Isaf-Mandat: Nato-Verteidigungsministertreffen in Vilnius

USA machen weiter Druck

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Die einen seien bereit für den Schutz der Menschen zu sterben, die anderen nicht. US-Verteidigungsminister Robert Gates verlangte von den Bündnispartnern erneut mehr Kampfeswillen. Franz Josef Jung lehnte die Entsendung von Bundeswehrsoldaten nach Südafghanistan erneut ab – und bekam Rückendeckung von der Kanzlerin.

Vilnius. Die USA haben beim Nato-Verteidigungsministertreffen in Vilnius ihre Forderung nach mehr Kampftruppen für Afghanistan bekräftigt. "Was wir wollen, sind mehr Truppen ohne Einsatzbeschränkungen und mehr, die bereit sind, sich an den eigentlichen Kämpfen zu beteiligen", sagte US-Verteidigungsminister Robert Gates heute Abend. Sein deutscher Kollege Franz Josef Jung lehnte die Entsendung von Bundeswehrsoldaten nach Südafghanistan erneut ab.

Bislang gebe es unter den Truppenstellern für die Afghanistan-Schutztruppe Isaf nur einige "Länder wie Kanada und Australien, Großbritannien, die Niederlande und Dänemark, die kämpfen und Verluste hinnehmen müssen, im Gegensatz zu denen, die in weniger riskanten Gebieten sind", sagte der US-Verteidigungsminister. Zu letzteren zählt auch das deutsche Isaf-Kontingent, dessen Einsatz auf den vergleichsweise ruhigen Norden Afghanistans beschränkt ist.

Gates hatte kürzlich in einem Brief an Bundesverteidigungsminister Jung gefordert, Deutschland sollte das Mandat für den Bundeswehreinsatz in Afghanistan ausweiten. Die heftigen Reaktionen auf dieses Schreiben bezeichnete der US-Verteidigungsminister als übertrieben. "Der Brief war sehr sachlich, und ich meine, er war höflich", sagte er.

Gates betonte, er habe Briefe mit Forderungen nach mehr Soldaten für Afghanistan an alle seine Kollegen gerichtet, nachdem er selbst eine vorübergehende Aufstockung der US-Truppen um 3200 Mann beschlossen hatte. Weil diese Verstärkung nach sieben Monaten ersetzt werden müsse, "habe ich jeden einzelnen von ihnen gebeten, tief zu graben und zu versuchen, Soldaten aufzubringen", sagte der US-Verteidigungsminister.

Unmittelbar vor seiner Abreise nach Litauen hatte sich Gates allerdings noch deutlich schärfer geäußert: "Ich bin sehr besorgt, dass aus der Allianz ein zweigeteiltes Bündnis wird, in dem manche Partner bereit sind, für den Schutz der Menschen zu kämpfen und zu sterben und andere nicht", sagte Gates am Mittwochabend in einer Anhörung des US-Senats.

Ähnlich äußerte sich in Vilnius der kanadische Verteidigungsminister Peter Gordon MacKay: "Wir wollen vermeiden, dass eine Zwei-Klassen-Nato entsteht." Indirekt warf MacKay Nato-Partnern wie Deutschland mangelnde Solidarität vor: "Wir brauchen einen 'Einer-für-alle'-Ansatz, und das schließt natürlich die Teilung der Lasten im Süden ein", sagte der kanadische Verteidigungsminister.

Bundesverteidigungsminister Jung erklärte dazu: "Wir helfen im Süden mit unseren Tornados, 32 Prozent der Aufklärungsflüge finden im Süden statt." Zudem leiste die Bundeswehr mit insgesamt acht Transall-Maschinen Lufttransporte im Süden. "Aber unser Schwerpunkt bleibt im Norden", bekräftigte der CDU-Politiker.

Rückendeckung erhielt Jung von Bundeskanzlerin Angela Merkel, die in Berlin vor einer Zersplitterung des Bundeswehreinsatzes warnte. "Wenn wir dauernd hin- und hereilen zwischen den verschiedenen Regionen in Afghanistan, glaube ich, dass das auch eine schwierige Sache ist", sagte Merkel. Die Bundeskanzlerin wandte sich zudem dagegen, den Einsatz in Afghanistan "in einzelne Gefährdungskategorien" einzuteilen.

Der kanadische Verteidigungsminister MacKay äußerte vor Journalisten die Hoffnung, dass Frankreich seinen bedrängten Truppen im Süden zu Hilfe eilen könnte. Die Zeitung "Le Monde" hatte am Wochenende gemeldet, Paris erwäge die Entsendung von 700 Fallschirmjägern nach Südafghanistan. Offiziell wurde dies bislang nicht bestätigt. Der französische Verteidigungsminister Herve Morin erklärte in Vilnius lediglich, die Regierung erwäge verschiedene Optionen.

( ap )