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HCOB-Chef Ermisch: „Ich wusste, es kommen gute Zeiten“

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Stefan Ermisch wurde 2016 Chef der HSH Nordbank. Er ist 53 Jahre alt.

Stefan Ermisch wurde 2016 Chef der HSH Nordbank. Er ist 53 Jahre alt.

Foto: Roland Magunia/

Im Podcast „Entscheider treffen Haider“: der Mann, der aus der HSH Nordbank die Hamburg Commercial Bank gemacht hat.

Hamburg. Stefan Ermisch ist etwas gelungen, was noch kein Banker in Deutschland geschafft hat: Er hat eine öffentlich-rechtliche in eine Privatbank übergeführt – und ist Vorstandsvorsitzender geblieben. Im Gespräch mit Abendblatt-Chefredakteur Lars Haider spricht Ermisch über die Wandlung der HSH Nordbank zur Hamburg Commercial Bank, alte Zeiten und neue Ziele, über die Rolle der Politik und die ungeahnten Chancen des Nordens. Komplett zu hören im Internet unter www.abendblatt.de/entscheider.


Das sagt Stefan Ermisch über …

… seine Bereitschaft, 2016 den Chefposten der HSH Nordbank zu übernehmen, die dem Untergang geweiht war:

„Ich wusste, dass man aus der HSH Nordbank etwas machen kann. Etliches, was an öffentlicher Debatte damals zu dieser Bank stattgefunden hat, war bar jeder Realität. Ich hatte immer den Eindruck, dass die HSH eine gute Seite hat, die unterbelichtet ist, und eine böse, die überbelichtet ist. Außerdem hadere ich grundsätzlich mit dem Mainstream. Ich habe immer Situationen gesucht, die etwas knackiger sind. Deshalb bin ich in Hamburg gelandet.“

… seinen nicht besonders lukrativen Vertrag als HSH-Chef, ohne Boni und Aussicht auf Verlängerung:

„Geld war mir nicht so wichtig. Ich habe mich der Sache verschrieben. Ich habe gesagt: Das ist doch ein interessantes Projekt, wenn ich das mit meinem Team schaffe, ist uns etwas gelungen, was in Deutschland noch niemandem gelungen ist: eine öffentlich-rechtliche Bank, von der viele glaubten, dass sie keine Zukunft hat, zu restrukturieren und in eine private Eigentümerstruktur zu überführen. Und ich wusste: Es kommen gute Zeiten nach schlechten Zeiten.“

… die Frage, ob der Job bei der HSH Nordbank einer der schlimmsten der Bankbranche war, wie mehrere Zeitungen damals schrieben:

„Es war sicherlich eine undankbare Aufgabe. Damals haben Experten gesagt, dass es zwei schwierige Fälle in der Bankenszene gibt: die HSH Nordbank und die Deutsche Bank. Wir sind unsere Probleme grundlegend angegangen und haben auf diesem Weg viel geschafft.“

… die Rolle der Politik:

„All das, was so schlimm an Verlusten der HSH Nordbank bis zum Jahr 2018 aufgelaufen ist, lag schon 2009 auf dem Tisch. Das sagt sehr viel über die Frage der politischen Verantwortung in Deutschland in ökonomischen Prozessen. Ich wünschte mir grundsätzlich mehr barwertiges Verhalten von Politikern. In guten Zeiten feiert die Politik ihre öffentlich-rechtlichen Banken, in schlechten Zeiten will man damit nichts zu tun haben. Der politische Eigentümer ist generell der falsche Eigentümer für solche Häuser, ganz unabhängig von den Personen, weil er keine Ahnung von dem Geschäft hat. Das ist ganz einfach. Ich will das gern erklären: Der Inhaber und Manager einer Firma hat immer nur deren Interessen im Blick. Ein Politiker muss immer auch andere Interessen berücksichtigen, weil er am Ende politische und gesellschaftliche Ziele verfolgt – und nicht nur ökonomische.“

… einen Erfolg der Regierungen im Norden:

„Die Landesregierungen in Hamburg und Schleswig-Holstein haben es als erste in einer guten Art und Weise geschafft, sich endgültig von ihren Banken zu trennen. Es ist davon auszugehen, dass sich andere Ministerpräsidenten mit dieser Frage erst noch beschäftigen müssen.“

… große Sanierungen:

„Solange ich arbeite, werde ich mich mit Restrukturierungen beschäftigen müssen. Aber mein Appetit auf öffentlich-rechtliche Sanierungsaufgaben ist einigermaßen gestillt.“

… den Wechsel von der Spitze der HSH Nordbank an die Spitze des Nachfolgers, der Hamburg Commercial Bank:

„Ich habe versucht, so zu arbeiten, dass der nächste Eigentümer der Bank in seiner Entscheidung komplett frei ist, ob er mit mir oder einem anderen Vorstandsvorsitzenden arbeiten will. Ich glaube, das hat die neuen Eigentümer beeindruckt, weil ein CEO normalerweise intuitiv an die eigene Absicherung denkt. Das war bei mir nicht der Fall. Die Eigentümer haben die erfolgreiche Restrukturierung dann stark mit mir als Person verbunden, was mich natürlich freut.“

… das Ziel, die profitabelste deutsche Bank zu werden:

„Das berührt die Mitarbeiter natürlich sehr, wenn wir sagen, dass wir den Prozess vom hässlichen Entlein zum schönen Schwan bis zum Ende gehen wollen. Unser Ziel ist ambitioniert, aber wir haben viele Probleme, die andere haben, nicht mehr. Wenn man eine Bank erfolgreich privatisiert hat, ist das schon ein gutes Gefühl. Ein noch besseres Gefühl wäre es, wenn es uns gelänge, die Hamburg Commercial Bank nachhaltig profitabel zu machen – und sie am Ende einen Wert hat, den man ihr nie zugetraut hat. Das motiviert.“

… klare Ansagen:

„Ich versuche immer, authentisch zu sein und klar, um nicht zu sagen robust, zu kommunizieren. Ich kann nur jedem, der ein schwieriges Problem hat, raten, nicht herumzueiern.“

… den sozialen Frieden im Unternehmen:

„Der Umbau von einer öffentlich-rechtlichen Bank zu einer privaten Bank ist auch deshalb so einschneidend, weil sich damit viele Lebensmodelle von Mitarbeitern ändern. Die Motivation, bei einer Landesbank zu arbeiten, ist eine ganz andere, als bei einer privatisierten Geschäftsbank zu arbeiten. Umso dankbarer bin ich, dass trotz dieses dramatischen Umbruchs der soziale Friede im Unternehmen erhalten werden konnte.“

… Optimismus und Zuversicht:

„Beides kann man nur ausstrahlen, wenn man intern eine Art Gegenbalance hat. Auch wenn ich immer Zuversicht ausgestrahlt habe, hatte ich natürlich schlaflose Nächte. Wer das in verantwortlicher Position in solchen beruflich extremen Situationen nicht kennt, wer nur Zuversicht hat, wird wahrscheinlich scheitern.“

… Peter Tschentscher:

„Wir hatten mit dem damaligen Finanzsenator und heutigem Ersten Bürgermeister Peter Tschentscher den besten Mann erwischt. Er ist ein wunderbarer Fachmann, wie ich ihn in der Politik selten erlebt habe. Er hat das ganze Thema HSH Nordbank bis ins Detail durchdrungen. Das hat mir viel Respekt abgenötigt.“

… den Standort Hamburg:

„Norddeutschland war in der Vergangenheit etwas in den Hintergrund geraten, was die wirtschaftliche Entwicklung angeht. Aber das könnte kippen: Der Norden hat ein gutes Potenzial, deutlich besser durch den anstehenden wirtschaftlichen Abschwung zu kommen als der Süden Deutschlands, ein Stichwort sind erneuerbare Energien und alle Fragen, die mit dem Klimawandel zusammenhängen. Ich kann jedem politischen Entscheidungsträger nur empfehlen, sich dieser besonderen Situation der Metropolregion Hamburg bewusst zu sein und diese auszunutzen.“

… den Namen Hamburg Commercial Bank:

„Erst gab es Kunstnamen, aber die waren mir zu verstaubt. Ich wollte ein klares Statement für diese Region haben. „Hamburg“ steht für mich für „Ernsthaftigkeit und Stärke“, zudem sind wir eine Commercial- und keine Retail-Bank.“

… den neuen Dienstwagen:

„Ich habe früher ein großes Auto gehabt, jetzt habe ich ein kleines mit Elektroantrieb und ohne Fahrer. Die Welt der zur Schau gestellten Machtinsignien hat sich aus meiner Sicht überlebt. Man sollte als Manager mit der Sache überzeugen. Deshalb habe ich ein kleines Auto genommen, mit dem ich übrigens auch sehr schnell einen Parkplatz in Eppendorf finde.“