Entscheider treffen Haider

Peter Maffay: „Ich bin ein durchschnittlicher Sänger“

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Peter Maffay ist zu Gast im Abendblatt-Podcast "Entscheider treffen Haider".

Peter Maffay ist zu Gast im Abendblatt-Podcast "Entscheider treffen Haider".

Foto: Mark Sandten

Im Podcast "Entscheider treffen Haider" spricht Peter Maffay über Verantwortung, Fridays for Future und sein Verhältnis zu Gott.

Hamburg. Peter Maffay fordert in der neuen Folge von „Entscheider treffen Haider“ Musiker, Schriftsteller, Schauspieler und andere Künstler auf, sich zu positionieren und auch politisch die „Funktion von Leuchttürmen“ in unserer Gesellschaft zu übernehmen.

Und er geht mit gutem Beispiel voran: Maffay spricht darüber, dass man nie zu alt ist, seine Leben und Verhalten zu ändern. Es geht um Fridays for Future und seine Verantwortung als Prominenter/Vater genauso wie um seine Liebe zur Natur.

Das sagt Peter Maffay über ...

… die Verantwortung, sich als bekannte Persönlichkeit einzumischen:

„Es gibt eine Reihe von Berufen, die die Möglichkeit bieten, Leute anzusprechen, Mehrheiten zu bilden und Bewusstsein zu vertiefen. Der Beruf des Musikers ist so ein Beruf, und deshalb tut man gut daran, ihn für mehr zu benutzen, als nur Lieder zu singen. Ich glaube, die Lösungen für die großen Fragen unserer Zeit werden aus der Mitte der Gesellschaft kommen. Künstler, egal ob Maler, Bildhauer, Schriftsteller, Schauspieler, auch Journalisten und alle, die die Möglichkeit haben, Informationen und Standpunkte zu multiplizieren, sind aufgefordert, sich zu positionieren. Den Botschaften der meisten Politiker fehlt es an Klarheit, ihrem Handeln an Glaubwürdigkeit und Konsequenz.“

… seine Verantwortung als Vater:

„Ich habe eine Tochter, die ist gerade ein Jahr alt, und ich bin 70 geworden. Das ermahnt einen, keine Zeit zu vergeuden. Wir haben ein Album produziert, das „Jetzt“ heißt. Auch das impliziert, dass wir immer kleinere Zeitfenster für die Lösungen unserer globalen Probleme haben. Wir sind gefordert, jetzt und nicht erst morgen oder übermorgen zu handeln. Nichts ist mir wichtiger, als meine Kinder Anouk und Yaris in eine sichere, lebenswerte Zukunft zu entlassen, so wie alle Mütter und Väter auf der ganzen Welt es sich für ihre Kinder wünschen. Was wir erleben, ist, dass sich Kinder in der Klimafrage in einer Vehemenz äußern, wie wir sie noch nie gehabt haben. Mein Sohn ist 16 Jahre alt und beschäftigt sich mit seinen Kumpels ausführlich mit der Klimakrise. Und da kommen dann auch Statements rüber, die so klar sind, dass sie einen aufschrecken. Wer irgendwann mal behauptet hat, dass die junge Generation nicht interessiert ist an Politik, hat sich schwer geirrt.“

… radikale Änderungen des Lebensstils:

„Ich habe früher enorm viel geraucht, mindestens ein bis zwei Schachteln pro Tag. Ich habe jahrelang ziemlich viel getrunken, irgendwann war das erschreckend. Und ich wäre da nicht rausgekommen, wenn es nicht einen ärztlichen Befund gegeben hätte, der dramatisch war. Es gab den Verdacht, dass ich Lungenkrebs habe. Und ich habe mir damals vorgenommen: Wenn ich aus dieser Nummer rauskomme, dann lasse ich es einfach bleiben mit dem Rauchen. Der Verdacht stellte sich glücklicherweise als Irrtum heraus, aber das Herz war in der Hose und die Zigaretten waren kein Thema mehr.“

… seine Liebe zur Natur:

„Wenn man in der Nachbarschaft zur Natur lebt, fängt man an, den Rhythmus, den die Natur hat, zu verinnerlichen. Dadurch wird man etwas ausbalancierter. Denken Sie nur an die Hühner: Die lassen sich nicht betrügen. Wenn Sie im Dezember um sieben Uhr zu den Hühnern gehen, weil es eben sieben Uhr ist, und die Eier abholen wollen, werden sie enttäuscht sein: Denn die Hühner haben die Eier noch nicht gelegt, die warten, bis es hell wird. Ich glaube, dass ein Landwirt viel seltener morgens einen Wecker braucht als jemand, der in der Stadt lebt.“

… seine Musiker, mit denen er in der Regel keine schriftlichen Verträge hat:

„Unser Inner Circle pfeift auf Verträge. Meine Rasselbande sagt: Was nutzt ein guter Vertrag, wenn unser Verhältnis nicht stimmt, wie soll man da Musik machen? Der beste Vertrag, den man abschließen kann, ist Vertrauen. Wenn das da ist, braucht man nichts anderes.“

… die Kirche und den Glauben:

„Mir fehlt die Transparenz, was die Kirche mit ihren Steuern wirklich genau anfängt. Das ist ein Aspekt von vielen anderen, warum ich vor fast 50 Jahren aus der Kirche ausgetreten bin. Trotzdem habe ich im Laufe der Zeit zum Glauben zurückgefunden. Ich stelle immer wieder fest, dass man an eine Grenze kommt, an der jeglicher Dialog mit Menschen aufhört zu funktionieren. Mit Gott ist ein Dialog noch möglich, wenn alles andere nicht mehr funktioniert. Mein Freund Johannes Oerding hat zu dem Thema übrigens einen wunderbaren Text geschrieben, in dem es heißt: „Egal, was du auch bist, wichtig ist nur, dass es dich für mich gibt.“ That’s it. Mein Sohn ist übrigens getauft und meine Tochter wird auch getauft werden. Das ist eine Entscheidung, die haben wir vorweggenommen. Alles andere müssen die beiden im Laufe ihres Lebens selbst entscheiden.“

… das Leben als eine Reihe ständiger Neuanfänge:

„Veränderungen habe ich immer als Bewegung wahrgenommen. Und Bewegung ist nötig, weil wir sonst in unserer Entwicklung im wahrsten Sinne des Wortes stehen bleiben. Wir sind 1963 aus Rumänien ausgewandert in eine Zukunft, von der wir keine Ahnung hatten, wie sie aussehen würde. Doch das habe ich nicht als negativ oder bedrohlich empfunden. Der Aufbruch hatte etwas unheimlich Positives. Und das ist immer so geblieben. Als meine Freundin und ich uns überlegt haben, ob ich mit 70 noch einmal Vater werden kann, haben wir gesagt: Ja, das geht. Das ist ein Aufbruch. So will ich weiterleben, dass es immer wieder Neuanfänge und Aufbrüche gibt. Um sein Leben zu ändern, ist man nie zu alt. Dafür gibt es viele Beispiele, denken Sie nur an meinen Freund Udo Lindenberg: Seine Neugierde hält ihn jung.“

… seine Impulsivität:

„Ich bin leider überhaupt nicht ausgeglichen. Ich bin es manchmal, und wenn ich dieses Manchmal wiederholen kann und die Abstände von Phasen, in denen ich ausgeglichen bin, kürzer werden, bin ich schon sehr zufrieden. Ich kann sehr impulsiv sein, und ich finde auch, dass es dieses Ventil geben muss. Aufgestaute Emotionen, die sich nicht entladen können, sind ungesund. Und ich wäre nicht Musiker, wenn ich ein geduldiger und ruhiger Mensch wäre. Ich gehe auch auf die Bühne, um dort mal alles rauszulassen. Es kommt hinzu, dass viele Musiker einen Hang zu Perfektion haben, was auch bei uns im Studio dazu führt, dass meine Kollegen und ich es uns schon mal richtig geben. Meine Lieblingsgeschichte: Bei einer Aufnahme sind mal ein paar Schlagzeugstöcke in meine Richtung flogen sind und der Schlagzeuger rief: „Ich spiele nicht mit alten Männern.“ Diese Anekdote steht dafür, wie wichtig es ist, sich immer wieder infrage zu stellen.“

… seine Durchschnittlichkeit als Mensch und Musiker:

„Man muss sich selber richtig einordnen: Ich bin ein durchschnittlicher Gitarrist. Was ich spiele, ist vielleicht typisch, aber meine Fähigkeiten sind limitiert. Ich bin ein durchschnittlicher Sänger. Ich weiß, was andere können und was ich nicht kann. Aber die Summe all dieser Durchschnittlichkeiten ergibt gepaart mit meiner Emotion und meiner Energie in der Summe ein brauchbares Ergebnis.“