Plastische Chirurgie

Hände, Haut, Brüste – Dr. Elsner stellt alles wieder her

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Dr. Jörg Elsner, Chefarzt am Asklepios Klinikum Harburg.

Dr. Jörg Elsner, Chefarzt am Asklepios Klinikum Harburg.

Foto: Mark Sandten / MARK SANDTEN / FUNKE FOTO SERVICES

Der Chefarzt für plastische Chirurgie erklärt in der „Digitalen Sprechstunde“ auch, warum ein Zeh einen Daumen ersetzen kann.

Hamburg. Brustvergrößerungen und Nasenkorrekturen, das fällt einem sofort ein, wenn es um Plastische Chirurgie geht. „Die Schönheitschirurgie ist natürlich einer unserer Teilbereiche, aber weder der größte noch der wichtigste“, sagt Dr. Jörg Elsner, Chefarzt am Asklepios Klinikum Harburg und St.Georg. Elsner ist auch einer von zwei Präsidenten des Jahreskongresses der Deutschen Gesellschaft der Plastischen, Rekonstruktiven und Ästhetischen Chirurgen, der seit 1975 erstmals wieder in Hamburg stattfindet und auf dem sich vom heutigen Donnerstag an mehr als 1000 Kollegen aus der ganzen Republik drei Tage lang fortbilden.

Die Hand ist das Spezialgebiet von Dr. Jörg Elsner

„Den Schwerpunkt dieser großen Tagung haben wir deshalb auch ganz bewusst auf die sogenannte Wiederherstellungschirurgie gelegt“, erklärt der Mediziner in der „Digitalen Sprechstunde“, dem Podcast von Hamburger Abendblatt und Asklepios.

Da stünden Patienten im Mittelpunkt, deren Haut nach einem schweren Unfall stark verbrannt sei oder Frauen, denen nach einer Krebserkrankung aus Eigengewebe eine neue Brust geformt werden könne. Und es geht um Arbeitsunfälle, von denen rund 20 Prozent die Hand, das Spezialgebiet von Dr. Jörg Elsner, betreffen.

Das Spektrum reicht dabei von tiefen Schnittverletzungen mit dem Küchenmesser bis zum Heimwerker, dessen Daumen in die Kreissäge geraten ist. „Den Daumen müssen wir immer retten, der ist für uns zum Greifen einfach unverzichtbar“, sagt der Experte.

Bis zu acht Stunden dauert es, einen Finger wieder anzunähen

Chirurgisch weniger kompliziert sei die Rekonstruktion, wenn der Finger scharf abgetrennt worden sei. „Aber ein rotierendes Messer, wie jenes einer Kreissäge, zerstört die Gelenke und zerfetzt die Gefäße stark.“ Bis zu acht Stunden könne es dann dauern, den abgetrennten Finger wieder anzunähen.

Da sei eine extrem ruhige Hand gefragt, weshalb die Handchirurgen im Gegensatz zu beispielsweise den Bauchchirurgen in der Regel im Sitzen operieren. „Wir gelten als die Uhrmachermeister der Chirurgie, weil feinste Instrumente zum Einsatz kommen und die Technik sehr filigran ist. Man muss dazu wissen, dass ein Blutgefäß am Finger gerade einmal einen Durchmesser von einem Millimeter hat.“

Der zweite Zeh erfüllt keine Funktion mehr

Sei der Daumen aus verschiedenen Gründen nicht mehr zu retten, so gebe es die Möglichkeit, den zweiten Zeh an dessen Stelle zu setzen. „Wir klettern längst nicht mehr auf Bäume, der zweite Zeh erfüllt also keine Funktion mehr. Allerdings wird dieser Eingriff nur noch sehr selten gemacht, weil wir in der Regel den Originalfinger retten können – auch weil wir an Kliniken wie in Harburg und in St. Georg einen Replantationsdienst haben, der rund um die Uhr besetzt ist“, sagt der gebürtige Rheinländer, der vor zehn Jahren nach Hamburg gezogen ist.

Häufig kämen auch Patienten, die sich durch Messer oder Glas Schnitte zugezogen hätten, die weit unter die Haut gehen. „Man muss sich die Struktur der Hand wie ein Sandwich vorstellen“, erklärt der Handchirurg. „Unter der Haut liegt die Unterhaut, dann kommen Streck- und Beugesehnen, Nerven und Blutgefäße – und all das kann beeinträchtigt sein.“

Oft müssten zum Beispiel die Sehnen genäht werden. „Da gab es lange ein Dilemma: Wenn wir die Sehnen gleich nach dem Nähen freigeben, besteht die Gefahr, dass sie reißen. Sie müssen sechs bis acht Wochen heilen. Wenn die Sehnen aber diese ganze Zeit über ruhig gestellt werden, gibt es ein hohes Risiko, dass durch das Wundwasser alles verklebt und am Ende keine Bewegung mehr möglich ist“, so der Chefarzt. Die Lösung sei vor gut 40 Jahren erfunden worden, eine spezielle Schiene mit Gummizügeln an den Fingerkuppen, die die Sehne nicht belastet, gleichsam aber aktive Streckübungen ermöglicht.

Arthrose im Daumen wird oft zu spät erkannt

Ein weiteres Leiden, das Dr. Elsner oft zu sehen bekommt, sind Verschleißerscheinungen der Gelenke. Betroffen seien vor allem Frauen ab 60, die plötzliche starke Schmerzen spüren, wenn sie einen Schlüssel herumdrehen oder einen Schraubverschluss öffnen müssen. „Viele denken ja bei Arthrose immer zuerst ans Knie und an die Hüfte, was ja richtig ist. Aber auch in der Hand, vor allem im Daumensattelgelenk, kommt Arthrose vor, wird aber leider oft erst spät als solche erkannt.“

Dabei gebe es seit 30 Jahren einen Routineeingriff, der die Patienten mit einer hohen Erfolgsquote nahezu komplett vom Schmerz befreie. „Wir entfernen einfach das betroffene Knöchelchen und nach vier bis sechs Wochen bildet sich aus dem Narbengewebe ein neues Gelenk.“

Plastische Chirurgie ist sehr vielfältig

Wichtig sei aber grundsätzlich die Nachsorge. „Da ist immer die Mitarbeit des Patienten gefragt. Man muss die Funktionen der Hand wieder trainieren – möglichst jede Stunde zehn Minuten lang“, so der Mediziner, der 2015 – auf dem Höhepunkt der Flüchtlingswelle – am Klinikum Harburg für anderthalb Jahre eine Spezialsprechstunde eingerichtet hatte. „Da habe ich unglaublich schlimme Verletzungen gesehen, verursacht durch Bomben und Granaten. Verletzungen, die wir in Deutschland zum Glück seit Ende des Zweiten Weltkriegs nicht mehr kennen“, sagt Dr. Jörg Elsner.

„Es war toll, dass wir da vielen Kindern, Müttern, Vätern chirurgisch helfen konnten.“ Das seien Momente, in denen er wisse, dass er sich für das richtige Fach entschieden habe. „Plastische Chirurgie ist einfach sehr vielfältig.“ Dazu gehört viel mehr als Brustvergrößerungen und Nasenkorrekturen.

Gesundheitspodcast mit Asklepios

Die digitale Sprechstunde“ ist die Gesundheits-Gesprächsreihe von Hamburger Abendblatt und Asklepios. Jede Woche erklärt ein Experte im Gespräch mit Vanessa Seifert ein bestimmtes Krankheitsbild und gibt Auskunft über Vorsorge und Möglichkeiten der Therapie.

Nächste Folge: Honorarprofessor Dr. Tobias Meyer, Chefarzt für Nephrologie an der Asklepios Klinik Barmbek, spricht über Erkrankungen der Niere.

Haben Sie Anregungen? Schreiben Sie uns eine E-Mail an sprechstunde@abendblatt.de