Nach Unglück in Fukushima

Abhängigkeit beenden: Japan plant den Atomausstieg

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Es ist jedoch unklar, ob der Ministerpräsident Naoto Kan die Energiewende einleitet. Warnung vor höherem CO2-Ausstoß und Preisanstieg.

Tokio. Auch in Japan setzt ein Umdenken ein: Als Konsequenz aus der Reaktorkatastrophe von Fukushima strebt der japanische Ministerpräsident Naoto Kan langfristig den Ausstieg aus der Atomenergie an. Wegen der großen Gefahren könne die Kerntechnik nicht mit konventionellen Maßnahmen allein kontrolliert werden, sagte Kan am Mittwoch. „Ich glaube, wir sollten nach einer Gesellschaft streben, die nicht von Atomenergie abhängig ist.“ Noch sei es zu früh, einen Zeitplan für das Ziel eines kernenergiefreien Landes zu setzen. Es handele sich aber um einen schrittweisen Prozess. Das in der japanischen Geschichte schwerste Erdbeben und ein dadurch ausgelöster Tsunami hatten im März die Katastrophe in dem von Tepco betriebenen AKW Fukushima verursacht.

Fraglich ist jedoch, ob Kan seinen überraschenden Schwenk auch nur in Ansätzen verwirklichen kann. Der unpopuläre Regierungschef hat seinen Rücktritt angekündigt, einen Termin aber offen gelassen. Vor der Naturkatastrophe vom 11. März hatten die 54 Atomkraftwerke rund 30 Prozent der japanischen Energiemenge produziert. Derzeit sind 35 AKW vom Netz, der Anteil des Atomstroms lag im Juni nur noch bei 18 Prozent, so dass die drittgrößte Volkswirtschaft unter Stromausfällen leidet.

Kan zeigte sich zuversichtlich, dass die japanische Wirtschaft den Energiemangel meistern wird. Die Lücke könne durch Energieeinsparungen und dezentrale Kraftwerke von Unternehmen geschlossen werden.

Befürworter der Atomenergie warnten als Folge des Ausstiegs vor Risiken für Umwelt und Preise. Es drohe der verstärkte Einsatz von klimaschädlichen fossilen Brennstoffen. Zudem müssten sich Wirtschaft und Verbraucher auf höhere Preise gefasst machen.

Vom Tsunami zerstörtes AKW Fukushima wurde tiefer gelegt

Beim Bau des Atomkraftwerks Fukushima-Daiichi in den 1960er Jahren hat die Betreiberfirma Tepco offenbar rund 25 Meter der Steilküste abtragen lassen. Erst damit sei das Kraftwerk dem Tsunami ausgesetzt gewesen, der die Anlage so schwer zerstörte, berichtet die Zeitung „The Japan Times“ am Mittwoch. "Wenn ich mir die Lage jetzt ansehe, meine ich, dass es falsch war, so viel vom Hügel abzutragen“, wird ein ehemaliger Tepco-Angestellter zitiert. Das Gelände sei planiert worden, um die Betriebskosten für die Pumpen niedrig zu halten, die das Kühlwasser in die Reaktoren befördern, schreibt die Zeitung. Das Atomkraftwerk wurde am 11. März von rund 14 Meter hohen Tsunami-Wellen schwer zerstört.

(rtr/abendblatt.de)