Entscheider treffen Haider

Fritz-Kola-Chef: „Ich wäre längst Milliardär, wenn...“

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Mirco Wolf Wiegert ist Erfinder der Fritz-Kola. Sein Unternehmen hat mehr als 200 Mitarbeiter.

Mirco Wolf Wiegert ist Erfinder der Fritz-Kola. Sein Unternehmen hat mehr als 200 Mitarbeiter.

Foto: Ha / HA / Mark Sandten

Zu Gast im Abendblatt-Podcast ist Mirco Wolf Wiegert, Erfinder der Fritz-Kola. Ein Gespräch über viel Koffein, Geld und Spaß.

Hamburg. Wie kommt man auf die Idee, es ausgerechnet mit einem der größten Konzerne der Welt aufzunehmen? Und, noch wichtiger: Wie kann es sein, dass man auch noch sogar Erfolg hat? In der Abendblatt-Gesprächsreihe „Entscheider treffen Haider“ ist mit Mirco Wolf Wiegert heute einer der interessantesten und ungewöhnlichsten Unternehmer Hamburgs zu Gast. Das sagt der Chef von Fritz-Kola, der mit einem Kapital von 7000 Euro seine Karriere gestartet hat und dessen Konterfei bis heute die Flaschen ziert, über . . .

… Koffein in großen Mengen:

„Wir wollten eine Kola mit dem maximal möglichen Koffein machen, damit man nicht so viel trinken muss und eine kleine Glasflasche ausreicht. Wir hatten von Anfang aus verschiedenen Gründen nicht vor, unsere Kola in großen Plastikflaschen zu verkaufen. Und: Kola, die man nicht merkt, ist sinnlos.“

… die Selbstständigkeit:

„Als Student habe ich in einer Bäckerei gearbeitet. Es war Erdbeersaison und es gab Erdbeerkuchen vom Blech für 1,80 Euro. Viel billiger als beim Bäcker nebenan, der für seine Erdbeertörtchen mehr als drei Euro nahm. Trotzdem standen die Leute bei unserem Wettbewerber Schlange, in meiner Bäckerei war niemand. Deshalb habe ich meinen Chef angerufen und gefragt, ob wir nicht auch Erdbeertörtchen anbieten sollte. Aber er sagte nur: Ne, ne, lass mal alles so, wie es ist. Das hat mich frustriert und mich in meinem Wunsch bestätigt, später selbstständig zu arbeiten. Mein Vater war selbstständig und immer begeistert von seiner Arbeit. Das hat mich sehr geprägt.“

… die Idee, gegen Coca-Cola anzutreten:

„Man kann sagen, dass es mutig war. Aus meiner Sicht lag es auf der Hand: Wenn es in einem Markt einen mehr oder weniger alles beherrschenden Anbieter gibt, muss es möglich sein, als kleiner Konkurrent seinen Platz zu finden. Genau das ist uns gelungen. Anfänglich haben wir unseren Plan, uns mit Fritz-Kola selbstständig zu machen, aber geheim gehalten. Wir wollten nicht, dass die Leute unsere Idee zerreden, und das hätten sie getan, die ganzen Bedenkenträger wären um die Ecke kommen. Wie oft ich auch heute noch „Das geht nicht“ höre, der Wahnsinn. Wenn ich für jedes Mal 50 Euro erhalten hätte, wäre ich längst Milliardär.“

… den ersten Kontakt zu Coca-Cola:

„Wir haben irgendwann mal ein Plakat gemacht, auf dem unter anderem eine rot-weiße Cola-Flasche zu sehen war, die ausgegossen wurde. Danach haben wir einen ganz netten Brief aus Berlin bekommen, mit dem wir freundlich als Wettbewerber von Coca-Cola begrüßt wurden. Indem aber auch stand, dass man sowas nicht machen sollte.“

… das Startkapital:

„Wir hatten mehrere Ideen: Wir hätten ein Hostel machen können oder einen Coffee-Bar-Shop, aber dafür hätte unser Startkapital nicht ausgereicht. Wir hatten nur 7000 Euro, für eine Kola reichte das gerade.“

… den Namen Fritz-Kola:

„Wir hatten eine Liste mit ungefähr 40 Namen, mit der wir uns vor ein Einkaufszentrum gestellt und Passanten gefragt haben, welchen sie am besten finden. Zum Glück waren die meisten Leute für Fritz. Wir dachten übrigens, Fritz ist typisch norddeutsch, ist es aber gar nicht.“

… die Entwicklung des Getränks:

„Uns hat eine Brauerei dabei geholfen. Zum Schluss gab es zwei Finalisten in braunen Bierflaschen, die eine Sorte hatte einen weißen Kronkorken, die andere einen grünen. Wir haben dann ein paar Kisten mit in mein Studentenwohnheim nach Othmarschen genommen, und die Kommilitonen eingeladen. Sie haben sich für die weißen Kronkorken entschieden. Einer der ersten, der uns einen Kasten abgekauft hat, war ein Café-Betreiber im Schanzenviertel, „aus Mitleid“, wie er damals sagte. Nach einigen Tagen war Fritz-Kola ausverkauft, und er musste nachbestellen. Dabei sah das Logo auf den ersten Flaschen ja ziemlich amateurhaft aus.“

… den Kult um Fritz-Kola:

„Der Begriff Kult trifft es nicht. Wir versuchen bei Fritz, relevant und authentisch zu bleiben. Und wir machen auch Fehler: Über Jahre hatte es sich bei uns so eingeschlichen, dass die Fahrzeuge, mit denen wir unsere Getränke ausliefern, immer größer wurden. Auf einmal hatten wir auch solche SUV und irgendwann ist uns dann aufgefallen: Aua, wir sind nicht SUV, wir sind Fritz-Kola, und dann haben wir die wieder abgeschafft. Das ist ein gutes Beispiel für das Ringen um Authentizität, das uns beschäftigt.“

… das Geheimnis, das Fritz-Kola um Zahlen macht:

„Die Frage nach Umsätzen und Gewinnen nervt, weil sie die ganze Diskussion in die falsche Richtung lenkt. Ja, wir sind erfolgreich und verdienen gutes Geld. Aber das ist nicht die Hauptmotivation für Fritz-Kola. Ich arbeite, weil ich Spaß haben und unabhängig sein will. Darum muss es gehen, um Kreativität, Freude, neue Ideen. Geld ist ein Hygienefak­-
tor.“

…den Ausstieg von Mitgründer Lorenz Hampl:

„Wir haben das Unternehmen viele Jahre zusammen gemacht. Rund um unseren 40. Geburtstag kam die Frage auf, wie es weitergeht, was wir die nächsten Jahre tun. Lorenz hat sich dann entschieden, seine Anteile an mich zu verkaufen. Inzwischen habe ich Florian Rehm, ein Mitglied der Jägermeister-Familie, und Dirk Lütvogt von der Auburg Quelle als Gesellschafter ins Unternehmen geholt. Für mich war es wichtig, dass es Leute gibt, mit denen ich mich austauschen kann. Das ist gut und wertvoll.“

… jede Menge Kaufangebote:

„Es waren alle da. Aber für einen Verkauf müsste Geld die Hauptmotivation sein, und das ist es nicht. Ich will Fritz-Kola unabhängig halten, damit wir auch weiter in Jeans und Turnschuhen rumlaufen und machen können, was wir wollen.“

Professorin nannte ihn den König der Gegenmeinung

Was wollten Sie als Kind werden und warum?

Ich wollte schon immer irgendwie selbstständig arbeiten, auch wenn es hin und wieder Aussetzer gab und ich etwas anderes werden wollte. Mein Vater war bereits selbstständig unter anderem als Händler auf Märkten.

Was war der beste Rat Ihrer Eltern?

Mache etwas Kaufmännisches.

Wer war beziehungsweise ist Ihr Vorbild?

Häufig mein Vater, er ist bis heute vom selbstständigen Arbeiten begeistert.

Was haben Ihre Lehrer/Professoren über Sie gesagt?

Meine VWL-Professorin nannte mich mal „König der Gegenmeinung“. Ich glaube, das trifft es ganz gut.

Wann und warum haben Sie sich für den Beruf entschieden, den Sie heute machen?

Irgendwann als Kind habe ich für mich beschlossen, Unternehmer zu werden.

Wer waren Ihre wichtigsten Förderer?

Meine Großeltern, sie waren immer sehr kreativ und haben uns am Anfang ihre Garage, Keller, Sackkarre und Hubwagen zur Verfügung gestellt.

Auf wen hören Sie?

Kommt drauf an. Ich lebe vom Austausch mit anderen wie beispielsweise anderen Fritzen.

Was sind Eigenschaften, die Sie an Ihren Chefs bewundert haben?

Hatte nur wenige Chefs, daher fehlt mir das Beispiel.

Was sollte man als Chef auf keinen Fall tun?

Andere vor anderen rundmachen. Schwierige Themen werden unter vier oder sechs Augen besprochen.

Was sind die Prinzipien Ihres Führungsstils?

Grundvertrauen in meine Fritzen.

Wie wichtig war/ist Ihnen Geld?

Notwendig, aber kein Motivator. Geld wird häufig überschätzt.

Was erwarten Sie von Ihren Mitarbeitern?

Begeisterung für Fritz-Kola.

Worauf achten Sie bei Bewerbungen?

Begeisterung und Beherrschung des notwendigen Handwerkszeugs.

Duzen oder siezen Sie?

Als Betrieb, der von zwei Studenten gegründet wurde, duzen wir konsequent alle und tragen T-Shirt, Hoodie und Sneakers.

Was sind Ihre größten Stärken?

Tolle Mannschaft, die mit hoher Leidenschaft ans Werk geht.

Was sind Ihre größten Schwächen?

Verrate ich nicht. Der Wettbewerb ist sehr intensiv.

Welchen anderen Entscheider würden Sie gern näher kennenlernen?

Kann ich aktuell gar nicht sagen. Ein Vorteil als Unternehmer ist, dass ich bereits viele spannende Menschen treffen kann.

Was würden Sie ihn fragen?

Ich bin häufig überrascht, wie gut Themen zwischen Unternehmern besprochen und ausgetauscht werden.

Wie viele Stunden arbeiten Sie in der Woche?

40 bis 60 Stunden.

Wie viele Stunden schlafen Sie (pro Nacht)?

Acht bis neun Stunden.

Wie gehen Sie mit Stress um?

Ich gehe gerne laufen.

Wie kommunizieren Sie?

Hä?

Wie viel Zeit verbringen Sie an Ihrem Schreibtisch?

Zu viel. Ich versuche die Schreibtischtage auf Montag und Freitag zu begrenzen. Das gelingt mir mal gut, mal weniger gut.

Wenn Sie anderen Menschen nur einen Rat für ihren beruflichen Werdegang geben dürften, welcher wäre das?

Mache nur das, wofür du dich wirklich begeistern kannst.

Und zum Schluss: Was wollten Sie immer schon mal sagen?

Ich liebe meine Arbeit bei Fritz-Kola.