Dem Tod auf der Spur

Uwe Barschel – die Erkenntnisse zum Toten in der Badewanne

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Foto: HA

Das Foto ging um die Welt: Rechtsmediziner Klaus Püschel im Podcast über den mysteriösen Tod des früheren Ministerpräsidenten.

Hamburg. Der Tod ist das größte, finale Geheimnis. Was nach dem Eintritt des Todes kommt, wissen wir nicht. Manchmal aber sind schon die Umstände des Ablebens eines Menschen mysteriös. Wer wollte Kennedys Tod? Starb Marilyn Monroe wirklich durch eigene Hand? Auch einer der spektakulärsten Todesfälle, die Deutschland je erlebt hat, ist noch nicht vollständig geklärt: der des CDU-Politikers Uwe Barschel.

Seit dem 11. Oktober 1987, als der Politiker tot in der Badewanne eines Genfer Hotels gefunden wurde, wird überlegt: War es Suizid oder Mord? Auch heute noch, mehr als drei Jahrzehnte später, gibt es noch immer glühende Anhänger beider Theorien. Der Kieler Ministerpräsident hatte ein bewegtes Leben hinter sich, und viele hatten ihm eine noch größere Karriere zugetraut. Doch es gab offenbar auch zwielichtige Aktivitäten und heikle Kontakte, die ihn in Gefahr hätten bringen können, zum Beispiel durch Waffenhändler oder vonseiten der Stasi.

Uwe Barschel: Sein Tod sah zunächst nach Suizid aus

Für all diese Theorien gibt es Anhänger und Ermittlungsvorgänge. „Die Art und Weise, wie der prominente Politiker zu Tode kam, entspricht nach meiner rechtsmedizinischen Erfahrung nicht der Vorgehensweise der Täter bei einem organisierten Verbrechen“, betont Rechtsmediziner Klaus Püschel im Abendblatt-Crime-Podcast „Dem Tod auf der Spur“ mit Gerichtsreporterin Bettina Mittelacher. „Der Tod von Uwe Barschel folgt in seinem Szenarium eher dem Fahrplan von Suizidhilfeorganisationen. Dafür finden sich viele Handlungsanweisungen im Internet.“

Rasanter Aufstieg, noch schnellerer Absturz: So kann man das berufliche Leben Barschels zusammenfassen. Nach Bekanntwerden der „Barschel-Affäre“, bei der es heißt, er habe versucht, seinen Herausforderer Björn Engholm (SPD) zu bespitzeln, muss Barschel am 2. Oktober 1987 zurücktreten. Neun Tage später dann die Schlagzeile, dass der 43-Jährige unter mysteriösen Umständen verstorben ist. Ein Foto, das den Toten in der Badewanne zeigt, geht um die Welt.

Bei Barschel wurden acht Medikamente gefunden

Dass der 43-Jährige nicht etwa ertrunken ist, bestätigt sich bei der Sektion, die Schweizer Experten vornehmen. Er ist tatsächlich durch einen Medikamenten-Cocktail zu Tode gekommen. „Bei Barschel werden acht Medikamente gefunden“, erzählt Püschel.

„Darunter befindet sich das Barbiturat Cyclobarbital, ferner ein Schlafmittel, dazu Diazepam und ein stark sedierendes Antihistaminikum, also ein Mittel, das Übelkeit und Brechreiz verhindern soll.“ Die Genfer Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass Barschel alle diese Mittel selbst eingenommen hat. Anschließend habe sich der Politiker bekleidet in die gefüllte Badewanne gelegt, sei dort eingeschlafen und schließlich an den stark überdosierten Schlafmitteln gestorben.

Im Ergebnis also ein Suizid. Barschels Witwe Freya und sein Bruder Eike teilen mit, dass sie „weiterhin nach der Wahrheit forschen“ wollen. Sie sind überzeugt, dass Barschel keinen Suizid begangen habe. Die Familie möchte, dass eine zweite Sektion vorgenommen wird. Bei dieser Obduktion, die der damalige Hamburger Institutsdirektor Prof. Werner Janssen leitet, ist Püschel als Oberarzt beteiligt. „Das Untersuchungsausmaß haben wir erheblich ausgedehnt“, erinnert sich der Rechtsmediziner. „Ich bin mir sicher, dass uns nicht die kleinste Verletzung entgangen ist.“

Versehentliche Überdosierung der Medikamente "nicht denkbar"

Zweifelsfrei „todesursächlich“ sei der Medikamentencocktail mit dem Schlafmittel Cyclobarbital und den Beruhigungstabletten Pyrithyldion gewesen. Eine versehentliche Überdosierung sei bei einem „bewusstseinsklaren Menschen angesichts der nachgewiesenen Substanzmengen nicht denkbar; ebenso unwahrscheinlich ist die Möglichkeit einer unbemerkten Beibringung“, betont Püschel. „Außerdem war die Auffindesituation in der Badewanne vereinbar mit Hinweisen von Sterbehilfeorganisationen, die eine gestaffelte Medikamenteneinnahme vorschlagen.“

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Die Rechtsmediziner teilen der Familie die Untersuchungsergebnisse mit. „Ausschließlich der Familie und niemandem sonst, das möchte ich betonen“, versichert Püschel. Ein Ermittlungsverfahren gegen unbekannt wegen des Verdachts des Mordes an Barschel wird eingestellt. Die Begründung vonseiten der Staatsanwaltschaft: „Erfolgversprechende Ermittlungsansätze wurden nicht mehr gesehen.“

„Wie bei John F. Kennedy oder Marilyn Monroe gibt es immer wieder Todesfälle, bei denen der Tod in der Grauzone bleibt“, bilanziert Püschel. „Man überlegt, ob es neuere Untersuchungsmöglichkeiten geben kann, die Licht in das Dunkel bringen. Im Fall Barschel sehe ich dies nicht, weil keine Spuren oder Überreste vorhanden sind, die noch mit neueren Methoden gründlicher untersucht werden können.“