Agenten-Prozess

Soldat soll für russischen Geheimdienst spioniert haben

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Anklage: Der Mann hat Hubschrauberpläne von EADS weitergegeben. Harald Alois S. hatte eine Vorliebe für Lamborghini und Porsche.

München. Er soll im Auftrag des russischen Geheimdienstes SVR in einer bayerischen Firma spioniert und geheime Daten über Hubschraubertechnik verkauft haben: Wegen des Verdachts der geheimdienstlichen Agententätigkeit steht der österreichische Berufssoldat Harald Alois S. seit Montag vor dem Oberlandesgericht München (OLG). Zu den Vorwürfen äußerte er sich zum Prozessauftakt nicht. Über seinen Verteidiger ließ er mitteilen, dass er zur Sache keine Angaben machen wolle. Die Bundesanwaltschaft wirft dem 54-Jährigen vor, von 1997 bis 2002 technische Gegenstände, Unterlagen und Wissen über zivile und militärische Hubschraubertechnik an den SVR weitergegeben zu haben. Für die Beschaffung der Informationen soll der Mann mindestens 10.500 US-Dollar Agentenlohn erhalten haben.

Der Mechaniker des österreichischen Bundesheeres soll unter anderem Wartungs- und Flughandbücher verschiedener Hubschraubertypen in seinen Besitz gebracht und teilweise an einen Verbindungsmann des SVR übergeben haben. Der Bundesanwaltschaft zufolge nahm S. deshalb während einer Werksführung bei einem Hubschrauberhersteller in Ottobrunn bei München Kontakt zu einem Ingenieur auf. Über den Mitarbeiter soll er das Material beschafft haben. Zudem sollen beide zweimal zur Übergabe von Informationen in Moskau gewesen sein. Ein zweiter Ingenieur, zu dem S. ebenfalls Kontakt aufgenommen hatte, habe die Beschaffung von Informationen abgelehnt, heißt es in der Anklage.

In diesem Zusammenhang war bereits im Sommer 2008 ein ehemaliger EADS-Ingenieur zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Damals war von einer Vorstufe zum Verrat militärischer Geheimnisse die Rede gewesen. Harald Alois S. sagte am ersten Verhandlungstag vor dem Staatsschutzsenat des OLG nur zu seinem Lebenslauf aus. Der Angeklagte erklärte, dass er nebenberuflich für Firmen Flugzeuge verkauft habe. Zudem habe er einen Pilotenschein, sei jedoch nur Flugzeuge und keine Hubschrauber geflogen. S. sagte auch, dass er in den vergangenen Jahren mehrere teure Autos gefahren habe, unter anderem einen Lamborghini und einen Porsche. Von seinen Eltern will er nach eigenen Angaben 500.000 Schilling erhalten haben, mit denen er zum Teil auch die Autos finanziert habe. S. sagte weiter, dass er „Schulden am Haus“ in Höhe von rund 230.000 Euro habe. Der Prozess wird am Dienstag (15. Februar) fortgesetzt. Mit einem Urteil ist voraussichtlich Mitte März zu rechnen.