Entscheider treffen Haider

UKE-Chef Burkhard Göke: Zeit der Halbgötter in Weiß ist um

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„Medizin braucht eine demokratische Struktur“:  Prof. Dr. Burkhard Göke, Ärztlicher Direktor und Vorstandschef des UKE.

„Medizin braucht eine demokratische Struktur“: Prof. Dr. Burkhard Göke, Ärztlicher Direktor und Vorstandschef des UKE.

Foto: Thorsten Ahlf

Im Podcast "Entscheider treffen Haider" erzählt der Klinikchef vom Umgangston in Krankenhäusern und der Personalsuche.

Hamburg. Das Universitätsklinikum Eppendorf ist nach Asklepios und Airbus schon jetzt Hamburgs drittgrößter Arbeitgeber. Doch UKE-Chef Professor Dr. Burkhard Göke will noch mehr: Er rechnet in den nächsten Jahren mit 4000 neuen Stellen.

„Wir haben in den vergangenen Jahren 2000 neue Stellen geschaffen, sind jetzt bei 11.000 Mitarbeitern. Konservativ geschätzt werden wir bis 2030 auf bis zu 15.000 Mitarbeiter wachsen“, sagte der Klinikchef im Abendblatt-Interview. Die größte Herausforderung sei dabei die Suche nach geeignetem Personal. Man müsse „den Leuten fast hinterherlaufen“, so Göke.

Größte Sorgen mache ihm dabei die Mietpreisentwicklung in Hamburg. Sie sei dramatisch. „Als wir die neue Kinderklinik eingeweiht haben, fanden wir viele Pflegekräfte, nicht aus Hamburg stammend, die vom Projekt begeistert waren und zu uns kommen wollten. Viele haben mit der Begründung abgesagt, dass sie sich hier keine Wohnung leisten können.“ Als Arbeitgeber, so Göke, müsse das UKE ein attraktives Unternehmen sein. Dazu gehöre eine anständige Bezahlung: „Medizinischer Ethos allein zahlt eben die Miete nicht.“

Zudem arbeitet das UKE laut Göke an einer völlig neuen Kultur. „Wir wollen die überkommene Altvorderen-Medizin ablösen“, so der Klinikchef. „Medizin braucht eine demokratische Struktur, nicht das Demonstrieren von Hierarchien.“ Früher seien Stations- und Oberärzte bei der Visite dem Chef hinterhergedackelt: „Heute kommt es auf Teams an, weil die Medizin so komplex geworden ist, dass sie von Einzelnen gar nicht mehr zu bewältigen ist.“

Das sagt Burkhard Göke über ...

... seinen Wunsch, auch mit einer Uniklinik kostendeckend zu arbeiten, was kaum jemandem in Deutschland gelingt:

„Ich glaube, dass eine Uniklinik, die wenigstens eine schwarze Null schafft, unabhängiger ist und anders agieren kann als Kliniken, die immer am staatlichen Tropf hängen. Ich verlange deshalb viel von Mitarbeitern/innen. Wir haben das Potenzial abgerufen, das an manchen Universitätsklinika eher als Desorganisation zu sehen ist, und sind sehr effizient geworden. Das Heben stiller Reserven war in den vergangenen Jahren unser Erfolgsmodell. Trotzdem bleibt die Stadt als Träger des UKE in der Pflicht.“

… die Suche nach Personal:

„Wir müssen heute angesichts des Fachkräftemangels den Leuten fast „hinterherlaufen“ und sie davon überzeugen, dass es Spaß macht, am UKE zu arbeiten. Ich finde das nicht nur schlecht. Wir müssen ein Arbeitgeber sein, der auch deswegen attraktiv ist, weil er die Menschen respektiert. Dazu gehört eine anständige Bezahlung. Medizinischer Ethos allein zahlt die Miete nicht. Wir tun viel, um als Arbeitgeber attraktiv zu sein.“

… Oberärzte, die sich im Umfeld des UKE nicht mehr selbstverständlich eine Wohnung leisten können:

„Das macht uns große Sorgen. Ich finde die Mietpreisentwicklung in Hamburg dramatisch. Als wir die neue Kinderklinik eingeweiht haben, fanden wir viele Pflegekräfte, nicht aus Hamburg stammend, die vom Projekt begeistert waren und zu uns kommen wollten. Viele haben mit der Begründung abgesagt, dass sie sich hier keine Wohnung leisten können. Das finde ich wirklich schade. Wir machen deshalb viel für die Mobilität unserer Mitarbeiter, bauen 460 neue Stellplätze für Pkw, hoffen auf eine bessere Anbindung des UKE an den ÖPNV, freuen uns auf die U 5. Viele unserer Mitarbeiter kommen nicht aus Hamburg City.“

… die Zahl der Mitarbeiter:

„Wir haben in den vergangenen Jahren 2000 neue Stellen geschaffen, sind jetzt bei 11.000 Mitarbeitern. Konservativ geschätzt werden wir bis 2030 auf bis zu 15.000 Mitarbeiter wachsen.“

… den Umgangston und die Hierarchie in einem Krankenhaus:

„Wir haben eine andere Art des Umgangs unter den Kolleginnen und Kollegen im Kopf. Wir wollen die überkommene „Altvorderen-Medizin“ ablösen. Medizin braucht eine demokratische Struktur, nicht das Demonstrieren von Hierarchien. Früher zeigte sich das, wenn Stations- und Oberärzte bei der Visite dem Chef „hinterherdackelten“. Heute agiert in der Medizin keiner mehr ganz einsam. Heute kommt es auf die Teams an, weil die Medizin so komplex geworden ist, dass sie von Einzelnen gar nicht mehr zu bewältigen ist. Wir Ärzte sind aus der Welt der Medizingötter längst herabgestiegen, sind allenfalls noch Jünger und Apostel einer modernen Medizinidee. Und wir haben trotzdem einen langen Weg vor uns, was die Teilhabe von Patientinnen und Patienten angeht.“

… die elektronische Patientenakte:

„Das UKE ist quasi papierlos. Was einerseits sehr fortschrittlich ist, führt andererseits aber auch zu Problemen an den Schnittstellen, etwa zu den Zuweisenden. Diese Schnittstellen funktionieren meistens noch nicht digital. Jeden Tag verlassen zum Beispiel viele Hundert Arztbriefe auf Papier das UKE. Wir haben manchmal das Gefühl, dass wir mit dem „Raumschiff durch die Steinzeit“ fliegen.

… seinen Wechsel vom Arzt zum Manager:

„Es gab eine Tendenz in der universitären Medizin, dass Kaufleute „die Macht“ übernehmen, um uns Ärztinnen und Ärzten im Rahmen der sogenannten Ökonomisierung vorzuschreiben, wie eine Uniklinik funktioniert. Ein Universitätsklinikum sollte aber immer ärztlich geführt werden. Hier geht es um die Zukunft der Medizin und ihre Fortentwicklung. Das kann überhaupt nicht allein kaufmännisch entschieden werden. Wir haben am UKE mit unserer kaufmännischen Direktorin großes Glück. Der UKE-Vorstand treibt daher erfolgreich Team-Sport.“

... Arbeit und Spaß:

„Für mich ist die Aufgabe im UKE keine Kärnerarbeit. Mir macht das echt Spaß. Und wenn ich den Spaß verliere, höre ich auf. Arbeit ist für mich der Versuch, möglichst gut und effizient Ziele zu erreichen. Wenn das gelingt, ist meine Motivation groß.“

…die Familie als Korrektiv:

„Meine Frau ist kritisch. Und ich habe acht erwachsene Kinder, fünf Mädchen, drei Jungs. Die Mädchen sind alle in der Medizin tätig, da bin ich nicht der gefeierte Held. Da bekomme ich auch jede Menge Gegenwind. Die werfen mir dann auch mal vor, dass die „Performance“ am UKE in dem einen oder anderen Bereich nicht optimal ist und sagen mir klar die Meinung. Ich finde das gut, das ist anregend und bringt mich weiter. Meine jüngste Tochter ist Medizinstudentin in Hamburg. Die sieht das UKE noch einmal aus einer ganz anderen Sicht. Das ist für mich spannend und interessant.“

… gesellschaftliche Ereignisse:

„Ich bin da zurückhaltender. Mein Gesellschaftsleben findet eher bei Altona 93 auf der Tribüne statt, wenn die versuchen, den Klassenerhalt zu schaffen.“