Folge des Missbrauchsskandals

Ein Viertel der Katholiken denkt an Kirchenaustritt

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Der Missbrauchsskandal hat der katholischen Kirche massiv geschadet. Viele Katholiken erwägen auszutreten. Sie sehen vor allem den Zölibat kritisch.

Berlin. Nach dem Bekanntwerden zahlreicher Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche hat fast ein Viertel aller deutschen Katholiken in den vergangenen Wochen bereits einmal an einen Kirchenaustritt gedacht. Wie eine am Freitag veröffentlichte Forsa-Umfrage im Auftrag der „Bild“-Zeitung ergab, sieht die Hälfte der Katholiken in Deutschland einen Zusammenhang zwischen dem Gebot sexueller Enthaltsamkeit für Priester und den Fällen sexuellen Missbrauchs. 81 Prozent sprechen sich dafür aus, den Zölibat abzuschaffen.

Der Umfrage zufolge haben in jüngster Zeit 23 Prozent der Katholiken erwogen, ihrer Kirche den Rücken zu kehren. 66 Prozent der Befragten vertreten die Ansicht, dass Missbrauchsfälle in ihrer Kirche genauso häufig oder sogar seltener vorkommen als in anderen Bereichen der Gesellschaft. Allerdings glauben zwei Drittel (64 Prozent), dass die jüngsten Fälle das Ansehen der Kirche dauerhaft beschädigen.

Die Reaktion der Kirche auf die Missbrauchsfälle sehen die Befragten mehrheitlich kritisch. 77 Prozent haben den Eindruck, dass die katholische Kirche versuche, manches zu vertuschen. 16 Prozent meinen, die bisher bekannt gewordenen Missbrauchsfälle würden von der Kirche offen und vorbehaltlos aufgeklärt. Allerdings ist die große Mehrheit der Katholiken in Deutschland (87 Prozent) nicht der Meinung, dass Papst Benedikt XVI. wegen der Missbrauchsfälle zurücktreten soll.