um eine Pleite Griechenlands abzuwenden. Emnid befragte am 8. September 503 Personen.

Griechenland wird nach Aussage von Ministerpräsident Giorgos Papandreou trotz der Rezession seine ehrgeizigen Sparziele für dieses Jahr einhalten. Er werde entscheidende Reformen vorantreiben und das schuldengeplagte Land vor dem Bankrott retten, sagte Papandreou in einer Rede zur Wirtschaftslage am Sonnabend in Saloniki zu. Vor seiner Ansprache hatten sich Demonstranten und Polizisten in der Hafenstadt gewaltsame Zusammenstöße geliefert, mindestens zwei Menschen wurden verletzt. Gegen die Sparpolitik der Regierung gingen mehr als 25.000 Menschen auf die Straße.

( abendblatt.de/ap/dapd )