Neuer Abendblatt-Podcast

Kein Sex für ein Jahr: Wieso Schwule kaum Blut spenden

Falko Droßmann (SPD), Chef des Bezirksamts Mitte, im Abendblatt-Podcast-Studio.

Falko Droßmann (SPD), Chef des Bezirksamts Mitte, im Abendblatt-Podcast-Studio.

Foto: Michael Rauhe

Im Podcast „Das Geschlecht der Anderen“ wirbt Falko Droßmann, Chef des Bezirksamts Mitte, für neue Regelungen

Hamburg.  Falko Droßmann (SPD) fühlt sich diskriminiert. Der Chef des Bezirksamts Mitte darf kein Blut spenden. „Weil ich schwul bin“, sagt er. Und weil er sexuell aktiv sei. Im neuen Abendblatt-Podcast „Das Geschlecht der Anderen“ spricht Droßmann über das Blutspendeverbot für homo- und bisexuelle Männer. Eine Spätfolge der HIV-Infektionen, von denen früher vor allem schwule Männer betroffen waren. Bis 2017 durften sie kein Blut spenden. Der Europäische Gerichtshof kippte das Verbot, weshalb Blutspenden nun möglich sind. Theoretisch. Denn die Bedingung lautet: Kein Sex. Für ein Jahr.

„Unrealistisch“, sagt Droßmann. „Ich würde eher empfehlen, dass Leute, die zwölf Monate keinen Sex haben, zum Arzt gehen. Das kann dauerhaft auch nicht gesund sein.“ Er finde, dass die Regel auf Angst fuße und nicht mehr zeitgemäß sei. Die medizinischen Erfolge im Kampf gegen Aids würden völlig ignoriert. Es gehe ihm nicht nur um Gleichstellung. „Es geht auch darum, dass wir einen Mangel an Blutspenden haben. Es geht ums Lebenretten.“

Droßmann erzählt, dass es darum auch schon in seiner Zeit bei der Bundeswehr ging. Im Podcast spricht er von Kameradschaft, vom Ernstfall und davon, dass man die Risiken in Relation setzen müsse. Er sagt, es gebe Schwule, die in monogamen Beziehungen lebten, die Kondome nutzten. Von ihnen gehe ein geringeres Infektionsrisiko aus als von Menschen mit wechselnden Sexualpartnern. Die Episode wurde aufgezeichnet, bevor Rot-Grün eine Gesetzesnovelle beantragt und Droßmann seine Bundestagskandidatur verkündet hatte.