Moorburg: Wasserwerfer-Einsatz

Polizei verhindert Besetzung von Moorburg-Baustelle

Mit Wasserwerfer-Einsätzen hat die Polizei die von Demonstranten geplante Besetzung der Baustelle des Kohlekraftwerks Moorburg verhindert.

Hamburg. Nach Polizeiangaben kam es zu Ausschreitungen. Dabei seien Polizisten mit Flaschen und Steinen beworfen worden. Acht Beamte wurden demnach verletzt. Es gab eine Festnahme wegen Landfriedensbruchs; vier Beteiligte wurden in Gewahrsam genommen. Um 13.20 Uhr hatte der Demonstrationszug sich in Bewegung gesetzt; die Polizei schätzte die Teilnehmerzahl auf 600, nach Angaben der Organisatoren waren es 700.

Seit einer Woche sind im Rahmen des ersten Klima- und Antirassimus-Camps gut 1000 Aktivisten in Hamburg. Die Organisation, die sich "Gegenstrom08" nennt, erklärte zu ihrem Protest: "Wenn das Kraftwerk Moorburg in Betrieb geht, steigt der Kohlendioxid-Ausstoß Hamburgs um 40 Prozent. Wer jetzt neue Kohlekraftwerke baut, legt sich für Jahrzehnte auf eine fossile Stromversorgung aus ineffizienten Großkraftwerken fest." Im Namen der Aktion kritisierte Felix Pithan: "Obwohl die große Mehrheit der HamburgerInnen gegen das Kraftwerk ist, versucht Vattenfall den Bau um jeden Preis durchzusetzen."

Für die Demonstranten erklärte Christoph Kleine: "Wir sind entschlossen, den Bauplatz zu erreichen." Viele Camp-Teilnehmer hätten sich in "Aktionstrainings" auf die Besetzung vorbereitet. Ziel sei es, mit der Stilllegung der Baustelle auch ein deutliches Signal gegen den Neubau von bundesweit 25 geplanten Kohlekraftwerken zu senden.

Etwa 400 Demonstrationsteilnehmer hielten sich nach Polizeiangaben nicht an die genehmigte Route, sondern schwärmten aus verschiedenen Richtungen zur Baustelle aus. Die Polizei hielt sie mit Wasserwerfern auf. Demonstranten gelang es nach Angaben Kleines trotzdem, "einige Löcher" in den Bauzaun zu reißen. Der Sprecher von "Gegenstrom08" warf der Polizei vor, mit Wasserwerfern durch die genehmigte Kundgebung gefahren zu sein und "schweres Bürgerkriegsgerät" eingesetzt zu haben. Demonstranten seien durch Schlagstöcke und Reizgas verletzt worden.

Schon am Mittwoch hatten Aktivisten versucht, die Kraftwerksbaustelle zu besetzen. Der Energiekonzern Vattenfall will im südlichen Hamburger Stadtteil Moorburg ein Steinkohlekraftwerk bauen. Der Bau war einer der Knackpunkte in den schwarz-grünen Koalitionsverhandlungen und ist auch im Koalitionsvertrag nicht eindeutig entschieden.