Vor 150 Jahren

Von Weinfässern, Wohnungen mit Stall bis zu warmen Füßen

Anzeigen vor 150 Jahren aus der Allgemeinen Lauenburgischen Landeszeitung – oft witzig, manchmal erschütternd, aber immer lesenswert.

Lauenburg. Was wäre eine Zeitung ohne Anzeigen. In jedem Fall ärmer. Anzeigen bringen Geld in die Kasse und bieten den Lesern viele Informationen. Und die Annoncen aus den Anfängen der Allgemeinen Lauenburgischen Landeszeitung von 1870 haben zudem für uns einen hübschen Unterhaltungswert. Vor 150 Jahren waren die meisten Anzeigen in der Tageszeitung noch völlig anders aufgemacht als heute. Dominiert heute das Bild, so war damals der Text ausschlaggebend. Nur hin und wieder wurden Zeichnungen eingefügt, etwa eine Taschenuhr, wenn der Uhrmacher Hartling aus Lauenburg für sein „Uhren-Lager“ warb.

Aufgemacht wie ein redaktioneller Bericht ist die einspaltige „Schulanzeige“ eines Franz Richelmann aus Schwarzenbek am 30. September 1870: „Die hier seit mehreren Jahren bestehende, vom Königlich, Herzoglichen Consistorio zu Ratzeburg confessionierte Privatschule hat die Aufgabe, den Zöglingen eine allgemeine höhere Bildung zu geben, welche dieselben befähigt, in irgend eine Fachlehre etc. einzutreten und erforderlichenfalls auch das Examen für den einjährigen freiwilligen Militärdienst machen zu können. Mit der Schule ist ein Pensionat für Knaben verbunden, in welchem zu Michaelis des Jahres noch ein bis zwei Knaben Aufnahme finden können. Diese Pensionäire stehen unter fortwährender Aufsicht und befinden sich in stetigem Umgange mit den Lehrern der Anstalt, sowie sie auch ihre Arbeiten stets unter Aufsicht eines Lehrers anzufertigen haben. Prospekte stehen gerne zur Verfügung.“

Von Weinfässern und Heringstonnen

Eine Eigenwerbung von Rudolf Dominé schwappt fast über, so viele Schrifttypen und Gestaltungselemente vereinen sich darin. Fast jede Zeile ist in anderer Art gestaltet, was den Inhalt der Anzeige unterstreichen soll. Unweit der Eigenanzeige werden Dinge angepriesen, die heute vielleicht auch wieder nostalgische Abnehmer finden würden: „Diverse leere Wein-Orhofte mit eisernen Bändern hat billig zu verkaufen J.F.C Meyer in Lauenburg.“ Das Wort „Orhoft“ stammt aus dem Holländischen und beschreibt eine Verpackung. In diesem Fall wohl Fässer. „Leere Heringstonnen, pro Stück 5 Groschen“ bietet dagegen W. Schröder aus Lauenburg an, ein andermal „Einen Posten Heringsabfall (guter Dünger)“

Stellenanzeigen lesen sich 1870 so: „Ein ordentlicher Knabe, welcher im Deutschen etwas bewandert ist und Lust hat, Schriftsetzer zu werden, kann als Lehrling eintreten in die Buchdruckerei von Rudolf Dominé in Lauenburg a.d.E.“ . Das weibliche Geschlecht sucht ausführlicher und recht unterwürfig selbst Arbeit: „Ein junges, gebildetes Mädchen, welches ein Jahr in einem Pfarrhause die Wirtschaft erlernt hat, wünscht eine Stelle, am liebsten in der Stadt anzunehmen, wo es der Hausfrau hülfreich zur Hand gehen kann. Auch ist dasselbe erbötig, Kindern von 6-7 Jahren Unterricht zu erteilen. Gehalt wird weniger beansprucht, wenn nur liebevolle Aufnahme. Offerten unter T.S.6 poste restante Güstrow. “ Und schließlich gibt es auch Immobilienanzeigen wie diese: „Zu Ostern ist eine Wohnung mit Keller und Stall zu vermieten. Näheres bei N. Hartten in Lauenburg.“

Wer vermisst die Hühnerhündin und zu wem gehört „1 Tochter“?

Eine winzige Zeichnung eines Hundes ziert folgende Anzeige: „Anfang September hat sich auf dem Hof Groß-Zecher bei Zarrentin eine schwarze kurzhaarige Hühnerhündin mit weißer Brust und weißen Flecken auf den Zehen des linken Vorderfußes angefunden, die noch immer nicht vom Eigentümer reclamirt ist.“

Familiennachrichten sind von teilweise erschütternder Kürze. So wird untereinander abgehakt: „Geboren: 15. Okt.: Töpfermeister Lamp’l 1 Sohn. Schuhmachermeister Lübke 1 Tochter. Schiffm. Jungmann 1 Sohn. Kopulirt: 16. Okt.: Sattler Carl Friedr. Peter aus Artlenburg mit Jgfr. Aug. Louise Marg. Knölcke. Gestorben. 14. Okt.: Herr Heinr. Thorn aus Bälau bei Mölln (im Lazareth zu Wunstorf, gest. an seiner bei Beaumont erhaltenen Wunde). 15. Oktober: Herrn A. Hennings in Mannhagen bei Mölln Tochter Bertha, 6 Jahre alt.“

„Wer drei Taler nicht hat, der gibt eben zwei“

Eine kuriose Anzeige findet sich mit der Überschrift „Elektrische Apparate“. Nicht nur, dass sich der Händler selbst Zeile um Zeile im Preis herunterhandelt. Zudem wird kaum deutlich, was es denn genau für Apparate sind, die er da anbieten will: „In diesen Tagen sind Plakate in jedes Dorfe im Herzogthum Lauenburg an die Ortsvorsteher abgesandt worden, mit der Bitte, dieselben im Orte verbreiten zu lassen; in den Städten wird ein Plakat in jedes Haus gebracht. Tausende von Kranken verschiedener Länder sind durch diese Apparate geheilt worden. Wie bekannt, kosten diese elektrischen Apparate 5 Thlr. Preußisch, doch um dieselben in Lübeck und Lauenburg einführen zu können, bin ich bereit, sie dieses mal für 3 Thlr. zu verkaufen, ja selbst an solche Leute, welche behaupten, daß ihre Verhältnisse eine Ausgabe von 3 Thlr. nicht gut erlauben, für 2 Thlr. abzugeben. Bei späterem Bezug von mir sind sie nur für 5 Thlr. 10 Sgr. zu haben. Alle meine Apparate bestehen jetzt aus 34 Gliedern. Elektropator Beyer.“

Unsere bisherigen Podcast-Folgen „Vor 150 Jahren“:

Die Allgemeine Lauenburgische Landeszeitung ist schon einige Wochen auf dem Markt, da inserieren endlich auch Händler aus Hamburg. Unter der Überschrift „Vorsicht ist die Mutter der Weisheit!!!“ heißt es da: „Haben Sie Appetit, Schlaf, warme Füße? sind die ersten Fragen des Arztes beim Patienten. Ja, warme Füße! O Inbegriff des Wohlbehagens! Wie wenig wird für euch gethan und doch sind warme Füße zum Wohlbefinden wie zur Gesundheit unerläßlich. Jeder, der Hamburg besucht, kann sich solche beschaffen durch die Hammer’schen Tuchschuhe, Hamburg, Alter Steinweg, Platz 48, erstes Haus parterre.“

„Glück von Dauer mit Leopold Bauer“

Auch das Glücksspiel erobert sich seinen Platz auf der Anzeigen-Seite. So heißt es regelmäßig: „Wo ist das Glück von Dauer? Bei Leopold Bauer! Im Folgenden preist dann der sogenannte Haupt-Collecteur Leopold Bauer der Braunschweiger Lotterie „ganze und halbe Original-Kauflose“ an, sogar Viertel- und Achtel-Lose der Hamburger 7. Hauptklasse seien noch zu haben.

Etwas Besonderes schließlich ist auch diese Anzeige: Nur einen Satz kurz, lässt sie eine lange Vorgeschichte vermuten und zudem tief blicken. Überschrieben mit dem Wort „Warnung“ steht da dieser Zweizeiler: „Für etwaige von meinem Sohn August gemachte Schulden hafte ich nicht. Schiffer Frank Ackermann.“

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